Reolink OMVI 3i WIFI im Test: Das 180-Grad-Kamera-Biest mit KI-Videosuche, das (nicht) alles sieht
Manchmal packt man ein Testgerät aus und muss erstmal schlucken. Die Reolink OMVI 3i WIFI ist exakt so ein Fall. Der erste Eindruck: Was ein Oschi! Dezent ist definitiv anders, das wuchtige Gerät ist für uns der Inbegriff einer auffälligen Überwachungskamera. Zum Größenvergleich haben wir sie neben eine normale Glas-Teekanne gestellt – im Zweifelsfall kann man Einbrechern mit dem 1,1 Kilogramm schweren Gehäuse auch direkt eins über die Rübe ziehen. Warum Reolink die Kamera derart massiv baut und ob sich der hohe Preis lohnt, haben wir im Praxistest herausgefunden.
Preisübersicht: Reolink OMVI 3i WIFI
- Reolink OMVI 3i WIFI:
- bei Amazon für 269,98€
- bei Reolink für 269,99€ (UVP)
- Reolink OMVI 3i PoE (Strom & Internet über Ethernetkabel):
- bei Amazon für 269,17€
- bei Reolink für 269,99€ (UVP)
Inhalt
Kurzfazit zur Reolink OMVI 3i WIFI
Die OMVI 3i WIFI liefert ein beeindruckendes Hardware-Konzept: Eine 180-Grad-Panorama-Linse (10 MP) gepaart mit einer beweglichen 4K-PTZ-Kamera in einem Gehäuse sorgt für eine überragende Übersicht und Ausleuchtung bei Tag und Nacht. Die App lässt sich lobenswerterweise komplett ohne Account-Zwang nutzen und bietet kostenlose lokale KI-Videosuche per Text. Die schiere Größe, die Bewegungsunschärfe der PTZ-Linse bei schnellen Objekten und ein fataler Software-Bug bei den Privatsphärenmasken trüben das Bild jedoch. Auch die Tatsache, dass eine WLAN-Kamera zwingend einen dauerhaften Stromanschluss benötigt, macht oft den Griff zur PoE-Variante sinnvoller.
- Hervorragendes 180° Panoramabild (10 MP)
- Brutale Ausleuchtung per LED-Farbnachtsicht
- Kein Account-Zwang für grundlegende App-Nutzung
- lokale KI-Videosuche via Text
- RTSP-Support und sinnvolle Alarm-Zonen-Optionen
- Zwei Kamerasysteme in einem Gehäuse
- Enorm groß und mit 1,1 kg schwer
- Zwingend Steckdose nötig (kein Akku verbaut!)
- PTZ-Kamera hat Probleme mit schnellen Bewegungen (Unschärfe)
- Fataler Bug: Privatsphären-Maske wandert beim PTZ-Tracking mit
- Text-KI-Videosuche dauert lange & ist noch nicht präzise genug
Technisches: Die OMVI 3i als Riesen-Cam
| Feature | Reolink OMVI 3i WIFI |
| Obere Kamera (Panorama) | 10 MP (5120 x 1920), 180° horizontal, f/2.8 Blende |
| Untere Kamera (PTZ) | 8 MP (3840 x 2160), 55° horizontal, f/6 Blende |
| Sichtfeld PTZ-Motor | 350° Schwenken (Pan), 50° Neigen (Tilt) |
| Netzwerk & WLAN | Wi-Fi 6 (2,4 GHz & 5 GHz) |
| Stromversorgung | DC 12V/2A Steckernetzteil (KEIN Akku!) |
| Speicher | microSD-Slot (bis 512 GB) |
| Nachtsicht | Infrarot (S/W, bis 30m) & 8x LEDs (7W) für Farbnachtsicht |
| Smarte Erkennung | Personen, Fahrzeuge, Tiere (inkl. SyncTrack), lokale KI-Videosuche via Text |
| Audio & Smart Home | Zwei-Wege-Audio, Google Assistant, Amazon Alexa, Home Assistant |
| Wetterfestigkeit & Gewicht | IP66 geschützt, 202 x 151 x 125 mm, 1,1 kg |
Zwei Kameras in einem: Der Grund für die Größe
Der Lieferumfang liefert neben viel Papierkram und einer Bohrschablone auch das obligatorische 12V-Netzteil samt Verlängerungskabel.
Der Grund für die ausladenden Maße der Kamera liegt in ihrem Aufbau: Reolink packt de facto zwei Kamerasysteme in ein Gehäuse. Oben sitzt eine minimal manuell vertikal justierbare Doppellinsen-Einheit, die ein zusammengesetztes hochauflösendes 10-Megapixel-Panorama mit 180 Grad erzeugt.
Darunter hängt eine bewegliche 8-Megapixel-PTZ-Kugel, die sich automatisch auf erkannte Objekte ausrichtet und heranzoomt. Auf der Rückseite findet sich ein durch eine Schutzkappe gesicherter microSD-Slot (für Karten bis 512 GB) sowie ein Reset-Knopf.
Strom & Einrichtung: Vorbildlich ohne Account-Zwang
Eines vorweg: Auch wenn das Gerät „WIFI“ im Namen trägt, dürft ihr hier keine komplett kabellose Freiheit erwarten. Die Kamera hat keinen Akku verbaut. Ihr müsst zwingend das Netzteil an eine Steckdose stöpseln. Klar, man kann die Steckdose an einem Ort wählen, wo niemand so leicht herankommt oder in eine verschließbare Box packen.
Aber wenn es „clean“ sein soll, bohrt man ein Loch durch die Wand um ein Kabel diebstahlsicher nach innen zu verlegen. Und dann kann man eben auch direkt zur baugleichen PoE-Variante greifen und bekommt Strom sowie Internet stabil über ein einziges Netzwerkkabel. Aus naheliegenden Gründen haben wir die Cam jedenfalls provisorisch per Kabelbinder unter einer Außenleuchte fixiert und auf einen Gemüsegarten schauen lassen.
Die Einrichtung über die Reolink-App ist hingegen ein Traum. Ihr könnt die Software komplett ohne die Einrichtung eines Benutzerkontos nutzen! Kamera an den Strom hängen, QR-Code scannen und schon seid ihr im heimischen Netzwerk. Die automatische Bildausrichtung samt Verfolgungsbereich funktioniert auf Anhieb. Zwar unterstützt die OMVI topaktuelles Wi-Fi 6 Dualband, in unserem Testgarten mussten wir sie mangels Hardware jedoch mit Wi-Fi 5 Dualband betreiben.
App-Funktionen & SyncTrack im Alltag
Das Hauptmenü in der App ist Reolink-typisch aufgeräumt. Videos oder Schnappschüsse lassen sich auf Knopfdruck aufzeichnen und auch die Zwei-Wege-Audio-Funktion ist über das Mikrofon-Symbol sofort griffbereit. Fixpunkte zur Überwachung und Patrouille lassen sich ebenfalls erstellen. Ein wichtiger Tipp: Stellt das Bild manuell von „Flüssig“ auf „Klar“, damit ihr auch wirklich den scharfen 4K-Stream genießt. Etwas versteckt unter den „Server-Einstellungen“ findet ihr zudem die Schalter für die RTSP-Nutzung, was Smart-Home-Bastler freuen dürfte.
Die automatische Bildausrichtung funktioniert exzellent. Erlaubt ihr der Kamera die Funktion „SyncTrack“, verfolgt die untere PTZ-Einheit automatisch erkannte Personen, Fahrzeuge oder Tiere (inklusive Zeitplan-Einstellungen).
Geht eine Person in normalem Tempo durch das Bild, klappt das Tracking samt Zoom wunderbar. Rennt ihr jedoch durch den Garten, offenbart das System eine Schwäche: Die PTZ-Kamera wacht zu langsam auf und kommt bei rasanten Bewegungen schlichtweg nicht hinterher.
Bildqualität: Top-Panorama, schwächelnde PTZ & brachiale LEDs
Bei Tageslicht glänzt vor allem die obere Panorama-Linse. Während viele Sensoren bei dutzenden Grüntönen im Garten schnell Pixelsalat produzieren, liefert die OMVI 3i ein scharfes, detailreiches Bild (mit einer leichten Tendenz zur Überbelichtung).
Die bewegliche 4K-PTZ-Einheit fällt im direkten Vergleich etwas ab: Farben wirken blasser und bei schnellen Bewegungen entsteht eine sichtbare Unschärfe.
Nachts schaltet die Kamera standardmäßig auf Infrarot (Schwarz-Weiß). Das liefert in unserem Testgarten ein sehr klares Bild (laut Spec sind bis zu 30 Meter möglich). Wer wie wir auf Farbnachtsicht steht, wird von den verbauten LEDs begeistert sein. Die acht Strahler an der Doppellinse und am PTZ-Objektiv leuchten den Garten locker 7 Meter weit brutal hell aus.
Allerdings fällt die Performance der PTZ-Cam auch hier im Farbmodus wieder sichtbar hinter die Panorama-Linse zurück. Auf die von uns geliebte „ColorX“-Technologie (Farbnachtsicht ohne künstliches Licht) verzichtet Reolink, da der Stromanschluss ohnehin genug Energie für die Scheinwerfer liefert.
Datenschutz-Bug: Die völlig nutzlose PTZ-Privatsphäre
Wer in Deutschland eine Überwachungskamera aufhängt, darf öffentliche Bereiche oder das Grundstück des Nachbarn nicht filmen. Reolink bietet dafür schwarze Privatsphärenmasken an, die sich für das Panorama- und das PTZ-Bild getrennt einzeichnen lassen.
Das Problem: Während die Maske im starren Panoramabild perfekt funktioniert, wandert der schwarze Kasten in der beweglichen PTZ-Ansicht beim Tracking einfach mit! Anstatt also fix über dem Fenster des Nachbarn zu verbleiben, klebt der schwarze Balken plötzlich in der Mitte eures Gartens, wenn sich die Kamera dreht. Dieser Software-Bug macht die Maskierung zumindest für die bewegliche PTZ-Ansicht aktuell völlig unbrauchbar und muss zwingend gepatcht werden.
Highlight: Lokale (fast versteckte) KI-Verarbeitung
Es ist genial, dass man Alarm-Zonen, 24/7-Aufzeichnungen und die Bewegungserkennung rein lokal ohne Cloud betreiben kann. Hier sollte man etwa direkt kleinste Tiere (die Größe lässt sich justieren) ausklammern, um nachts nicht jede Motte auf Video verewigt bekommen zu müssen.
Reolink bewirbt zudem eine lokale AI Videosuche. So kann man nach dem Motto „Zeige mir die männliche Person mit schwarzer Brille“ zielgerichtet aufgenommene Clips von der KI heraussuchen lassen. Das funktioniert völlig kostenlos und lokal auf dem Gerät – allerdings nicht unbedingt präzise und wirklich eingegrenzt. Im Test hatten wir bei exakt diesem Suchauftragt über 80 Ergebnisse allgemein von Menschen vor der Kamera. Zudem kann die Suche durchaus eine Minute in Anspruch nehmen.
Und noch was, Reolink: Die Funktion ist an sich genial und hat großes Potenzial, aber bitte „versteckt“ sie nicht unter „Wiedergabe“ und einem unscheinbaren Lupen-Icon oben rechts, sodass man erst einmal Googlen muss, bis man die Funktion findet! Denn sonst landet man versehentlich auf der weitaus prominenter im Haupt-Menü direkt rechts als Button platzierten Cloud-Videosuche, die dann aber 3,59€ kostet.
Fazit: Teurer Spezialist für große Flächen
Knapp 270 Euro sind eine massive Kaufhürde für ein einziges, wenn auch physisch gewaltiges Gerät. Ihr bekommt hier faktisch zwei Kameras in einem extrem wuchtigen Gehäuse, die große Flächen hervorragend ausleuchten und überwachen. Die Reolink-App überzeugt mit vielen, aber teils zu versteckten Features insbesondere durch den Verzicht auf einen Account- oder Abozwang.
Glänzen kann die OMVI 3i WIFI zudem durch ihre kostenlose lokale KI-Videosuche per Text, auch wenn diese noch ausbaufähig ist. Die enorme Größe, die schwächelnde Bewegungsunschärfe bei der PTZ-Verfolgung und der fatale Bug bei den Privatsphärenmasken dämpfen die Euphorie jedoch.
Persönlich warten wir in der Redaktion weiterhin auf smarte, ultrasparsame ColorX-Varianten, die dank Wi-Fi 6 und Solarpanel auch im Winter autark laufen und sich über einen lokalen AI Hub steuern lassen. Wäre so ein Setup auch eher nach eurem Geschmack, oder hängt ihr euch lieber einen gigantischen 180-Grad-Wächter wie die OMVI 3i an die Fassade? Schreibt es uns in die Kommentare!
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Reolink OMVI 3i
🔋 Hat die Kamera einen Akku für den komplett kabellosen Betrieb?
Nein. Obwohl sie „WIFI“ im Namen trägt, muss die Kamera zwingend und dauerhaft über das mitgelieferte Netzteil an eine Steckdose angeschlossen werden. Wer ohnehin ein Loch durch die Wand bohren muss, sollte direkt die PoE-Variante (Strom und Daten über ein einziges Netzwerkkabel) in Betracht ziehen.
☁️ Brauche ich für die App oder die smarte KI-Videosuche ein Cloud-Abo?
Erfreulicherweise nicht! Ihr könnt die App und die Kamera komplett ohne Benutzerkonto einrichten. Auch die smarte KI-Videosuche per Text („Zeige mir die Person mit Brille“) funktioniert völlig kostenlos und lokal auf dem Gerät. Lasst euch nicht vom prominenten Cloud-Button in der App in die Irre führen – die kostenlose lokale Suche versteckt sich unter einem kleinen Lupen-Symbol im Wiedergabe-Menü.
🤖 Wie präzise ist die lokale KI-Videosuche in der Praxis?
Die Grundidee ist genial, die Ausführung aber noch ausbaufähig. Die Suche nach bestimmten Merkmalen von Personen, Tieren oder Fahrzeugen kann auf dem Gerät durchaus eine Minute dauern und die Filterung ist noch recht grob. Oft spuckt die Kamera auch allgemeine Personen-Treffer aus, statt das Ergebnis direkt einzugrenzen.
🕵️♂️ Kann ich das Nachbargrundstück datenschutzkonform ausblenden?
Beim starren 180-Grad-Panoramabild funktioniert das per Privatsphärenmaske einwandfrei. Bei der beweglichen PTZ-Kamera gibt es aktuell jedoch einen massiven Bug: Der schwarze Balken bleibt nicht an Ort und Stelle, sondern wandert beim Tracking der Linse einfach mit. Das macht die Maskierung im PTZ-Modus derzeit in Deutschland leider unbrauchbar.
🏃♂️ Wie gut funktioniert das automatische Tracking?
Das „SyncTrack“ funktioniert bei normalem Schritttempo sehr gut – die Kamera fokussiert und zoomt zuverlässig. Wenn jemand jedoch durch das Bild rennt, wacht die PTZ-Linse zu langsam auf und das Bild leidet an spürbarer Bewegungsunschärfe.
Quelle(n):
- Testnotizen
- Reolink
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