Aivela Ring Pro: Smartring mit hohen Ambitionen scheitert im Praxistest
Der Markt für smarte Ringe wächst weiter. Neben etablierten Anbietern treten neue Projekte wie der Aivela Ring Pro hinzu, der über eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter finanziert wurde. Das Projekt hat dort eine hohe Finanzierungssumme von über 700.000€ erreicht und die Kampagne wurde erfolgreich abgeschlossen. Wir haben den Ring mit Touch- und Gestensteuerung ausprobiert, doch leider er bleibt hinter den Erwartungen zurück.
- Aivela Ring Pro
- bei Kickstarter
Kickstarter und Indiegogo sind keine Online-Marktplätze, sondern Crowdfunding-Plattformen. Dort können Privatpersonen neue Produkte finanziell unterstützen. Ein Anspruch auf das fertige Produkt besteht jedoch nicht, was die Beteiligung zu einem Risiko macht.
Inhalt
Gesundheitstracking und Gestensteuerung
Der Aivela Ring Pro verfügt über ein Gehäuse aus Titan und wiegt rund 3,6 Gramm – ein durchschnittlicher Wert. Er wird in vier verschiedenen Farben angeboten. Ein sichtbares Designelement ist ein dunkles, rautenförmiges Fenster auf der Oberseite, hinter dem ein OFN-Sensor (Optical Finger Navigation) für die Bedienung integriert ist. Optisch sorgt das natürlich für einen Blickfang, den man mögen muss. Die einen finden es schön, andere mag es eher stören. Das Gerät ist nach dem IP68-Standard zertifiziert und somit gegen das Eindringen von Staub und Wasser geschützt.
Die Sensoren des Rings ermöglicht die Erfassung verschiedener Vitaldaten. Die Daten werden in einer App für iOS und Android aufbereitet und können mit den Gesundheitsplattformen Apple Health, Google Fit und Strava synchronisiert werden. Die Kernfunktionen umfassen:
- Schlafanalyse: Erfassung von Schlafphasen, Herzfrequenz, Hauttemperatur und Blutsauerstoffsättigung (SpO2) während der Nacht.
- Aktivitäts-Tracking: Messung von Schritten, geschätztem Kalorienverbrauch und zurückgelegter Distanz.
- Herzfrequenz und HRV: Kontinuierliche Aufzeichnung der Herzfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität (HRV) zur Analyse von Belastungs- und Erholungsphasen.
- Blutsauerstoff (SpO2): Messung der Sauerstoffsättigung.
Die App nutzt laut Hersteller KI-Algorithmen, um die gesammelten Rohdaten zu analysieren und dem Nutzer aufbereitete Einblicke und Trends darzustellen. Die zweite Besonderheit sind die schon erwähnte Touch-Funktion sowie Gestensteuerung, bei der die Bewegungen der Hand bzw. Finger erkannt werden.
Soweit die Theorie und die Versprechen der Kickstarter-Kampagne. Beim Ausprobieren stoßen wir aber auf gleich mehrere Probleme.
Die App – Eine Wundertüte
Bevor man den Ring nutzen kann, muss er mit der App verbunden werden. Die gibt es aber nicht im Playstore; stattdessen kommt man über einen QR-Code zum direkten Download der .apk-Datei. Um diese zu Installieren, müssen dann manuell die entsprechenden Sicherheitsbarrieren im Smartphone deaktiviert werden (Apps aus unbekannten Quellen erlauben). Nach der Installation sollte man die Einschränkungen wieder aktivieren.
Grundsätzlich ist das kein großes Problem, aber es ist umständlicher als man es gewohnt ist. Auch die App selbst schafft dann leider nicht wirklich mehr Vertrauen.
Zunächst ist ein Account erforderlich. Der ist schnell erstellt. Es folgt die Frage, ob man Benachrichtigungen zulassen möchte, was ich erstmal verneine. Das hat zur Folge, dass ich von da an bei jedem Start der App mit einem Popup mit dem Text „Permission Denied“ begrüßt werde, was ich mit „Confirm“ schließen muss. Das kann so nicht gewollt sein und wird hoffentlich mit einem Update entfernt, aber mich hat es über die gesamte Nutzungsdauer genervt.
Der Rest der App ist leider nicht viel besser designt. Sie ist unübersichtlich und es ist überhaupt nicht klar, wo man zu welchen Einstellungen gelangt. Auf der Startseite sehen wir die Menüpunkte „Spotlight“, „Discover“, „Zone“ und „My Ring“.
Spotlight ist die Startansicht selbst, hier sieht man Infos zu Vitalwerten, Aktivitäten und Schlafmessung sowie einen Verlauf der Werte über die vergangenen Tage. „Zone“ ist einfach eine Liste mit externen Links zu irgendwelchen Gesundheitsratgebern, was mit dem Ring aber dann nichts mehr zu tun hat. Und unter „My Ring“ findet man die Einstellungen für die Touch Gesten, Benachrichtigungen und Synchonsierung mit der Cloud oder einer Fitness-App. Hier versteckt sich auch der zusätzliche Menüpunkt „Settings“, unter dem man aber lediglich zwischen metrischen und imperialen Einheiten wechseln und ein Passwort wählen kann. Auch die Punkte „About“ und die Nutzungsvereinbarung finden sich hier.
Ein KI-Assistant, der den Namen nicht verdient
Unter Discover findet man eine Art KI-Assistent. Das ist für mich die mit Abstand seltsamste Funktion der App. Man kann hier mit „Dave“ oder „Mira“ sprechen und ihnen einige vorgefertigte Fragen stellen. Daraufhin erhält man aber nicht etwa eine Antwort, sondern eine ganze Reihe von Nachrichten, bei denen es sich größtenteils aber um Motivationssprüche und generische Floskeln handelt. Besonders Mira betont immer wieder, dass man auf den „Rhythmus seines Körper hören“ und „mit seinem Atem tanzen soll“. Interagiert man mit Dave und Mira gleichzeitig, soll es so wirken, als würden sie miteinander sprechen, was das ganze aber nicht besser macht.
Dieser Chatbot ist der größte Unsinn, den ich je in einer Health-App gesehen habe. Man kann nicht wirklich mit ihm interagieren, die meisten Antworten sind entweder inhaltsleere Plattitüden oder ergeben schlicht gar keinen Sinn und man wird jedes mal mit einer Welle an Antworten zugespammt.
Insgesamt muss man leider festhalten, dass die Aivela-App in der aktuellen Version die schlechteste und unübersichtlichste Smartring-App ist, die ich je benutzt habe. Alles, was ich Positives über sie sagen könnte, sind Funktionen, die in so einer App selbstverständlich sein sollten (etwa die Werte um Tages- und Wochenverlauf anzeigen) und daher keine besondere Erwähnung verdienen. Immerhin gibt es kein Abo und die Nutzung ist kostenlos.
Funktionen des Rings
Der Ring selbst ist nicht so schlecht, wie es diese Beschreibung der App vermuten lässt, kann sich aber auch nirgends wirklich hervortun. Die Pulsmessung ist annähernd genau; anders als bei manchen Modellen wird der Puls aber nicht in Echtzeit angezeigt sondern in regelmäßigen Abständen erfasst und als Graph angezeigt. Die Abstände der Messung einstellen kann man nicht. Man kann manuell eine Messung starten und so den aktuellen Puls bekommen.
Das Schlaftracking scheint okay zu sein, immerhin wird die Dauer des Schlafs ziemlich gut erfasst. Die Qualität des Schlafs lässt sich nur schwer überprüfen, das Problem habe ich aber mit allen Smartwatches- und Ringen. Hier muss man einfach dem Ring vertrauen und Werte über einen längeren Zeitraum sammeln, um daraus irgendwelche Erkenntnisse zu gewinnen. Oder den Assistenten in der App Fragen, wo einem Mira dann erzählt, im Schlaf ist die Seele eins mit dem Kosmos oder so.
Was mich mehr stört, ist, dass die Anzeige nur unregelmäßig aktualisiert wurde. Teilweise sehe ich nur mehrere Stunden alte Werte und habe keine Möglichkeit, die App zum Aktualisieren zu zwingen, sondern kann einfach nur warten, bis die Graphen irgendwann angepasst werden. Das Sport-Tracking ist in der App versteckt und muss manuell aktiviert werden.
Auch die Touch- und Gestensteuerung, die ja eigentlich als das besondere Features des Rings angepriesen wurde, kann mich nicht abholen. Um den Touch-Sensor überhaupt gut erreichen zu können, muss man den Ring eigentlich am Zeigefinger tragen, was schon etwas gewöhnungsbedürftig für mich ist. Ich habe dann versucht, verschiedene Handyfunktionen damit zu verbinden (etwa die Kamera auszulösen), was aber nicht gelingen wollte. Hier hat mich dann aber auch bereits die Motivation verlassen, weswegen ich auch vergleichsweise schnell aufgegeben habe.
Das Gleiche gilt für die Gestensteuerung. Hier kam ich nicht über die Test-Funktion hinaus, in der man einfach nur ausprobieren kann, ob bestimmte Gesten erkannt werden. Einige Gesten erkannte der Ring bei mir gar nicht, andere nur unregelmäßig bei jedem zweiten oder dritten Versuch. Vielleicht hätte ich mich hier ausgiebiger mit befassen und nach Lösungen suchen können, aber das ist einfach nicht intuitiv und ab einem bestimmten Punkt kann man den Mehraufwand Nutzern auch einfach nicht mehr zumuten.
Preis, Verfügbarkeit und Einschätzung
Während der Kickstarter-Kampagne wurde der Ring zu einem Einstiegspreis von 149 US-Dollar angeboten. Der spätere Verkaufspreis soll bei 299 US-Dollar liegen. Nachdem, was ich gesehen habe, ist er das Geld leider nicht wert. Vielleicht habe ich ein Montagsmodell bekommen, das die Gesten nicht korrekt erkennt. Vielleicht handelt es sich bei der App um eine frühe Version, die mit Updates noch verbessert wird. Vielleicht verstehe ich auch einfach einige Funktionen nicht und müsste mich nur mehr mit ihnen auseinandersetzen.
Es kommt mir aber so vor, als sei der Ansatz hier einfach nicht zu Ende gedacht oder schlicht einfach nicht gut umgesetzt. Vielleicht hätte es mehr Entwicklungszeit gebraucht; vielleicht ist im Laufe der Kampagne, die mittlerweile abgeschlossen wurde, auch einiges verbessert worden. Den Ring, den ich ausprobiert habe, kann ich aber so nicht empfehlen.
Hier geht's zum GadgetWenn du über einen Link auf dieser Seite ein Produkt kaufst, erhalten wir oftmals eine kleine Provision als Vergütung. Für dich entstehen dabei keinerlei Mehrkosten und dir bleibt frei wo du bestellst. Diese Provisionen haben in keinem Fall Auswirkung auf unsere Beiträge. Zu den Partnerprogrammen und Partnerschaften gehört unter anderem eBay und das Amazon PartnerNet. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.













Sortierung: Neueste | Älteste
Kommentare (8)