3D-Stift SUNLU SL-300 im Test

3D-Druck ist der Trend in Sachen technische Spielereien für den Eigengebrauch. Die Vorstellung, all die Dinge und Ideen, die im Kopf herumschwirren und verwirklicht werden wollen, einfach so kreieren zu können ist unglaublich. Unglaublich, aber wahr! Ihr werdet gemerkt haben, dass 3D-Drucker sich zu einem unserer Lieblingsgadgets entwickelt haben und sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit bekommen. Für diejenigen, die ebenso begeistert davon sind wie wir, aber nicht viel Geld für ein großes Gerät ausgeben wollen, haben wir den 3D-Stift SUNLU SL-300 getestet.

Youtube Video Preview
Produktbezeichnung SUNLU SL-300
Abmessungen 18cm x 2,4cm x 2,4cm
Gewicht 55g
Filament Materialien 1,75mm ABS, PLA & Holz
Temperaturen ABS: 180 – 210 ℃ ; PLS & Holz: 160 – 180℃
Farbauswahl des Stiftes schwarz, blau, grün, weiß

 Verpackung und Lieferumfang

Der 3D-Stift SUNLU SL-300 kommt in einem kleinen, stabilen Pappkarton daher, ähnlich zu den meisten Handys heutzutage. Darin enthalten sind der Stift in weiß, eine mehrsprachige Anleitung, ein Netzteil, ein Stifthalter und zwei 5-Meter-Filamente (ABS & PLA).

3D-Stift SUNLU SL-300 Lieferumfang
Der Lieferumfang, außer den Filamenten. Die waren zu dem Zeitpunkt schon verbraucht.

Die Anleitung ist in acht verschiedenen Sprachen verfasst, unter anderem auch Deutsch. Ich habe mich dennoch an die englische Anleitung gehalten, da diese einfacher verständlich war und kaum (grobe) Übersetzungsfehler beinhaltet.

3D-Stift SUNLU SL-300 Stift & Halterung
Zugehörig zum Stift kommt eine Halterung

Die beigelegte Halterung wird mittels Saugnapf an der Arbeitsfläche befestigt. Bei meinem Test habe ich jedoch kaum Gebrauch davon gemacht, da mit Filament und Netzteilkabel das Gewicht an der Oberseite des Stiftes zu hoch war und er ständig aus der Halterung gekippt ist. Praktischer war es, den Stift zwischendurch einfach auf die Seite zu legen, die heiße Spitze lag dabei auch nie auf der Arbeitsfläche auf.

Verarbeitung und Einstellungsmöglichkeiten

In schlichtem schwarz-weiß gehalten, wirkt der Stift recht edel und hochwertig. Auch das Äußere des Stiftes fühlt sich angenehm glatt und weich an, kein Vergleich zu billig verarbeitetem Plastik. Einzig die Tasten am Stift hätten meiner Meinung nach aus Gummi und nicht Plastik sein können, aber ich denke hier geht Gewicht vor Haptik.

3D-Stift SUNLU SL-300 in der Hand gehalten
Liegt sehr gut in der Hand (auch bei Linkshändern).

Auf der rechten Seite des Stiftes, von der Spitze aus gesehen, befinden sich zwei rundliche Tasten, mit denen man das Filament ein- bzw. ausgeben kann. Betätigt man eine der Tasten beginnt der Motor im Stift zu arbeiten und das nicht gerade leise. Dennoch kein übermäßig störendes Geräusch. Hier wird jeder selbst entscheiden müssen, wie sehr vertieft er in seine Kreation ist und wie sehr ihn dabei Nebengeräusche stören. Ich fand es bei meinen Arbeiten als regelrecht entspannend. Auf der gegenüberliegenden Seite sind zwei eher längliche, geriffelte Tasten angebracht. Darüber kann man die Schnelligkeit der Ausgabe des Filaments steuern. Zur Auswahl stehen hier insgesamt acht verschiedene Stufen. Am Anfang habe ich den Stift zuerst auf die niedrigste Schnelligkeit eingestellt, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen. Nach der Eingewöhnung habe ich mich auf Stufe 5 eingependelt und konnte damit gut arbeiten.

SUNLU SL-300 Seitenansicht
Mit diesen Tasten kann man die Schnelligkeit der Ausgabe einstellen.

In der Mitte des Stiftes ist ein kleines LED-Display mit zwei Tasten angebracht. Hier kann man zu Beginn die Materialart einstellen. Startet man den Heizvorgang sieht man dort ebenfalls die derzeitige Temperatur ansteigen. Unter den Knöpfen befinden sich zusätzlich zwei Lämpchen; Gelb zeigt an, dass das Gerät mit Strom versorgt und für weitere Aktionen bereit ist. Daraufhin kann man den Ausgabeknopf drücken, ein rotes Lämpchen leuchtet auf und der Stift beginnt sich aufzuheizen. Hat er seine eingestellte Temperatur erreicht, leuchtet es grün. Bevor man nun sein Material einsteckt, kann man die Ausgabegeschwindigkeit noch einstellen. Von Werk aus befindet sie sich auf Stufe 5.

3D-Stift SUNLU SL-300 Ganze Ansicht
Hier erkennt man gut das LCD-Display und die gesamte Tastenverteilung.

Jetzt kann man endlich sein Material mit leichtem Druck in das dafür am Kopf befindliche Loch stecken, bis man einen Widerstand spürt. Drückt man den Ausgabeknopf beginnt der Motor das Filament einzuziehen und nach ein paar Sekunden kommt es an der Spitze auch schon heraus. Drückt man den Ausgabeknopf erneut, stoppt der Motor. Trotzdem kommt immer noch eine kleine Menge an Filament nach. Das ist vor allem während des Erstellens von Kreationen ärgerlich, wenn man einen definiten Stop haben möchte, aber ständig das zusätzliche Material entfernen muss. Außerdem entstehen jedes Mal nervige Fäden, die man gefühlt nie alle wirklich los wird. Möchte man keine ständige Ausgabe von Material, muss man den Ausgabeknopf doppelt drücken und bekommt dann nur auf Knopfdruck Material. Ich fand es angenehmer das Gerät alleine arbeiten zu lassen und nur bei neuem Ansetzen die Ausgabe zu stoppen.

3D-Stift SUNLU SL-300 Bezeichnung der Tasten
Eine übersichtliche Darstellung der einzelnen Tasten ist in der Anleitung vorhanden.

Hat man seine Arbeit beendet oder möchte Material oder Farbe ändern, drückt man den Entladungsknopf (direkt über dem Ausgabeknopf) für mehrere Sekunden. Der Motor wechselt daraufhin in den Rückwärtsgang und das Filament kommt langsam heraus. Hier sollte man dringend beachten, dass man auch dort Fäden ziehen wird. Diese müssen vor erneuter Einführung in den Stift unbedingt gerade abgeschnitten werden. Beim Farbwechsel habe ich leider keinen sauberen Übergang hinbekommen, da immer noch Restmaterial im Stift blieb. Man sollte also nicht direkt an seinem Werk ansetzen, sondern eine kleine Abfallecke nutzen. Dort wird sich auch über die Zeit einiges ansammeln, gerade durch das Fäden ziehen.

Handhabung und Arbeitsweise

Im oberen Abschnitt habe ich schon ein paar Details zur Handhabung und Arbeitsweise des Stiftes geschrieben, auf die ich gerne weiter eingehen würde. Zuerst aber sollte man im Hinterkopf behalten, dass es sich um einen Stift handelt, der „Plastik“ schmilzt und generell unkontrolliert ausgibt. Das führt zu ein paar negativen Punkten bei der Arbeit mit dem 3D-Stift. Mein größter Kritikpunkt bleibt die Unkontrollierbarkeit des Materials, woran man aber wenig ändern kann. Das Bauen in die Höhe erweist sich als äußerst schwierig, da die Stränge sofort durchhängen und selbst mit einem Gerüst nicht wirklich standhaft sind. Als optimal erweist sich da nur das Stapeln des Filaments in Runden, ähnlich wie bei den 3D-Druckern. Meine damit, seien wir ehrlich, eher misslungene Pyramide ist wenigstens stabil.

3D-Stift SUNLU SL-300 Pyramide
Die Pyramide. Damit sie nicht ganz so hässlich ist, kam noch eine Blume oben drauf.

Weitaus erfolgreicher war es das gewünschte Objekt auf Papier zu zeichnen und später die verschiedenen Ebenen miteinander zu verbinden. Als Beispiel habe ich mich an einer Brille versucht. Dafür habe ich zuerst den Rahmen und die Gläser aufgezeichnet und diese mit dem 3D-Stift nachgefahren. In der ersten Runde ist dabei einiges schief geworden, da ich (wie ich später bei den Bügeln gemerkt habe) nicht fest genug aufgedrückt hatte. Dadurch löst sich das Filament sehr schnell von der Arbeitsfläche und verrutscht. Zudem habe ich am Anfang auf Alufolie „gemalt“, da ich nicht einschätzen konnte wie heiß das Material aus dem Stift kommt und ob ich in Gefahr laufe irgendetwas abzufackeln. Im Endeffekt hat sich aber rausgestellt, dass man problemlos auf Papier damit arbeiten kann. Die Bügel habe ich dann ebenfalls auf Papier gemalt und mit dem 3D-Stift nachgefahren. Zum Schluss habe ich die einzelnen Teile mit dem Stift sozusagen zusammengeschweißt. Zur Stabilität und damit es einfach cooler aussieht, hab ich die Gläser mit andersfarbigen Material ausgefüllt und habe die gesamte Brille von Innen noch mal ausgebessert.

3D-Stift SUNLU SL-300 Brille
Die, leider nicht ganz symmetrische, aber sehr stylische Brille.

Zu guter Letzt habe ich aus reiner Liebe, und weil ich noch Material übrig hatte, einen kleinen Aufsteller für China-Gadgets erstellt. Die einzelnen Buchstaben habe ich wieder aufgezeichnet und mit dem Stift nachgefahren. Wie ihr im Video vielleicht erkennen könnt, verrutscht auch hier das Filament, aber in einem Augenblick reinen Mutes habe ich es einfach mit dem Finger festgehalten und mich nicht dabei verbrannt. Eine Leistung, die sich übrigens durch den ganzen Testversuch gezogen hat. Den Rahmen habe ich spinnennetzartig um die Buchstaben erbaut und auf der Rückseite einen kleinen Ständer angebracht.

3D-Stift SUNLU SL-300 CG-Schild
Der „I <3 CG“ – Aufsteller. Auf jeden Fall schön auf dem Schreibtisch anzuschauen und stabil ist er auch.

Es sind nicht unbedingt die anspruchsvollsten Kreationen, die ich da erstellt habe. Aber für den allerersten Versuch und die Menge an Filament die vorhanden war, keine schlechte Sache. Während der Arbeit bin ich immer wieder an verschiedene Tasten gekommen, aber bis auf die Ausgabe von Filament zu stoppen, hat nichts irgendwelche Veränderungen hervorgerufen. Als Linkshänderin fand ich den Ausgabeknopf sogar angenehmer mit dem Zeigefinger zu bedienen, als es vielleicht für Rechtshänder mit dem Daumen wäre. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Fazit

Alles in Allem bin ich vom dem 3D-Stift SUNLU SL-300 positiv überrascht. Die Arbeit braucht zwar etwas Eingewöhnungszeit und man kann nicht einfach mal so losmalen. Aber wer eine Idee und den dazu passenden Aufbauplan hat, kann super geile Sachen mit dem Stift erstellen. Ich persönlich bin schon stolz auf mich, was ich in nur kurzer Zeit und beim ersten Versuch erstellen konnte. Besonders interessant finde ich die Möglichkeit sich nicht nur kreativ und spaßeshalber ausleben zu können, sondern die Möglichkeit zu haben, vielleicht auch sinnvolle und nützliche Dinge zu erbauen. Das CG-Schild zum Beispiel ist bestimmt nicht die beste Arbeit, aber vom Prinzip her könnte man es für Fotos etc. gebrauchen. Die Geruchsentwicklung, Unhandlichkeit und das unvorhersehbare Material sind Minuspunkte, an denen man aber prinzipiell auch wenig ändern kann. Meckern auf hohem Niveau. Fenster auf bei der Arbeit und reine Übung sollten da schon hilfreich sein. Für über 40€ lohnt sich, meiner Meinung nach, der Kauf, wenn man wirklich Verwendung für den 3D-Stift SUNLU SL-300 hat. Als einfache Spielerei oder für Kinder, die nicht lange Spaß daran haben, ist es vielleicht etwas teuer.

 

  • Verarbeitung/Material
  • einfache Anleitung
  • Schnelligkeit der Ausgabe einstellbar
  • Kreativität fördernd
  • Macht Spaß!
  • Gestank nach verbranntem Plastik
  • Unvorhersehbarkeit des Material; einfach in die Höhe bauen nicht möglich
  • relativ laut
  • mit Kabel und Filament recht unhandlich
  • Verrutschen des Filaments

Maike

Seit 2017 Teil des Teams und begeistert von allen Arten von DIYs und technischen Spielereien. Der Spaßfaktor darf dabei natürlich nicht fehlen.

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Dein CG-Team!

Ein Kommentar

  1. Profilbild von Ralf Bartholomä
    Ralf Bartholomä

    Wir haben den Stift im Januar einen gekauft, und meine Tochter (12 Jahr) hatte viel Spaß damit. Leider sind die internen Schalter abgebrochen. Sind für den Fingerdruck von Kids wohl unterdimensioniert. Schade ..

    Kommentarbild von Ralf Bartholomä

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