EU-Update-Pflicht mit Hintertürchen? Warum Hersteller vielleicht doch keine Updates liefern müssen
Es klang zu schön, um wahr zu sein: Ab Mitte 2025 sollten Smartphones in der EU endlich langlebiger werden. Die EU-Ökodesign-Verordnung (2023/1670) versprach Ersatzteile für sieben Jahre und Software-Updates für mindestens fünf Jahre. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail – oder in diesem Fall in einem kleinen, unscheinbaren Wörtchen. Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass einige Hersteller (allen voran Motorola) eine Lücke gefunden haben könnten, um sich vor der Pflicht zu drücken. Wir dröseln das Juristen-Deutsch mal für euch auf.

Inhalt
Der Plan: 5 Jahre Ruhe im Karton
Eigentlich war die Ansage aus Brüssel klar: Um Elektroschrott zu vermeiden, sollen Handys länger genutzt werden können. Ein Hauptgrund für den Neukauf ist oft veraltete Software oder fehlende Sicherheits-Patches.
Die Verordnung schreibt daher vor:
- Funktions-Updates (OS-Upgrades): Müssen für mindestens 5 Jahre nach Verkaufsende des letzten Geräts bereitgestellt werden.
- Sicherheits-Updates: Ebenfalls für 5 Jahre.
Das sollte bedeuten: Kaufst du 2026 ein Mittelklasse-Handy, solltest du bis 2031 sicher unterwegs sein. Eigentlich.
Die Lücke: Das verflixte „Wenn“
Wie das finnische Portal AfterDawn nun berichtet, haben Behörden bestätigt, dass die Formulierung im Gesetzestext eine entscheidende Schwachstelle hat. Dort heißt es sinngemäß nicht „Hersteller müssen Updates programmieren“, sondern „Hersteller müssen Updates, sofern sie diese bereitstellen, für 5 Jahre verfügbar machen“.
Im Juristen-Sprech der Verordnung (Anhang II) steht, dass Hersteller Updates kostenlos zur Verfügung stellen müssen, „wenn sie Sicherheitsupdates, Korrekturupdates oder Funktionsupdates […] bereitstellen“.

Die absurde Konsequenz:
Wenn ein Hersteller beschließt, gar kein Update zu entwickeln, muss er auch keins 5 Jahre lang anbieten. Die Pflicht bezieht sich scheinbar nur auf die Verfügbarkeit von einmal entwickelter Software, nicht auf die Entwicklung neuer Software selbst. Ein Hersteller könnte also theoretisch ein Handy mit Android 15 auf den Markt bringen und es dabei belassen – solange er keine Updates „bereitstellt“, verletzt er technisch gesehen vielleicht gar nicht die Regel.
Wer nutzt das aus?
Aktuell steht Motorola im Fokus der Kritik. Bei neuen Budget-Geräten (wie der Moto G-Serie) finden sich teilweise keine klaren Garantien mehr für Android-Versions-Updates, oder es werden Geräte mit veralteten Android-Versionen gelauncht, ohne dass der 5-Jahres-Plan greift. Die Argumentation: Die EU zwingt uns nicht, Android 16, 17 oder 18 zu portieren – sie zwingt uns nur, die Updates die wir machen, lange online zu halten.
Was bedeutet das für uns?
Für den High-End-Markt (Samsung Galaxy S-Serie, Xiaomi 15 Ultra, Pixel) ändert sich wenig, da hier lange Updates ohnehin ein Verkaufsargument sind.
Gefährlich wird es aber in der Einsteiger- und Mittelklasse. Hier könnten Hersteller versuchen, Kosten zu sparen, indem sie sich auf diese Lücke berufen.
Das Fazit: Die EU-Verordnung ist immer noch ein wichtiger Schritt, vor allem wegen der Ersatzteil-Pflicht (Akkus, Displays), die deutlich schwerer zu umgehen ist. Aber bei der Software müssen wir wohl weiterhin genau ins Kleingedruckte der Hersteller schauen, statt uns blind auf „Brüssel regelt das schon“ zu verlassen.
Quelle:
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