„Alle hassen Apple“…trotzdem kopiert es jeder!
Apple zu hassen, gehört im Netz zum guten Ton. Wer etwas auf sich hält, schimpft über 25-Euro-Poliertücher, lacht über 800-Euro-Rollen für den Mac Pro und postet hämische Memes über die Innovationsarmut aus Cupertino. Ganz ehrlich: Dazu gehören wir auch. Doch während die Kommentarspalten vor Wut schäumen, sprechen die nackten Zahlen eine völlig andere Sprache: Das iPhone 16 war auch 2025 das meistverkaufte Smartphone der Welt – zum dritten Mal in Folge. Der wahre Witz ist aber nicht der Preis des Zubehörs. Der wahre Witz ist die Konkurrenz, die Apple in jeder Keynote verspottet, nur um das iPhone im Anschluss ungenierter denn je zu kopieren. Das ist mir zu viel Doppelmoral.
Alles wird orange
Dass das iPhone optisch schon oft als Vorbild genommen wurde, ist kein Phänomen der letzten Jahre, sondern schon des letzten Jahrzehnts. Ganz deutlich wurde es beim iPhone X, welches 2017 eine echte Designrevolution des Smartphones einläutete. Ja, das Essential Phone hat eine (Waterdrop)-Notch schon vorher gehabt, aber Apple hat sie unbestritten groß gemacht. Daraufhin gab es natürlich zig Fakes, die als X-Smartphone betitelt wurden, aber auch etabliertere Hersteller haben die Optik übernommen, so wie Xiaomi im Xiaomi Mi 8.
Klar, ich möchte nicht außer Acht lassen, dass die meisten Hersteller schon in der Folgegeneration schnell auf die Punch-Hole-Frontkamera gewechselt sind und Apples Dynamic Island noch Jahre auf sich warten ließ. Ein gutes Stichwort übrigens: Dynamic Island. Die Weiterführung der Notch wurde inzwischen auch von vielen Herstellern wie von Xiaomi mit der HyperIsland oder Samsung mit der Now Bar kopiert.

Während man die Notch und deren Weiterentwicklung vielleicht noch als Innovation verkaufen kann, auf die man erstmal kommen muss, ist der Triggerpunkt für diesen Artikel eine Farbe: Orange. 2026 wird Orange. Nicht wegen Trumps Hautton, sondern weil Cosmic Orange die Signature-Farbe des iPhone 17 Pro (Max) ist. Und was folgt? Ein oranges Honor Magic 8 Pro Air, ein oranges Redmi Turbo 5 Max und laut Leaks soll die Samsung S26-Reihe auch in Orange erscheinen. Und das kann mir keiner erzählen, aber Orange ist keine Innovation. Die Farbe war vorher da und wird hier nur benutzt, weil es gerade wegen Apple im Trend ist. Als ob die Hersteller darauf warten, welche Trendfarbe Apple diesmal ausspuckt, um dann das eigene Produkt besser vermarkten zu können.

Und bevor es Orange war, war es Titan, von dem Apple jetzt wieder ein Rückzieher macht, die „Titan-Verarbeitung“ aber sogar in Xiaomis Mittelklasse Einzug gefunden hat. Das Xiaomi 17 Pro Max mit angeglichenem Namen lasse ich dabei sogar mal außen vor, schließlich ist das nur ein Hersteller. Mir geht es darum, dass eine halbe Industrie dem Platzhirsch folgt.
Sie klauen sogar Liquid Glass
Und das macht keinen Halt bei der Optik, wobei das sicherlich das größte Verkaufsargument ist, da es auf der ersten Ebene funktioniert. Tiefer im Produkt begegnet man bei Herstellern wie Honor mit MagicOS 10 jetzt auch einer Art Liquid Glass. Das neue Design, welches auf transparente Oberflächen, dynamische Lichteffekte und Unschärfe setzt, wird von vielen iOS Benutzern eher negativ aufgefasst. Trotzdem wird es schamlos kopiert. Dabei ist es noch mal etwas anderes, das sich Android und iOS über die Jahre und Generationen immer mehr angeglichen haben. Hier aber wirkt es fast einfallslos.

Das gilt auch für das Fehlen von Komponenten. Könnt ihr euch noch an Netzteile erinnern? So Ladegeräte, die mit bei dem Smartphone in der Box lagen, damit man die Geräte auch aufladen kann? 2020 hat Apple diese aus „Umweltschutzgründen“ aus dem Verpackungsinhalt entfernt. Kurz darauf folgten fast alle weiteren, etablierten Hersteller: Samsung, Xiaomi, Honor, Google & mehr. „Wenn Apple es macht, können wir es auch machen“ scheint hier die Devise zu sein. Und das Trauma mit dem Kopfhöreranschluss möchte ich an dieser Stelle gar nicht aufreißen.
Symbolisch ist dabei sogar, dass Apples vermeintliche Fehler sogar kopiert werden. Der „Camera Control“-Button wurde von vielen als ergonomisch unvorteilhaft bezeichnet, trotzdem findet sich ein AI-Button auf dem Honor Magic 10 Pro bzw. ein Quick Button auf dem OPPO Find X9 Pro – an exakt der gleichen Stelle. Warum also nicht anders platzieren? Warum nicht vielleicht die Steuerung anpassen? Das selbst die vermeintlich „schlechten“ Aspekte einfach kopiert werden, wirkt schon etwas grotesk.
Warum macht man das?
Schon mal von einem „Fast Follower“ gehört? Das sind Unternehmen, die den Marktvorreitern (in diesem Fall Apple) die Innovationen überlassen, diese dann schnell imitieren, verbessern und dann oft zu einem günstigen Preis anbieten. Das Phänomen beobachtet man natürlich nicht nur in der Smartphone-Technikwelt, sondern zum Beispiel auch stark in der Modeindustrie. Kein Wunder, schließlich minimiert diese Strategie Forschungs- und Entwicklungskosten und potenzielle Fehler. Und das wiederum kann sich in einem geringeren Preis des Produkts widerspiegeln.
„Aber Apple ist doch längst nicht mehr innovativ“ höre ich schon als Gegenargument. Ich würde das zumindest mal nicht direkt bestätigen. Ja, Apple ist sicher nicht mehr in jedem Bereich der große Innovator, schließlich haben sie z.B. noch immer kein Falt-Smartphone, hinken im AI-Rennen komplett hinterher und wirklich schnell laden tun die Geräte weiterhin nicht. In den letzten Jahren haben sie sich dazu entwickelt, lange abzuwarten, bevor sie etwas neues imlementieren. Aber mit z.B. MagSafe oder eSIM haben sie in den letzten Jahren zumindest einige neue Standards gesetzt.
Hot Take: Trotz aller Innovationen anderer Hersteller ist Apple immer noch der Goldstandard. Solange die halbe Industrie noch (blind) kopiert was der angebissene Apfel macht, wird sich das nicht ändern. Und ich möchte nicht behaupten, dass Xiaomi, Google & Co. nur kopieren. Es gibt auch viele Innovationen der anderen Hersteller wie wirklich schnelles Laden und große Silizium-Karbon-Akkus, Gimbal-Kameras oder Tri-Fold-Smartphones. Keine Frage. Wir leben aber in einer Zeit der Design-Homogenisierung. Selbst wer Apple ablehnt, hält am Ende meist ein Gerät in der Hand, das in puncto Optik, Material oder Software maßgeblich von Apple definiert wurde. Das liegt daran, dass Apple einer der wenigen Hersteller ist, der es sich leisten kann, den ersten Schritt zu machen und die Konkurrenz es sich nicht leisten kann, den zweiten zu verpassen.
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