Cheerson CX-60 – Zwei „Kampf“-Drohnen für 72€

Um Quadrocopter und Drohnen ist es in der letzten Zeit etwas still geworden bei uns. Mit dem Cheerson CX-60, der für den angegebenen Preis direkt im Doppelpack kommt, ist jetzt noch mal ein Modell in den China-Shops aufgetaucht, das unsere Neugier auf Anhieb geweckt hat, und das Zeug hat, das Drohnen-Hobby auf ein ganz neues Level zu heben: Dank Infrarot-Sendern und -Empfängern können sich zwei Drohnen virtuell bekämpfen.

Cheerson CX-60

Name Cheerson CX-60
Maße 15,5 x 15,5 x 6cm
Gewicht 225g
Akku 350mAh; wechselbar
Flugdauer 5 Minuten
Ladezeit 80 Minuten
Features  App-Steuerung, Duelle via Infrarot, automatische Höhenkontrolle

Epische Luftkämpfe oder Langeweile?

Um sich vollends auf das folgende Video einzulassen, muss man den Verstand vielleicht einfach mal abschalten. Natürlich präsentieren Geekbuying und Cheerson die Drohnen hier besonders spektakulär mit Laserwaffen vor animierter Weltraum-Kulisse, was mit dem echten Flugerlebnis am Ende nicht annähernd erreicht wird. Aber wenn das nicht der Traum eines jeden kleinen Jungen ist:

Youtube Video Preview

Spektakulär, oder? Nehmen wir die rosarote Nerdbrille aber mal für einen Moment ab und betrachten die Fakten: Es handelt sich um einen Quadrocopter mittlerer Größe mit einem zugegeben eigenwilligen Design, das ein wenig an ein Raumschiff erinnert. Gesteuert wird er ausschließlich per Smartphone-App. Hier ist auch eine Steuerung über den Gyro-Sensor des Handys möglich, das heißt, man steuert durch Neigen des Smartphones; die Höhe hält der CX-60 dabei weitestgehend selbstständig. Eine Kamera gibt es nicht.

Der Akku ist mit 350mAh Durchschnitt, die angegebene Flugdauer mit etwa 5 Minuten aber ziemlich gering. Alles in allem ein Quadrocopter mit zumindest ordentlichen Werten, die aber noch nicht den Preis rechtfertigen würden. Deswegen kommen wir zur vielleicht wichtigsten Eigenschaft des Cheerson CX-60: Den Duellen mit einer anderen Drohne.

Was im Video spektakulär (manch einer würde sagen: übertrieben) dargestellt ist, wird in der Realität durch Infrarot ermöglicht. Per App („CX-60“, für Android und iOS) können verschiedene Attacken ausgewählt und der Gegner damit „beschossen“ werden. Der als Kanone fungierende Sender sitzt an der Front des Fluggerätes, der Empfänger oben in der Mitte. Eine Anzeige auf der Rückseite und in der App gibt Auskunft übe die verbleibenden Lebenspunkte. Das Prinzip ist nichts anderes als etwa bei Laser-Tag oder beispielsweise einigen ferngesteuerten „Robotern“, die es bereits gibt. Neu ist, dass die Kämpfe nun in der Luft ausgetragen werden können.

Der Extremtest

Auf diesen Test hatten wir uns sehr gefreut, und auch wenn die Realität dem animierten Werbevideo nicht gerecht wird, hatten wir viel Spaß. Beide Cheerson CX-60 haben dabei leider etwas gelitten, was wohl unserer etwas unorthodoxen Flugweise zu verdanken ist. Aber eins nach dem anderen.

Die App – Ein Minigame für sich

Zum Start muss man außer der Installation der oben erwähnten App eigentlich nichts tun. Drohne einschalten, Smartphone mit dem WLAN verbinden und App starten. Beim ersten Mal verlangt diese das Anlegen eines Nutzerprofils, für das allerdings keine Internetverbindung und keine Mailadresse nötig sind. Statt dessen wird darüber einfach der Fortschritt im „Spiel“ festgehalten, denn es kann eine Ingame-Währung (Goldmünzen) freigespielt werden, mit der zusätzliche Fähigkeiten für die Drohne erkauft werden können. So können dann auf Knopfdruck die eigenen Lebenspunkte regeneriert oder per Spezialwaffe die Steuerung des Gegners lahmgelegt werden.

Cheerson CX-60 App Steuerung
In der Übersicht werden Werte und Fähigkeiten der Drohne angezeigt.

Es gibt einen Einzelspieler-Modus, in dem die Spezialfähigkeiten und Lebensanzeige deaktiviert sind, und der sich zum Üben der Steuerung eignet, und natürlich den 2-Spieler-Duell-Modus. Die Steuerung entspricht dabei jeder anderen Drohnen-App, abgesehen von drei zusätzlichen Buttons für die Infrarot-Kanone und die Spezialwaffen. Alle Funktionen der Steuerung können innerhalb der App nachgeschlagen werden.

Cheerson CX-60 App Steuerung
Die Hilfe-Funktion erklärt die Funktionsweise der Drohne.
Der Trick mit dem Gold

Normalerweise erhaltet ihr neben kleinen Beträgen für bestrittene Duelle größere Mengen Gold, wenn ihr euch täglich einloggt. Damit kann es aber trotzdem Tage und Wochen dauern, ehe alle Fähigkeiten freigespielt sind. Eine Möglichkeit, das wesentlich zu beschleunigen, ist, den internen Kalender des Handys kurzzeitig umzustellen und so nacheinander die Login-Boni für verschiedene Tage einzusammeln. Dann könnt ihr von Anfang an mehrere Fähigkeiten freischalten und die Duelle etwas interessanter gestalten.

Der Luftkampf

Aber all das mag sich noch so interessant anhören, wirklich ernst wird es erst mit dem Start. Unsere Empfehlung vorweg: Fliegt per Neigungssteuerung anstatt mit dem rechten Stick zu lenken (bzw. dem linken, zwischen Mode1 und 2 kann gewechselt werden), und stellt die Geschwindigkeit auf 100%.

Für alle weitere gibt es eigentlich keine Anleitung, jeder muss selbst herausfinden, wie er fliegen (und kämpfen) will. Die Infrarot-Bewaffnung lässt Zielen einigermaßen zu, und man trifft den Gegner auch gut – abhängig vom eigenen Können und dem des Gegenspielers. Die Waffe braucht nach jedem Schuss ein paar Sekunden, um erneut abgefeuert zu werden. Einen Treffer merkt man durch Vibrationen und Soundeffekte des Smartphones; ist die Lebenspunkte-Anzeige einer Drohne aufgebraucht, schlingert diese langsam zu Boden und der Sieger darf sich anschließend feiern lassen.

Infrarot vs. Sonnenlicht

Leider haben wir feststellen müssen, dass die Infrarot-Sensoren im Freien deutlich schlechter funktionieren als in Gebäuden. Windstille vorausgesetzt fliegen die Drohnen draußen genau so gut wie drinnen, aber das Zielen muss deutlich genauer und auf kürzere Distanz erfolgen, so dass wir insgesamt eher zum Einsatz in der Wohnung raten.

Bei uns lief es spätestens in der dritten Runde darauf hinaus, dass es regelmäßig zu Zusammenstößen und Abstürzen kam, da unsere Flugstile einfach immer wagemutiger (in unserer Wahrnehmung: besser) wurden. Beide Quadrocopter steckten das aber überraschend gut weg. Die Drohnen haben unsere Büropflanzen gestutzt, sind ineinander und gegen Wände gecrasht und einmalig sogar aus mehreren Metern auf Asphalt gestürzt. Ein einziges mal mussten wir eine der beiden danach aufschrauben und ein Kabel festdrücken, ansonsten fliegen sie noch wie zu Anfang. Äußerlich haben beide Drohnen aber einiges abbekommen, und das harte und wenig biegsame Plastik der Außenhaut ist eigentlich nicht für diese Behandlung geeignet.

Cheerson CX-60 Drohne
Das Innenleben der Drohne – Einmal sicherstellen, dass auch alle Kabel fest sitzen.

Zum Glück ist das kein Muss. Stellt man sicher, genügend Platz zu haben, und vermeidet Zusammenstöße, dann gelingen die Duelle auch ohne Crashs und machen dabei trotzdem Spaß. Und es ist zumindest beruhigend zu wissen, dass nach einem Absturz eben nicht direkt Schluss ist.

Cheerson CX-10
Fotos hätten wir rückblickend vor dem Flug machen sollen, aber die Vorfreude war zu groß. Nun sieht man auf den Bildern einige der Spuren, die unser Test hinterlassen hat.

Fazit zum Cheerson CX-60

Ich habe mich auf den Cheerson CX-60 wirklich gefreut, und auf eine gewisse Weise wird ein Kindheitstraum damit wahr. Wo früher Spielzeug-Flugzeuge noch in der Phantasie aufeinander schossen, geht das hier nun in der Realität. Die Steuerung per Smartphone ist dabei nicht ideal und gerade das Rotieren der Drohne ein wenig knifflig, und der Akku könnt wirklich länger halten. Von diesen beiden Punkten abgesehen machen die Duelle aber einfach Spaß, obwohl (oder gerade weil) die Steuerung präziser sein könnte. Nach kurzer Eingewöhnung trifft man den Gegner regelmäßig und lernt, dessen Attacken auszuweichen.

Ob man über 70€ für die beiden Drohnen zu zahlen bereit ist, muss man sich gut überlegen (und eine einzelne Drohne macht einfach wenig Sinn), unserer Meinung nach sind sie den Preis aber wert.

Jens

Ich bin im Herbst 2015 zu China-Gadgets gestoßen, und habe mich seit dem vor allem in den Drohnen-Sport verliebt, und verfolge alles rund um Quadrocopter mit Leidenschaft. Und mein Handy ist sowieso schon lange ein „China-Phone“.

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3 Kommentare

  1. Profilbild von derautologingehtnichtrichtig
    derautologingehtnichtrichtig

    Das Video ist einfach mal extrem optimistisch haha … Aber für etwa 35 € würde ich eigentlich schon ne Kamera erwarten :/ vorallem das Zielen stell ich mir von unten recht schwer vor. Die akku Laufzeit ist nun auch nicht Doll. Aber wer sich den Spaß leisten kann hat sicher sein Spaß damit 🙂

    • Profilbild von kristian
      kristian (CG-Team)

      Ich war übrigens der Battlepartner von Jens – das Gadgetset ist schon verdammt spaßig – hätte ich jetzt so nicht gedacht. Woran liegts?

      – die Drohnen halten auch übertriebene Crashes aus
      – man trifft doch erstaunlich gut (man muss nicht 100%ig treffen)
      – die Steuerung ist echt gut

      Das Video ist übertrieben :). Die Kamera wäre bei diesem Set irgendwie sinnfrei. Du willst ja nur battlen.

      LG

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