DJI vs. Insta360: Patentstreit der Drohnen- und Kamera-Giganten eskaliert
Auf dem Markt für Actioncams und Drohnen bahnt sich ein gigantischer Rechtsstreit an. Die chinesischen Tech-Schwergewichte DJI und Insta360 kreuzen aktuell bei diversen Produkten die Gerichts-Klingen. DJI verklagt den Rivalen in China wegen angeblichen Patentdiebstahls. Insta360 kontert die Vorwürfe hart und wirft dem Drohnen-Marktführer seinerseits vor, unzählige Funktionen und Designs gnadenlos kopiert zu haben. Wir fassen die inzwischen derbe Auseinandersetzung zusammen.
Inhalt
Warum eskaliert der Streit genau jetzt?
Das Timing der Klage ist kein Zufall. Beide Unternehmen wildern mittlerweile aggressiv im Revier des anderen. DJI attackierte Insta360 im vergangenen Jahr mit der DJI Osmo 360 und drang in das lukrative Geschäft mit 360-Grad-Kameras ein.
Insta360 antwortete Ende 2025 mit einem Frontalangriff auf das Kerngeschäft von DJI: Die Tochtermarke Antigravity brachte mit der A1 die erste echte 360-Grad-Drohne auf den Markt. Dass DJI als direkte Antwort darauf jetzt ausgerechnet die neue Avata 360 auf den Markt bringt, bringt das Fass nun offenbar zum Überlaufen.
Dieser offene Hardware-Krieg hinterlässt bereits erste Spuren: Nach Bekanntwerden der DJI-Klageschrift knickte die Aktie der Insta360-Muttergesellschaft (Arashi Vision) sofort um fast sieben Prozent ein.
Der Vorwurf: Mitarbeiter abgeworben und Patente geklaut?
Im Zentrum der Klage, die DJI vor dem Mittleren Volksgericht in Shenzhen eingereicht hat, stehen ehemalige DJI-Mitarbeiter. Diese sind zu Insta360 gewechselt und haben dort innerhalb eines Jahres neue Patente angemeldet. Nach chinesischem Recht können Erfindungen, die innerhalb von zwölf Monaten nach dem Verlassen eines Unternehmens gemacht werden, an den Ex-Arbeitgeber fallen, sofern sie im direkten Zusammenhang mit der alten Tätigkeit stehen.
DJI fordert nun die offizielle Übertragung dieser Patentrechte. Konkret soll es um insgesamt sechs Patente aus den Bereichen Flugsteuerung, Bildverarbeitung und Hardware-Design gehen. DJI wirft Insta360 zudem vor, die Namen der Erfinder bei der Anmeldung in China absichtlich verschleiert zu haben, um die Herkunft der Ideen zu vertuschen.

Insta360-Chef feuert zurück: „DJI hat 28 Patente von uns verletzt“
Insta360-Gründer JK Liu weist die Vorwürfe über den Kurznachrichtendienst Weibo entschieden zurück. Die Verschleierung von Namen sei bei Anmeldungen im Inland ein völlig normaler Prozess, um die eigenen Entwickler vor Headhuntern der Konkurrenz zu schützen. Zudem seien die fraglichen Ideen und Innovationen allesamt unabhängig bei Insta360 entstanden. Ein von DJI moniertes Patent für eine automatische „Sturzflug“-Funktion stamme sogar von ihm persönlich, habe es wegen strenger Fluggesetze aber ohnehin nie in ein fertiges Produkt geschafft.

Anstatt sich nur zu verteidigen, geht JK Liu direkt zum Gegenangriff über. Interne Zählungen seines Unternehmens belasten DJI schwer: Kameras wie die DJI Osmo 360 sollen laut Insta360 potenziell 28 eigene Patente verletzen (darunter 11 Hardware-, 8 Software- und 6 Steuerungsverfahren). Eine offizielle Gegenklage reiche man aber derzeit nicht ein. Man stecke als kleineres Unternehmen das Budget lieber in die Forschung.
Liu kündigte in seinem Statement zudem an, dass Insta360 sich nicht bremsen lasse und in diesem Jahr noch 7 bis 8 neue Produkte – darunter Gimbal-Kameras, Lavalier-Mikrofone und eine weitere Drohne – auf den Markt bringen werde.
Zehn Millionen Dollar für den Sieg gegen GoPro
Dass Insta360 vor Patentklagen keine Angst hat, bewies das Unternehmen erst im Februar 2026. Vor der US-Handelskommission (ITC) schmetterte man eine massive Klage von GoPro komplett ab. Die US-Behörde erklärte alle fünf von GoPro beanstandeten Patente (unter anderem zur Bildstabilisierung) für ungültig oder nicht verletzt.
Laut JK Liu hat sich Insta360 diesen Sieg im US-Markt über 10 Millionen US-Dollar an Anwaltskosten kosten lassen. Mit genau diesem finanziellen Selbstbewusstsein gehe man nun auch in den Streit mit DJI. Man werde erst dann die „nukleare Option“ der eigenen Patente (und damit Gegenklagen) ziehen, wenn DJI versuchen sollte, Insta360 durch juristische Tricks am Bau weiterer Drohnen zu hindern.
Einschätzung: Warten auf DJI
Der Tonfall zwischen den beiden Tech-Giganten ist rau geworden. Während Insta360 mit dem detaillierten Statement von JK Liu bereits massiv an die Öffentlichkeit gegangen ist und die PR-Offensive sucht, halten sich die Verantwortlichen in Shenzhen aktuell noch bedeckt. Wir haben bei DJI bereits offiziell um ein Statement zu den Vorwürfen gebeten und werden diesen Artikel aktualisieren, sobald uns eine Antwort vorliegt.
Was denkt ihr über diesen eskalierenden Streit? Wer kopiert hier von wem und wer wird den Streit am Ende gewinnen? Ab in die Kommentare!
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