Test

70mai A810S im Test: Das Upgrade einer der besten 4K-Dashcams

Das vordere Auto setzt unvermittelt zurück, es kracht, und die Schuldfrage steht im Raum. In solchen Momenten ist ein digitaler Zeuge an der Windschutzscheibe Gold wert. Mit der 70mai A810 hatte der Hersteller bereits einen Bestseller mit starkem Sony-Sensor im Programm. Doch das Modell hatte Schwächen, insbesondere beim Akku, nervigen Reflexionen und einer zu kurzen Voraufzeichnung bei Unfällen. Jetzt legt 70mai nach und präsentiert mit der 70mai A810S das direkte Upgrade. Wir testen, ob die neue 4K-Dashcam die Fehler des Vorgängers ausbügelt.

70mai A810S 4K Dashcam Aufmacher 1

Technisches: Was ist neu bei der A810S?

Feature70mai A810SVergleich: 70mai A810 (Vorgänger)
Kameras2-Kanal: Front & Heck (Wahl aus RC24 Innen oder RC23 Außen)2-Kanal: Front & Heck
AuflösungVorne: 4K (3840 x 2160) / Hinten: 1080pVorne: 4K / Hinten: 1080p
Sensor (Front)Sony STARVIS 2 IMX678Sony STARVIS 2 IMX678
BlendeF1.7F1.8
Display3 Zoll IPS (kein Touch)3 Zoll IPS (kein Touch)
EnergiequelleSuperkondensator500 mAh Lithium-Ionen-Akku
Pre-RecordingJa (gepuffert, bis zu 3 Min.)Ja (aber fast unbrauchbare 2 Sekunden)
KonnektivitätGPS, WiFi 6, Bluetooth, optional 4GGPS, WiFi 4, Bluetooth, optional 4G
SpeichermicroSD (bis zu 512 GB)microSD (bis zu 256 GB)
FeaturesADAS, HDR, MaiColor Vivid+ Solution, 70mai Night Owl Vision, License Plate ROI, Lumi VisionADAS, HDR, MaiColor Vivid+ Solution, 70mai Night Owl Vision

Wer schreibt diesen Test?

ThommyIch bin Thommy und ich begeistere mich für Smart Home, Dashcams & Co. Meine Leidenschaft sind aber FDM 3D-Drucker, seitdem mir meine Frau (natürlich die beste) 2018 einen Anycubic Mega-S geschenkt hat.

Kurzfazit zur 70mai A810S

Die 70mai A810S ist ein sinnvolles Upgrade. Der Wechsel vom hitzeanfälligen Akku zu einem langlebigen Superkondensator und das Aufbohren der Voraufzeichnung (auf bis zu 3 Minuten) adressieren Kritikpunkte des Vorgängers. Dank WiFi 6 klappt der Datentransfer aufs Handy spürbar schneller und der 4K Sony-Sensor liefert dank F1.7 Blende (vormals F1.8) weiterhin gutes Material. Insgesamt ist die Bildqualität, speziell die Nummernschilderkennung, aber nur leicht verbessert. Schade bleibt, dass die Sprachsteuerung nur auf Englisch verfügbar ist und weiterhin kein Touchscreen & zentrale Notfalltaste verbaut wurde. Dennoch: Wer aktuell eine Dashcam sucht, bekommt hier ein ausgereiftes Spitzen-Paket.

  • Sinnvolles Pre-Recording (bis zu 3 Min. statt 2 Sek.)
  • Superkondensator statt Akku (hitzeunempfindlich)
  • Schnelle Datenübertragung dank WiFi 6
  • Sony STARVIS 2 Sensor (F1.7 Blende)
  • Umfangreiches ADAS und 4G-Support (optional)
  • Kein Touchscreen, keine zentrale Notfalltaste
  • Bildqualität & Nummernschilderkennung nur marginal verbessert
  • Sprachsteuerung nur auf Englisch & Mandarin
  • Heckkamera „nur“ in 1080p

70mai A810S 4K Dashcam Verpackung

Die größten Upgrades: Pre-Recording und Superkondensator

Fangen wir direkt mit den wichtigsten Neuerungen im Vergleich zur alten A810 an. Das größte Manko des Vorgängers war die Notfallaufnahme: Zwar gab es dort schon ein Pre-Recording, dieses war mit mickrigen 2 Sekunden vor dem Aufprall aber in der Praxis oft nutzlos, da die eigentliche Unfallentstehung damit meist fehlte. Die neue A810S verfügt nun über ein deutlich ausgeweitetes gepuffertes Pre-Recording. Löst ein Event aus, speichert die Dashcam nicht nur 30 Sekunden nach dem Vorfall, sondern (je nach Einstellung der Loop-Länge) auch bis zu 3 Minuten davor. Ein Feature, das bei der Beweisführung essentiell ist.

70mai A810S 4K Dashcam Front

Die zweite große Neuerung betrifft die Stromversorgung. Statt eines klassischen Lithium-Ionen-Akkus verbaut 70mai in der A810S nun einen Superkondensator. Das ist im Hochsommer, wenn sich das Auto auf 60°C aufheizt, ein Vorteil in Sachen Sicherheit und Langlebigkeit. Ein Akku kann sich bei solchen Temperaturen aufblähen, ein Superkondensator ist hier deutlich robuster.

Aber: Weiterhin fehlt ein zentraler Notfall-Knopf in der Mitte. Im Eifer des Gefechts auf die richtige Taste (Fahnen-Symbol) zu drücken, um eine nicht überschreibbare Notfall-Aufnahme zu sichern, ist etwas fummelig.

70Mai A810S DisplayundButtons

Aber Nummer 2: Bei unserem Testmodell der A810 handelte es sich um ein 3-Kanal-System inkl. Innenraumkamera. Beim Upgrade, der A810S, müssen wir uns wieder mit einem 2-Kanal-System zufriedengeben.

Lieferumfang, CPL-Filter weiterhin optional

Der Lieferumfang ist 70mai-typisch vorbildlich. Neben der Frontkamera und der Heckkamera liegen u.a. ein Kfz-Ladeadapter, ausreichend lange Kabel und sogar direkt eine 128 GB High-Endurance microSD-Karte bei. Zudem hat 70mai einen „Picture-in-Picture“-Modus integriert, um Front- und Heckkamera gleichzeitig auf dem 3-Zoll-Display anzeigen zu lassen.

Was uns besonders freut: 70mai hat uns direkt den passenden (leider optionalen) CPL-Filter mitgeschickt, den wir für diesen Test auch sofort auf die Kameralinse gepackt haben. Zur Erinnerung: Beim Vorgänger (A810) waren die starken Spiegelungen in der Windschutzscheibe ohne Filter unser größter Kritikpunkt. 70Mai würde sich hier von der Konkurrenz absetzen, wenn man diesen Filter in den Standardlieferumfang aufnähme.

4G-Hardwire-Kit ausprobiert

Seit einigen Dashcam-Generationen bietet 70mai auch ein Hardwire-Kit für die Parkraumüberwachung an, welches ein 4G-Modul besitzt. Wir haben dieses 4G Hardwire-Kit (UP04) zur Verfügung gestellt bekommen. Wir haben es mithilfe zweier Adapterkabel für Zündplus und Dauerplus sowie dem Masseanschluss am Sicherungskasten unseres Autos angeschlossen. Dafür kam ein Multimeter zum Einsatz. Für Laien wäre es deutlich einfacher, das 4G-Hardwire-Kit mit OBD-Buchse (Diagnose-Port) anzuschließen. Diesen Tipp geben wir 70Mai ebenfalls für zukünftige Hardwire-Kits mit.

Legt man eine selbst zu erwerbende SIM-Karte in das 4G-Modul des Hardwire-Kits ein, ermöglicht das eine smarte Parkraumüberwachung inklusive Echtzeit-Benachrichtigungen und Live-View-Funktion direkt aufs Handy. Das funktionierte in unserem Test anstandslos, allerdings erst nach zweimaliger Auto-Konfiguration unserer SIM-Karte in der App.

Sehr cool: Die neue „Battery Voltage Monitoring“-Funktion warnt euch per Push-Nachricht, wenn die Autobatterie im Parkmodus einen kritischen Ladestand erreicht.

Der 4G-Service ist im Basic-Tarif kostenlos. Dort gibt es dann 30 Minuten Fernüberwachung pro Tag, eine Fahrzeugortung 15x pro Monat sowie eine Cloud-Speicherung für 7 Tage. Wer mehr will, etwa Geofencing, muss zu den Tarifen Standard (4,99 USD/Monat, aktuell 2,49 USD/Monat) oder Premium (9,99 USD/Monat, aktuell 3,99 USD/Monat) greifen.

70mai A810S 4K Dashcam 4G Tarife

Tipp: Stellt die Batterie-Schutz-Funktion einen oder zwei Schwellenwerte tiefer ein, sollte sich die Dashcam im Parkmodus nach gewisser Zeit zum Schutz der Batterie automatisch abschalten. In unserem Fall war das nämlich die Ursache dafür, dass die sonst funktionierende Parkraumüberwachung nicht mehr funktionierte.

App & Konnektivität: Endlich WiFi 6

Die Montage an der Frontscheibe gelingt dank der beiliegenden Adhäsionsfolien rückstandslos. Die Einrichtung über die übersichtliche 70mai App (für iOS und Android) ist in wenigen Minuten erledigt. Ein starkes Upgrade im Alltag ist die Unterstützung von WiFi 6. Wer schon mal versucht hat, einen dicken 4K-Clip von der Dashcam aufs Handy zu laden, weiß, wie lange das dauern kann. Mit der A810S sind die Videos spürbar schneller auf dem Smartphone, dennoch bevorzugen wir die immer noch schnellere Old-School-Datenübertragung via microSD-Karte.

In der App konfiguriert ihr auch die ADAS-Funktionen (Kollisionswarnung, Spurhalteassistent, Erkennung anfahrender Fahrzeuge), die sich beim Fahren akustisch melden. Neu ist zudem eine Sprachsteuerung, mit der ihr per Zuruf Aktionen auslösen könnt. Leider versteht die Dashcam Kommandos wie „Take Photo“ aktuell nur auf Englisch oder Mandarin. Sinnigerweise hat man bei der Parkraumüberwachung nun auch die Möglichkeit, die Empfindlichkeit auf „Ultra-Hoch“ zu stellen. Dann nämlich löst die Dashcam schon aus, wenn man außen am Auto rüttelt.

Aufnahmequalität bei Tag & Nacht: Fokus auf Nummernschilder

Vorweg: Ein Wort zur Positionierung unseres Testexemplars: Lasst euch nicht von den schwarzen Punkten im Bild oben irritieren. Hier hat meine „bessere Hälfte“ die Cam aus Versehen etwas zu nah an den zentralen Rückspiegel (Dot-Matrix) gepackt. Vermeidet das unbedingt bei der Installation. Es gilt einen idealen Kompromiss zwischen Aufnahmewinkel und möglicherweise störendem schwarzen „Klotz“ im Sichtfeld zu finden.

Das Bild tagsüber war bei der A810 schon gut, bei der A810S ist es noch einmal marginal besser. Die Schmutz-Reflektionen durch Dreck auf der Windschutzscheibe sind deutlich weniger geworden. Endlich muss man keine super-saubere Windschutzscheibe mehr haben! Nummernschilder sind meist lesbar – zumindest bis zu einer Geschwindigkeit von 70 km/h. Für die Zukunft würden wir uns statt der 30FPS bei 4K-Aufzeichnung aber 60 FPS wünschen. Die Heckkamera sehen wir unverändert im Vergleich zur A810.

Bei Nacht sind weiterhin Artefakte zu sehen, man merkt jedoch, dass 70mai an der Nummernschilderkennung geschraubt hat. Zumindest innerorts haben wir weitaus mehr Nummernschilder identifizieren können als noch bei der A810. Dass die Nummernschilderkennung gerade bei Gegenverkehr aber noch Luft nach oben hat, zeigt das unten stehende Video. Weiterhin zeigt sich trotz CPL-Filter die Radio-Reflexion im Bild. Zudem fallen Ampel- und Straßenlichter weiterhin grell und teils undefiniert auf. Für ein homogeneres Bild kann 70mai hier also noch optimieren. Auch hier ist die Heckkamera auf Niveau des Vorgängers.

Tipp: Standardmäßig gibt YouTube euch die Dashcam-Clips oben nicht in 4K aus, stellt dies bitte in den YouTube-Einstellungen entsprechend um.

Fazit: Das „S“ steht für Sinnvoll

Hat 70mai mit der A810S geliefert? Ja. Der Vorgänger war bereits gut, litt aber unter vermeidbaren Kinderkrankheiten. Der Wechsel zum hitzeresistenten Superkondensator macht die Kamera langlebiger, das schnelle WiFi 6 erspart nervige Wartezeiten in der App und das sinnvoll verlängerte Pre-Recording ist ein absolutes Pflicht-Feature.

Die Bildqualität profitiert weiterhin vom exzellenten Sony STARVIS 2 Sensor, der leicht offeneren F1.7 Blende und den neuen Software-Algorithmen. In der Praxis macht das aber nur einen kleinen Unterschied zum Vorgänger 810. Immerhin: Es gibt eine leicht verbesserte aber nicht perfekte Nummernschilderkennung. Ein Touchscreen wäre für die Menüführung an der Kamera zwar nett gewesen, lässt sich aber angesichts der sehr guten App-Steuerung und der neuen Bild-in-Bild-Funktion verschmerzen. Wer auf eine Dual-4K-Lösung (wie bei der teureren 70mai T800) verzichten kann und mit einer sehr guten 1080p-Heckkamera auskommt, findet in der A810S aktuell eine der ausgereiftesten 4K-Dashcams auf dem Markt.

Quelle(n):

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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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