AtomForm Palette 300: Der 3D-Drucker mit dem 12-Düsen-Revolver
Wenn ein neuer 3D-Drucker auf Kickstarter auftaucht, der verspricht, alle Probleme der Branche auf einmal zu lösen, werden wir hellhörig – und skeptisch. Der AtomForm Palette 300 ist genau so ein Kandidat. Ein Drucker mit zwölf automatisch wechselnden Düsen, bis zu 36 Farben und einem aktiv getrockneten Multicolor-System für sechs Spulen klingt nach dem ultimativen Traum, weckt aber auch Erinnerungen an gescheiterte Großprojekte der Vergangenheit. Wir ordnen ein, ob hier die Zukunft des Multimaterial-Drucks entsteht.
- AtomForm Palette 300 3D-Drucker (demnächst bei Kickstarter):
- bei AtomForm: Anzahlung: 50 USD, dann:
- Drucker Solo: $1.499 (ca. 1.380€)
- Combo (inkl. RFD-6): $1.699 (ca. 1.560€)
- VIP-Set (inkl. Combo und 6 PLA-Spulen): $1.799 (ca. 1.650€)
Kickstarter und Indiegogo sind keine Online-Marktplätze, sondern Crowdfunding-Plattformen. Dort können Privatpersonen neue Produkte finanziell unterstützen. Ein Anspruch auf das fertige Produkt besteht jedoch nicht, was die Beteiligung zu einem Risiko macht.
Inhalt
Déjà-vu: Ein Mähroboter-Team will Anker beerben
Der Name „Palette“ weckt zwar Assoziationen an das bekannte Mosaic-System (z.B. Mosaic Palette 3), hat damit aber nichts zu tun. Viel spannender ist die Technik, denn AtomForm setzt auf ein Revolver-System, das bis zu zwölf Düsen („OmniElement“) automatisch in den einzigen Druckkopf rotiert. Das kommt uns bekannt vor, denn AnkerMake (jetzt eufyMake) hatte mit der V6 Color Engine und einem ähnlichen Düsen-Karussell einst Großes vor und ist damit grandios gescheitert. Nun will ein Startup, gegründet von ehemaligen Mitarbeitern des Mähroboter-Herstellers Mova (ehemals Dreame-Tochter), schaffen, woran der Riese Anker verzweifelt ist.
Technische Versprechen vs. physikalische Realität
Technisch gesehen (der beste Podcast, hört bzw. schaut mal gern rein!) macht der Palette 300 auf den ersten Blick erst einmal Laune in Form eines Bauraumes von 300 x 300 x 300 mm und eines Top-Speeds von 800 mm/s. Letzteres ordnen wir direkt als reines Marketing für Leerfahrten ein, da im echten Druck wohl eher realistische 300 mm/s anliegen dürften. Auch die versprochene Materialvielfalt mit bis zu 350°C am Hotend und 65°C Bauraumheizung klingt erst einmal sehr gut.
Der eigentliche Knackpunkt liegt jedoch in der beworbenen Abfalleinsparung von 90 Prozent durch das Revolversystem. Die entscheidende Frage lautet hier, wie genau die 12 Farben (oder maximal 36 Farben beim Anschluss von 6 Color-Box-Einheiten) angebunden sind. Konkret: Wird der Druckkopf mit 12 separaten PTFE-Schläuchen verbunden oder nur mit einem einzigen? Wäre letzteres der Fall, wäre das weiterhin vermehrte „Pooping“ (Purging) unvermeidbar. Bei jedem Filamentwechsel müsste das Filament erst zeitaufwendig ins Multicolorsystem zurückgezogen und neues geladen werden, was die Wechselzeiten deutlich erhöhen würde.
RFD-6: Der Weinschrank für Filament
Passend zum Drucker gibt es das RFD-6, eine Multicolor-Box für sechs Spulen, die gleichzeitig trocknen (bis 85°C) und fördern kann. Auch diese Einheit erinnert optisch stark an Ankers eingestampften „Mini-Weinschrank“. Die Idee ist zweifellos genial, aber die technische Komplexität solcher Systeme ist nicht zu unterschätzen– besonders für ein Erstlingswerk. Dass es bisher keine Fotos/Videos von echten Drucken, sondern nur Renderings und Animationen gibt, verstärkt unsere Skepsis zusätzlich.
Einschätzung: Abwarten und Tee trinken
Das Konzept ist faszinierend, aber die Zweifel an der Marktreife überwiegen aktuell deutlich. Ein funktionierender Düsen-Wechsler wäre sicherlich was Feines, aber Anker hat gezeigt, wie schwer das ist. Die geforderten Preise von rund 1.560 Euro (plus Anzahlung) für die Combo-Einheit aus Drucker und Multicolorsystem – noch dazu von einem absoluten Newcomer – sind extrem selbstbewusst. Bedenkt dabei auch: Um den 12-Fach-Wechsler vollends nutzen zu können, bräuchtet ihr zwei RFD-6-Einheiten! Unser Rat lautet daher ganz klar: Wartet ab und lasst das Gerät erst mal bei Testern landen, bevor ihr euer Geld auf Kickstarter parkt.
Was denkt ihr: Kann ein ehemaliges Mähroboter-Team den 3D-Druck revolutionieren?
Quelle(n):
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