Morpho UV-Drucker auf Kickstarter: Gefährlich für xTool und EufyMake?
Der Hype um Desktop-UV-Drucker von Eufy, xTool und bald auch Bambu Lab ist offensichtlich groß. Jetzt greift mit dem Morpho ein neuer Kickstarter-Herausforderer an, der den verhassten Kartuschen-Zwang durch ein offenes Tintensystem beendet. Das klingt einmal mehr nach cooler Industrie-Technik für den Schreibtisch, hat aber einen Haken im Kleingedruckten.
Preisübersicht: Morpho UV-Drucker (Kickstarter)
- Morpho Standard Pack (Early Bird):
- Morpho Pro Pack (Early Bird):
- Morpho Pro Workflow Bundle (inkl. Zubehör):
(Hinweis: Laut Hersteller sind Zoll und Steuern für die EU in den Preisen bereits enthalten. Geplante Lieferung: Dezember 2026. Lieferkosten sind mit ca. 150 USD angegeben)
Kickstarter und Indiegogo sind keine Online-Marktplätze, sondern Crowdfunding-Plattformen. Dort können Privatpersonen neue Produkte finanziell unterstützen. Ein Anspruch auf das fertige Produkt besteht jedoch nicht, was die Beteiligung zu einem Risiko macht.
| Feature | Morpho UV-Drucker |
| Drucktechnologie | UV-Druck (CMYK + Weiß + Lack) |
| Druckkopf (Standard vs. Pro) | F1080 (Standard) / Industrie-Druckkopf i3200 (Pro) |
| Druckbett-Größe | A3-Format |
| Mechanik | Bewegliches Portal (Moving Gantry), Druckbett bleibt starr |
| Smarte Sensorik | Dual 8MP Kamera, Strukturiertes Licht, Laser (ReliefScan) |
| Tintensystem | Offen und nachfüllbar (keine gechipten Kartuschen) |
| Wartung & Sicherheit | Zirkulation (weiße Tinte), automatische Düsenkompensation |
| Filterung | HEPA & Aktivkohle im geschlossenen Gehäuse (GREENGUARD Gold) |
| Max. Textur-Höhe | Bis zu 60 mm dicke 3D-Reliefs druckbar |
Morpho: Offenes Tintensystem? Super!
Die größte Überraschung des Morpho liegt in seinem Tintensystem. Viele Hersteller in der Druckbranche verdienen ihr Geld nicht mit der Hardware, sondern mit gechipten Einweg-Kartuschen. Morpho bricht mit diesem Konzept und setzt auf eine offene Architektur mit nachfüllbaren Tanks. Das senkt die laufenden Kosten für Vieldrucker enorm und erlaubt es experimentierfreudigen Makern, spezielle Dritthersteller-Tinten zu nutzen.
Ein bekanntes Problem beim UV-Druck ist zudem das schnelle Verstopfen der Druckdüsen, da sich besonders die weiße Tinte schnell absetzt. Morpho steuert hier mit einem Zirkulationssystem in den Schläuchen und einer automatischen Heizung für den Druckkopf gegen. Fällt eine Düse dennoch aus, erkennt die Kamera auf dem Druckschlitten das Problem und gleicht den Fehler softwareseitig aus.
Moving Gantry & ReliefScan: Wie die Kamera echte Objekte kopiert
Während bei vielen UV-Druckern das Druckbett samt Werkstück vor und zurück fährt (was enorm viel Platz auf dem Schreibtisch frisst), nutzt Morpho ein bewegliches Portal (Moving Gantry). Das Werkstück liegt fest auf der A3-Fläche, nur die Druckeinheit bewegt sich darüber. Das spart Platz und erlaubt in dem geschlossenen Gehäuse den Druck von bis zu 60 Millimeter dicken 3D-Reliefs.
Spannend ist das „ReliefScan“-System: Über zwei 8-Megapixel-Kameras, strukturiertes Licht und Laser vermisst der Drucker das eingelegte Objekt. So lassen sich beispielsweise kleine Münzen oder Texturen in 2.5D einscannen und als erhabenes Relief direkt auf ein anderes Material drucken. Optionale Rotations-Module für Flaschen oder Vorrichtungen für UV-DTF-Folien (Transfers) runden das Maker-Paket ab.
Vorsicht beim Druckkopf-Kauf: Standard vs. Pro
Der Preisunterschied von satten 1.200 US-Dollar zwischen der Standard- und der Pro-Version kommt nicht von ungefähr. Die Standard-Version nutzt einen F1080 Druckkopf, während die Pro-Variante mit dem industriellen i3200 Achtkanal-Druckkopf ausgestattet ist. Letzterer arbeitet mit 400 Düsen pro Farbe und jeweils 800 Düsen für Weiß und Lack extrem schnell und präzise.
Der eigentliche Haken versteckt sich jedoch bei der Garantie: Morpho gibt auf den gesamten Drucker zwar ein Jahr Garantie, auf den F1080 Druckkopf (Standard) jedoch nur extrem kurze 90 Tage und auf den i3200 (Pro) lediglich 180 Tage. UV-Druckköpfe sind hochsensible Verschleißteile. Geht dieses Bauteil nach einem halben Jahr kaputt, bleibt ihr auf sehr hohen Ersatzteilkosten sitzen.
Einschätzung: Starkes Setup für erfahrene Anwender
Der Morpho UV-Drucker positioniert sich rein technisch als mächtiges Werkzeug für kleine Werkstätten, Etsy-Shops und anspruchsvolle Maker. Das nachfüllbare Tintensystem, das platzsparende Moving-Gantry-Design und die professionelle Absaugung sind jedenfalls schon einmal gute Argumente gegen Konkurrenten wie den EufyMake E1 oder den xTool O1 Omni.
Dennoch mahnen die extrem kurzen Garantiezeiten auf die Druckköpfe zur Vorsicht. UV-Druck ist deutlich komplexer und wartungsintensiver als der klassische FDM-3D-Druck. Wer hier mindestens 1600€ in ein Crowdfunding-Projekt investiert, sollte genau wissen, wie man solche industriellen Druckköpfe pflegt.
Wir sind bisher jedenfalls noch keine Riesen-Fans der Technologie. Wie seht ihr die Entwicklung? Zieht es euch neben dem 3D-Druck auch in die Welt des vollfarbigen UV-Drucks, oder ist euch die Handhabung von flüssigen Kunstharz-Tinten schlichtweg zu aufwendig? Schreibt es in die Kommentare!
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