Hands-On

Warum kauft (fast) jeder dieses Tablet? Amazon Bestseller im Hands-On

Kein iPad, kein Samsung Tab und nicht mal ein Xiaomi. Das hier ist oft der Nummer 1 Bestseller im Bereich Tablets und er kostet nicht einmal 150€. Aber warum kauft jeder dieses Tablet?

Warum kauft jeder Dieses Tablet

Okay, kurzer Disclaimer: Natürlich hat nicht jeder einzelne von euch das Ding zu Hause – leichte Übertreibung – aber Platz 1 in den Amazon-Charts ist eine Ansage. Und genau das wollen wir überprüfen. Denn unser Job ist es, euch davor zu beschützen, schlechte Technik zu kaufen. Und beim Lenovo Tab M11 bin ich skeptisch. Auf dem Papier sieht alles gut aus, aber es gibt da eine Sache, die man anhand der Produktbeschreibung nicht sehen kann – und die könnte für viele von euch ein absolutes K.O.-Kriterium sein.

Das Amazon-Phänomen: Warum es im Warenkorb landet

Bevor wir das Gerät einschalten, müssen wir kurz über Psychologie sprechen. Warum dominiert Lenovo die Charts? Ganz einfach: Vertrauen. Lenovo ist keine unbekannte No-Name-Brand, sondern ein etablierter Player. Man verbindet damit solide Business-Laptops und Verlässlichkeit.

Lenovo Tab M11 Amazon Psychologie

Dazu kommt der Preis-Sweet-Spot. 150€ ist genau die Grenze, bei der man sagt: „Ach komm, für die Couch oder die Kinder nehme ich das mit.“ Und auf dem Datenblatt wird geliefert: 11 Zoll Größe und 128 GB Speicher klingen für Streaming und Alltag völlig ausreichend. Dass dann auch noch ein Stift direkt im Lieferumfang enthalten ist, wirkt wie der ultimative Deal. Aber wir wissen ja: Wer billig kauft, kauft oft zweimal. Schauen wir uns also an, was wirklich in der Schachtel steckt.

Design & Unboxing: Der erste Eindruck täuscht (nicht)

Beim Auspacken fällt sofort positiv auf: Der Stift liegt bei. Das ist in dieser Preisklasse absolut keine Selbstverständlichkeit – bei Apple zahlt man dafür gerne mal über 100€ extra. Was allerdings fehlt, ist das Netzteil. In der Box findet sich nur ein USB-C-Kabel. Das ist mittlerweile Branchenstandard, nervt aber trotzdem jedes Mal ein bisschen.

Das Tablet selbst kommt in einem schicken Grün-Schwarz daher. Die Bildschirmränder sind dünn genug, damit das Gerät nicht altbacken wirkt, aber breit genug, um es vernünftig zu halten. Wer genau hinschaut, sieht den Kunststoff-Sockel für den Bildschirm und die etwas herausstehende Kamera auf der Rückseite.

An den Seiten finden wir Tasten (solide), einen USB-C-Port, einen Slot für die Speicherkarte und – Trommelwirbel – einen 3,5 mm Klinkenanschluss. Freunde kabelgebundener Kopfhörer dürfen aufatmen. Was fehlt: ein Fingerabdrucksensor. Entsperrt wird klassisch per Code oder (weniger sicherem) Face-Unlock. Auch Pogo-Pins für eine magnetische Tastatur sucht man vergebens; wer tippen will, muss auf ein Folio-Case oder Bluetooth-Lösungen zurückgreifen.

Display & Stift: Licht und Schatten

Das 11 Zoll Display löst mit 1920 x 1200 Pixeln auf (FullHD+). Es ist ein IPS LCD-Panel. Um es kurz zu machen: Es ist okay. In dieser Preisklasse erwarten wir kein OLED, aber man merkt den Unterschied zu etwas teureren Geräten wie dem Redmi Pad Pro (welches z.B. 120 Hz bietet) schon deutlich. Das Lenovo macht seinen Job, YouTube-Videos können zwar theoretisch höher skaliert werden, aber das Panel haut einen nicht vom Hocker.

Lenovo Tab M11 Display

Ein echtes Lob muss ich allerdings für den Stift aussprechen. Ich hatte einen billigen Digitizer erwartet, aber die Umsetzung ist gelungen. Es ist zwar kein „smarter“ Stift mit Bluetooth-Verbindung oder Taste, aber er funktioniert präzise. Wichtig: Vor der ersten Nutzung müsst ihr das kleine Blättchen von der Batterie entfernen.
Softwareseitig bietet Lenovo hier nette Features: Handschrifterkennung in Textfeldern, EasyJot und Schnellnotizen funktionieren erstaunlich gut. Für Schüler oder schnelle Notizen im Meeting ist das tatsächlich ein Mehrwert.

Software: Bloatware-Party auf Android-Basis

Ausgeliefert wird das Tab M11 mit Android 13, ein Update auf Android 15 steht bereit. Der Sicherheitspatch war in meinem Test von Juni – da ist noch Luft nach oben. Die Benutzeroberfläche ZUI 17 erinnert stark an das cleane Android, das wir von Motorola-Smartphones kennen. Das gefällt.

Was gar nicht gefällt: Bloatware. Lenovo hat das Gerät vollgestopft. Temu, Perplexity, Shein, Wolt, TikTok und eine Wagenladung Spiele sind vorinstalliert. Insgesamt sind ab Werk fast 15 GB Speicher belegt. Das ist frech.

Lenovo Tab M11 Software

Dabei hat die Software gute Ansätze. Das Multitasking ist intuitiv, es gibt unverankerte Fenster und einen PC-Modus, der für Textverarbeitung wirklich gut umgesetzt ist. Leider lässt sich kein externer Monitor anschließen, was den PC-Modus wieder etwas einschränkt.

Die Hardware: Das K.O.-Kriterium

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der bei Amazon in der Produktbeschreibung gerne überlesen wird und der Grund für meine Skepsis ist. Im Inneren werkelt ein MediaTek Helio G88.

Um das einzuordnen: Dieser Chip ist im Prinzip fast 6 Jahre alt. Und das spürt man. Es ruckelt. Überall. Apps öffnen sich teilweise erst nach Gedenksekunden. Das System wirkt oft überfordert. Die 4 GB RAM sind für heutige Verhältnisse knapp bemessen, und der 128 GB Speicher ist leider nur langsamer eMMC-Speicher und kein schneller UFS-Standard. Das ist der Flaschenhals, der das ganze Tablet ausbremst.

Lenovo Tab M11 Benchmark Antutu
Benchmark des Lenovo Tab M11. Zum Vergleich: Ein Redmi Note 15 4G schafft in etwa den doppelten Score.

Gaming? Vergesst es. Solitaire oder einfache Puzzlespiele laufen, aber alles, was grafisch auch nur ansatzweise anspruchsvoll ist, bringt das Tablet in die Knie. Auch der eigentlich schöne PC-Modus wird durch die schwache Hardware zur Geduldsprobe. KI-Anwendungen wie Gemini funktionieren natürlich, aber nur, weil sie in der Cloud berechnet werden – lokal schafft der Chip das nicht.

Akku & Sonstiges

Der Akku fasst 7040 mAh. Das klingt ordentlich, in der Praxis kamen wir im Test aber nur auf ca. 4 Stunden aktive Nutzung (Streaming, Surfen). Das ist kein Marathonläufer. Positiv sind die vier Lautsprecher, die für die Preisklasse in Ordnung gehen, sowie das erwähnte ac-WiFi und Bluetooth 5.1.

Fazit: Lenovo Tab M11 kaufen?

Warum ist das Lenovo Tab M11 also Bestseller #1? Weil es ein Paket-Preis-Sieger ist. Für unter 150€ bekommt ihr ein Tablet inklusive Stift, mit viel Speicher und einem bekannten Markennamen. Aber ist es auch gut?

Wenn ihr nur Netflix schauen, ein bisschen im Web surfen und PDF-Dateien mit dem Stift bearbeiten wollt: Ja, dann ist es für den Preis okay. Aber seid euch bewusst: Der Prozessor ist die Achillesferse. Wer Performance erwartet, gerne spielt oder ungeduldig ist, wird mit diesem Gerät nicht glücklich. Es ist ein reines Medien-Tablet, vielleicht gut für die Kinder oder als digitales Notizbuch.

Wer auch nur 50€ mehr investieren kann, sollte sich dringend Alternativen wie das POCO Pad M1 ansehen. Das Lenovo Tab M11 ist kein Elektroschrott, aber es ist Technik von gestern in einem Gewand von heute.

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Thorben

Mir haben es die China-Smartphones von Xiaomi, Huawei & Co angetan. Wenn ich kein Handy teste, pflege ich unseren Instagram-Kanal.

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Kommentare (11)

  • Profilbild von Daemonarch
    # 25.01.26 um 11:51

    Daemonarch

    Dann besser das Galaxy Tab A9+ für neu 50 Euro mehr, oder leicht gebraucht für 50 Euro weniger!

  • Profilbild von Daniel
    # 25.01.26 um 12:19

    Daniel

    Danke für die detaillierte Einwertung, Top!

  • Profilbild von llllll
    # 25.01.26 um 12:29

    llllll

    Warum findet (fast) jeder eure Headlines beschissen?

  • Profilbild von Chrstph
    # 25.01.26 um 12:52

    Chrstph

    alternativ käme auch das Redmi Pad 2 in Frage. besseres Display, größerer Akku und ein besserer Prozessor.

  • Profilbild von DerDaniel
    # 25.01.26 um 12:53

    DerDaniel

    ey diese Bild.de Schlagzeilen immer häufiger, das ist ja furchtbar. ich kann mir weder die Podcasts(die ähnlich betitelt werden) noch diesen Artikel hier durchlesen, wenn die so ne Überschrift haben. ich glaube China-Gadgets fliegt jetzt mal aus meinem täglichen News-Scan raus,nicht kann sowas nicht unterstützen,und sei es nur mit Klicks.

  • Profilbild von Klischi
    # 25.01.26 um 13:00

    Klischi

    also ich kaufe es nicht

  • Profilbild von HePe
    # 25.01.26 um 13:46

    HePe

    Ich benütze es als elektronisches Notizbuch.
    Den Test könnte man mit ja, aber….zusammenfassen.
    Und nein, mich muss niemand vor schlechter Technik schützen.
    Das Argument, 50€ mehr dann bekommt man…. ist vollkommen überflüssig!
    Die Frage ist, bekomme ich besseres zum gleichen Preis?
    Ps: Ich besitze mehrere Tablets.

    • Profilbild von Steza
      # 25.01.26 um 14:57

      Steza

      Ich hab' mir vor einem Jahr das Lenovo Tab Plus geholt und bin vom Klang (was mir sehr wichtig war) total begeistert. Es gibt nix besseres…👍🏻

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