Ratgeber: PLA, PLA+, High Speed & Sunlu PLA 2.0 – Was lohnt sich wirklich?

Über 90 Prozent aller privaten 3D-Druck-Projekte laufen vermutlich mit PLA. Warum auch nicht? Es riecht kaum, es lässt sich kinderleicht drucken und die Auswahl ist riesig. Doch gerade weil es das Standard-Material schlechthin ist, versuchen Hersteller ständig, mit neuen Buzzwords wie „High Speed“, „Hyper“, „Meta“ oder „Plus“ zum Kauf teurerer Spulen zu animieren. Ganz frisch dabei: Sunlu mit „PLA Plus 2.0“. Bevor ihr jetzt blind den Warenkorb füllt, schauen wir uns mal an, wo die technischen Unterschiede wirklich liegen und wann ihr besser ganz anderes Material nehmt.

PLA. Aufmacher2

PLA-Arten: Die Preise (grobe Richtwerte)

  • Standard PLA: ca. 10 – 18€ / kg (im Sale oft günstiger)
  • PLA+ / PLA Plus: ca. 16 – 22€ / kg
  • High Speed PLA: ca. 18 – 25€ / kg
  • Sunlu PLA Plus 2.0: ca. 16 – 20€ / kg (oft in Bulk-Deals)

Die Basis: Standard PLA – Der günstige Standard

Polylactid (PLA) ist nicht ohne Grund der König im Hobbykeller. Es verzieht sich beim Abkühlen kaum (kaum Warping) und liefert optisch oft die schönsten Oberflächen. Für rein dekorative Objekte, Figuren oder schnelle Prototypen, die keiner Last ausgesetzt sind, ist das günstigste Standard-PLA oft ausreichend. Ihr müsst hier kein Geld für teure „Performance“-Varianten verbrennen.

PLA normal

Das Upgrade: PLA+ (PLA Plus) – Zäher, aber kein Wundermittel

Bei PLA+ (oder PLA Pro/Tough) mischen die Hersteller Additive wie TPU bei, um die größte Schwäche des Materials zu beseitigen: die Sprödigkeit. Während normales PLA bei Belastung oft schlagartig splittert, verformt sich PLA+ eher plastisch oder biegt sich, bevor es bricht. Das ist ideal für einfache Alltagshilfen wie ein Gehäuse für den Raspberry Pi oder Sortierboxen.

PLA Plus

Der Turbo: High Speed PLA – Was ist da anders?

Seit Bambu Lab, Creality, Anycubic und Co. mit bis zu 600 mm/s durch den Bauraum flitzen, kommt Standard-PLA an seine Grenzen. Das Problem ist die Viskosität (hier: Zähflüssigkeit): Das Material schmilzt nicht schnell genug. High Speed PLA (oft auch HF, Hyper oder Rapid genannt) besitzt spezielle chemische Fließverbesserer. Dadurch verringert sich die Viskosität bei Hitze drastisch – das Material wird also „flüssiger“ und lässt sich schneller extrudieren (bis 300 mm/s). Der Nachteil ist oft eine etwas geringere Layer-Haftung und Stabilität im Vergleich zu langsamer gedrucktem Standard-PLA.

PLA Hyper Series

Der „Neue“: Sunlu PLA Plus 2.0 – Ersteinschätzung

Und dann wäre da noch Sunlus neues „PLA Plus 2.0„. Sunlu verspricht hier eine Schlagzähigkeit von bis zu 19,8 kJ/m², was laut Herstellerangaben zwei- bis dreimal stärker als andere PLA+ Filamente sein soll. Besonders mutig ist der Marketing-Slogan, die Festigkeit sei „vergleichbar mit Easy ABS“. Dazu soll es dank 1,5-fach besserer Fließfähigkeit Geschwindigkeiten bis 300 mm/s bei Temperaturen zwischen 205 und 220 Grad Celsius unterstützen.

Sunlu PLA 2

Hier müsst ihr aber genau hinschauen und das Datenblatt lesen. Sunlu gibt die Vicat-Erweichungstemperatur mit lediglich 54 Grad Celsius an. Das bedeutet: Zwar mag das Teil mechanisch extrem robust sein und kaum brechen, wenn es runterfällt (Schlagzähigkeit), aber thermisch ist es weiterhin reines PLA, das in diesem Fall ab 54 Grad beginnt sich zu verformen.

PLA 2 Features

Im sommerlichen Auto oder in der Nähe von warmen Bauteilen wird dieses PLA also genauso weich wie das billigste Standard-PLA. „ABS-vergleichbar“ bezieht sich hier also rein auf die Bruchfestigkeit, keinesfalls auf die Hitzebeständigkeit.

PLA Aufmacher
Für den Sommer im Auto ungeeignet: PLA

PLA: Die 1001 Variationen

Falls ihr jetzt denkt, dass es das war mit den PLA-Variationen. Es gibt natürlich weiterhin unendlich viele „Spielarten“ von PLA. Da wäre beispielsweise Silk PLA oder aber mattes PLA, PLA-CF (mit Carbonfaser versetzt) bis hin zu Glow-in-the-Dark-Varianten und speziellen Farbverläufen. Wenn ihr hier mehr wissen wollt, schaut euch gern unseren Ratgeber zu den verschiedenen Filamenarten, ihren Eigenschaften und ihren Nutzungsempfehlungen an.

PLA Matt Beispiel
Air-Hockey-Tisch: Korpus aus blauem PLA (seidenmatt)

PLA+ 2.0 kommt auf den Wunschzettel

Wir haben das neue Sunlu PLA+ 2.0 mal direkt auf unsere Wunschliste zum Testen gesetzt. Währenddessen solltet ihr euch von den Marketing-Versprechen nicht verrückt machen lassen – insbesondere der ABS-Vergleich hinkt gewaltig, sobald Wärme ins Spiel kommt.

Für 90 Prozent eurer Anwendungen fahrt ihr mit etabliertem PLA+ von bekannten Marken am besten, da es den guten Mittelweg aus Druckbarkeit und Stabilität bietet. Wenn ihr wirklich Geschwindigkeit braucht, greift zu dediziertem High Speed PLA. Und für alles, was im Sommer im Auto überleben oder echte Last tragen muss, lasst ihr PLA – egal ob mit oder ohne Plus – links liegen und nehmt PETG, ASA oder karbonverstärktes Nylon.

Übrigens: Wenn euch dieser kleine „Vortrag“ über PLA nicht ausreicht, schaut euch doch gern unseren umfangreichen Filamentratgeber oder unsere Lieblingsfilament-Hersteller ein wenig genauer an. Außerdem würde uns noch brennend interessieren: Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit dem Sunlu PLA+ 2.0 gemacht?

Quelle(n):

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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (2)

  • Profilbild von andyrandy
    # 15.01.26 um 20:34

    andyrandy

    Ich verstehe nicht warum jemand überhaupt noch mit PLA druckt. PETG ist geringfügig teurer jedoch viel hitzebeständiger und genauso gut zu drucken.

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