VW Autobatterie selbst wechseln & anlernen: Wir testen den 30€-Trick als VCDS-Alternative
Die Batterie meines Passat B7 ist hinüber. Meine Werkstatt ist blöderweise auf Wochen ausgebucht. Als Bastler traue ich mir einen Batteriewechsel zwar selber zu, allerdings weist mich der Lieblingswerkstattmeister meines Vertrauens (liebe Grüße) darauf hin, dass ich die neue Batterie anlernen bzw. codieren muss, weil das Auto ein Batteriemanagement hat. Gerade bei Start-Stopp-Autos wie meinem ist das u.a. im Hinblick auf die Ladekurve wichtig. Ich kaufe mir dafür neben einer neuen Batterie also ein China-Tool, nämlich einen Konnwei KDIAG OBD2 Scanner. Aber: Wie gehe ich nun konkret vor, klappt der Batteriewechsel reibungslos und wieviel kann ich dabei sparen?
- Konnwei KDIAG OBD2 Scanner
Für VAG-Fahrzeuge von VW, Audi, Seat oder Skoda ist VCDS der absolute Codier-Standard. Die originale Hardware schlägt ab knapp 300€ für die kleinste Hobby-Version zu Buche, unlimitierte Profi-Sets kosten schnell 500€ aufwärts. Eine extrem günstige Alternative sind sogenannte HEX-V2 VAG Kabel für den Windows-Laptop. Das Problem: Bei der mitgelieferten Software handelt es sich fast immer um Raubkopien. Außerdem muss man dafür jedes Mal einen Laptop im Auto nutzen.

Beliebte Smartphone-Apps wie OBDeleven, Carista oder Car Scanner (mit dem Vgate iCar Pro Dongle) fielen für mich ebenfalls raus. Die Codier-Funktionen verstecken sich dort hinter nervigen In-App-Käufen oder Abos. Auf der Suche nach dem ultimativen Low-Budget-Geheimtipp bin ich zuerst einmal über das Konnwei KDIAG für 30,59€ bei AliExpress gestolpert. Ein Bluetooth-Dongle, der angeblich das volle System scannen, Fehler auslesen und auch löschen kann. Dabei auch beworben: Ein „Battery Matching“, das Batteriehersteller, Ah-Kapazität und Seriennummer anpassbar macht. Aber: Das Ganze ist ein Wagnis, denn dieses Feature stand nicht in jeder Artikelbeschreibung. Ich habe also den Selbsttest gewagt.
Inhalt
Praxistest: Der Batterie-Ausbau in 5 Minuten
Bevor wir an die Software gehen, muss die Hardware stimmen. Da meine alte EFB-Batterie also den Geist aufgegeben hat, entscheide ich mich für ein Upgrade auf eine neue Varta AGM-Autobatterie (70 Ah, „Silver Dynamic“). Diese ist zyklenfest und ideal für Start-Stopp-Systeme. Der Kostenpunkt im freien Handel liegt bei knapp 130€. Zusammen mit dem Konnwei-Dongle für 30€ lande ich bei 160€. Die Werkstatt hätte für die Batterie samt Einbau und Codierung wahrscheinlich das Doppelte aufgerufen, eine VW-Werkstatt eher noch mehr.
Der eigentliche Ausbau bei vielen VAG-Modellen ist simpel und in wenigen Minuten erledigt. Zuerst klemmt ihr den Minus-Pol mit einer 10er Ratsche ab. Wichtig: Immer zuerst Minus lösen! Danach folgt der Plus-Pol. Die Halterung unten am Fuß löst ihr mit einer 13er Ratsche. Dann zieht ihr die alte Autobatterie aus der Stoff- und Kunststoffhülle heraus.
Einige Komponenten wie etwa der Lenkwinkelsensor oder Fensterheber haben eine flüchtige Stromversorgung. Beim Abklemmen der alten Batterie wird deshalb oft auch eine Überbrückungsstromversorgung empfohlen – z.B. durch eine andere Batterie oder ein Labornetzteil. Sonst kann es nach Einsatz der neuen Batterie und Motorzündung dazu kommen, dass ihr einige Warnleuchten im Cockpit seht. Hier müssen die entsprechenden Systeme durch Drehen des Lenkrads (Lenkwinkelsensor) oder Öffnen und Schließen der Fenster erneut „angelernt“ werden – kein Hexenwerk, aber das sollte man wissen.
Ihr setzt das neue Modell ein und schraubt die Halterung wieder fest. Abschließend klemmt ihr zuerst den Plus-Pol und danach den Minus-Pol wieder an. Das ist schon alles. Nun ist der spannende Teil an der Reihe: Das Steuergerät muss wissen, dass eine neue Batterie am Start ist.
Der Software-Teil: Das China-Tool im Praxis-Test
Der Dongle kommt ordentlich verpackt in einer praktischen Aufbewahrungsbox inklusive bunter Kurzanleitung in sehr gutem Deutsch. Ich stecke ihn in den violetten Diagnoseport unter dem Armaturenbrett meines Passats auf der Fahrerseite. Dann lade ich die KDIAG-App aus dem Google Play Store.
Vorbildlich: Nach dem Start zieht sich die App sofort ein Update. Das Kachel-Design der Oberfläche erinnert ein wenig an Windows Vista (pfui!). Die deutsche Übersetzung hakt an vielen Stellen, man liest dort etwa „Batterieübereinstimmung“ statt BMS-Reset. Insgesamt findet man sich aber schnell zurecht.
Ich klicke also auf „Batterieübereinstimmung“ und werde per Pop-Up aufgefordert, den Dongle per Bluetooth zu koppeln. Wichtig: Das Pairing muss zwingend innerhalb der App passieren. Das klappt auf Anhieb. Daraufhin sagt mir die App, ich solle die Zündung einschalten. Bevor es dann weitergeht, gibt es eine Aktualisierung zum Download für das Batterieübereinstimmungsmodul.
Was mir nicht so gut gefällt: Die Kacheloberfläche stellt teils „abgespeckte“ Schnellzugriffpunkte dar. Will man das volle Potenzial des Scanners für mein Auto ausreizen, muss man ein Extra-Modul für die VAG-Gruppe herunterladen. Dann erst stehen Funktionen wie Schnelltest, Gateway-Zugriff und allgemeines Auslesen von Datensätzen komplett zur Verfügung. Das ist nicht unbedingt sehr intuitiv aber klar: Es handelt sich um einen Universal-Scanner für sehr viele Automarken. Insofern ist das „Nachladen“ bestimmter Module bzw. Funktionen nachvollziehbar.
Der Trick mit dem BEM-Code
Im Einstellungsmenü für das Batterieanlernen klicke ich auf Anpassung. Ich werde Schritt für Schritt durch den Prozess geführt. Die App liest nach wenigen weiteren Klicks die aktuellen Daten aus dem CAN-Gateway des Fahrzeugs aus. Dann kann ich neue Daten eingeben und wähle den Hersteller, die Kapazität (in meinem Fall: 70Ah) und eine Seriennummer.
Apropos Seriennummer: diese wird von der App verlangt. Kauft ihr eure Autobatterie direkt bei VW, klebt dort ein sogenannter BEM-Code drauf. Modelle aus dem freien Handel wie meine Varta haben diesen Code oft nicht. Hier hilft ein bewährter VCDS-Trick, den die Konnwei-App problemlos schluckt. Entweder übernimmt man quasi die alte, noch im Steuergerät hinterlegte Seriennummer und ändert einfach die letzte Ziffer um eins. Oder aber man wählt – wie in meinem Fall – beispielsweise die Nummer 1111111112. Nach einem Klick auf Speichern bestätigt mir die App den Erfolg.
Weitere Features der App
In der App kann ich mir bestimmte Parameter grafisch aufbereitet anzeigen , einen Diagnose-Schnelltest ausführen oder aber auch direkt sämtliche verfügbaren Datensätze aufführen lassen. Allerdings sind nicht alle Daten auch verfügbar. Teilweise wird mir hier auch ein Verbindungsfehler angezeigt. Damit ist spätestens klar: Ein waschechtes VCDS ersetzt so ein Dongle eben nicht.
Der Plottwist: Die EFB-zu-AGM-Falle
Bis hierhin läuft alles super. Ein Fehler wird mir im Bordcomputer jedenfalls nicht angezeigt. Aber einen Haken gibt es da in meinem Fall noch: Ich habe von einer EFB-Batterie auf eine AGM-Batterie gewechselt. Die Lichtmaschine muss wissen, dass jetzt eine andere Zellchemie verbaut ist, da AGM-Batterien eine minimal andere Ladespannung benötigen.
Genau diese Änderung des Batterietyps unterstützen normale OBD2-Scanner wie der Konnwei KDIAG nicht! Sie beherrschen lediglich das Zurücksetzen der Ladehistorie (BMS-Reset) bei gleicher Technologie. Um dem Motorsteuergerät tiefgreifend zu sagen, dass aus „EFB“ nun „AGM“ geworden ist, benötigt man sogenanntes Long Coding.
Gibt es dafür eine Low-Budget-Lösung jenseits der teuren VCDS-Kabel? Ja, es gibt (anscheinend!) eine Ausnahme: den Kingbolen Soloscan VAG. Dieser Dongle soll das Long Coding für spezifische Automarken beherrschen. Ob das wirklich klappt und ob ich meine AGM-Batterie damit final zu 100% korrekt codiert bekomme, erfahrt ihr in einem kommenden Hands-On zum Kingbolen, den ich direkt bestellt habe.

Einschätzung: Low-Budget-Geheimtipp mit einer Bedingung
Trotz meines kleinen Fehltritts mit der Zellchemie bleibt das Konnwei KDIAG für knapp 30€ eine kleine Sensation für Gelegenheits-Schrauber. Es ist ein waschechtes Plug-and-Play-Werkzeug ohne Paywall und ohne teure In-App-Credits für Service-Funktionen.
Wer beim Batteriewechsel einfach nur 1:1 tauscht – also von AGM zu AGM oder von EFB zu EFB wechselt –, für den reicht der Konnwei-Dongle aus. Ihr passt die Kapazität an, ändert die letzte Ziffer der Seriennummer und spart euch direkt beim ersten Einsatz bares Geld gegenüber der Werkstatt. Nur wenn ihr wie ich den Batterietyp upgradet, stößt das Gerät an seine Grenzen.
Für den gelegentlichen Hausgebrauch zum Fehler auslesen oder für den 1:1-Batterietausch ist das kleine Bluetooth-Gerät recht cool. Wenn ihr aber ständig am Auto schraubt, führt bis jetzt kein Weg an VCDS vorbei….aber vielleicht ändert sich das ja mit dem Kingbolen-OBD2-Scanner – wir werden sehen!
FAQ: Häufige Fragen zum Konnwei KDIAG
🚘 Welche Automarken und Baujahre werden unterstützt?
Konnwei verspricht eine enorm hohe Kompatibilität. Grundsätzlich werden fast alle 12V-Fahrzeuge mit OBD2-Schnittstelle unterstützt. Das betrifft Benziner ab Baujahr 2001 und Diesel ab 2004 in der EU. Die Tiefendiagnose als Vollsystem-Scan und wichtige Service-Resets funktionieren bei über 40 Herstellern. Darunter fällt die komplette VAG-Gruppe mit VW, Audi, Seat und Skoda. Aber auch BMW, Mercedes-Benz, Ford, Toyota und viele mehr sind ab Baujahr 2005 integriert. Wichtig: Nicht alle Funktionen werden unterstützt.
💸 Brauche ich ein Abo oder In-App-Käufe?
Nein! Genau das ist der größte Pluspunkt gegenüber bekannten Apps wie OBDeleven oder Carly. Die KDIAG-App ist komplett kostenlos. Auch die lebenslangen Updates für die Fahrzeug-Software sind inklusive. Es gibt keine Paywall für Service-Funktionen.
🛠️ Kann der Dongle noch mehr als nur anlernen?
Absolut. Der KDIAG ist ein Vollsystem-Diagnosegerät. Ihr könnt damit nicht nur das Motorsteuergerät auslesen. Das Gerät scannt auch ABS, Airbags und das Getriebe. Ihr könnt Service-Intervalle für den Ölwechsel zurücksetzen oder die elektronische Parkbremse für den Bremsenwechsel in die Service-Stellung fahren. Lediglich tiefgreifendes Long Coding für Parameter-Änderungen beherrscht er nicht.
Quelle(n):
- AliExpress
- Varta
- Eigener Test (VW Passat B7)
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