Flipper Zero: Dieses Kult-Gadget macht dich (fast) zum Hacker

Stellt euch vor, ihr hättet ein Schweizer Taschenmesser, aber nicht für den Wald, sondern für die digitale Welt. Ein Gerät, das aussieht wie ein harmloses Kinderspielzeug aus den 90ern, aber in Wahrheit Funkwellen manipulieren, Hotelkarten lesen, Parkschranken öffnen und Fernseher steuern kann. Genau das ist der Flipper Zero. Das kleine Gerät mit dem Delfin-Maskottchen ist in der Tech-Szene längst Kult, wirft bei Laien aber viele Fragen auf: Ist das legal? Kann ich damit wirklich Ampeln umschalten? Wir schauen uns einmal an, was hinter dem Hype-Gadget steckt.

Flipper Zero Aufmacher

Was ist der Flipper Zero eigentlich?

Auf den ersten Blick wirkt der Flipper Zero wie ein Tamagotchi für Erwachsene. Er hat ein monochromes, orange beleuchtetes Display, ein paar grobe Tasten und ein Gehäuse aus robustem Kunststoff. Im Inneren wohnt ein virtueller Delfin, der „gefüttert“ werden will. Der Witz dabei: Nahrung erhält dieser Cyber-Delfin nicht durch Knopfdruck, sondern indem ihr die Funktionen des Geräts nutzt.

Flipper Zero Front

Technisch gesehen (Titel unseres Podcasts, gerne mal reinhören) ist der Flipper ein portabler Einplatinencomputer, der speziell dafür entwickelt wurde, verschiedene Funk- und Übertragungsprotokolle zu analysieren, zu speichern und wiederzugeben. Er ist Open Source, was bedeutet, dass die Community ständig neue Funktionen (Apps) dafür programmiert.

Wichtig zu wissen: Der Flipper hat kaum internen Speicher. Damit er funktioniert und Datenbanken laden kann, müsst ihr zwingend eine microSD-Karte einstecken.

zero landing tool for oscilloscope

Die Superkraft: Funkwellen verstehen & kopieren

Das beeindruckendste Feature für Einsteiger ist die Sub-GHz-Antenne. Damit kann der Flipper Signale in Frequenzbereichen wie 433 MHz oder 868 MHz empfangen. Das klingt abstrakt, ist aber genau die Frequenz, auf der viele ältere Garagentore, Schranken oder Funksteckdosen kommunizieren. Der Flipper kann diese Signale aufzeichnen und später wieder aussenden. Ihr könntet also theoretisch euren Garagentoröffner in das Gerät kopieren und den echten Schlüssel zu Hause lassen.

Flipper Zero subghz barrier

Wichtig zu wissen ist hierbei, dass moderne Autoschlüssel in der Regel sogenannte „Rolling Codes“ verwenden. Das Signal ändert sich also bei jedem Drücken. Hier beißt sich der Flipper die Zähne aus – und das ist auch gut so, denn sonst wäre Autodiebstahl ein Kinderspiel.

Flipper Zero rfid emulating

NFC, RFID und iButton: Der Schlüsselmeister

Neben Funkwellen versteht der Flipper auch die Sprache von Zugangskarten. Über das 125 kHz RFID-Modul an der Unterseite lassen sich ältere Zugangskarten (oft in Büros oder Fitnessstudios genutzt) auslesen, speichern und emulieren. Das Gerät gibt sich dann gegenüber dem Lesegerät als die Karte aus. Dasselbe funktioniert oft auch mit NFC im Hochfrequenzbereich. Selbst uralte Zugangssysteme wie iButton (diese runden Metallkontakte an Gegensprechanlagen) können über Pins an der Rückseite ausgelesen und kopiert werden.

Flipper Zero nfc writing

Ein weiteres Feature ist der Infrarot-Transceiver. Damit wird der Flipper zur Universalfernbedienung. Ihr könnt Signale eurer TV-Fernbedienung anlernen oder Datenbanken aus dem Netz laden, um im Hotel den Fernseher oder die Klimaanlage zu steuern, selbst wenn die Original-Fernbedienung fehlt.

flipper zero infrared learning

BadUSB: Wenn die Tastatur angreift

Ein mächtiges Werkzeug verbirgt sich hinter dem USB-C-Anschluss. Der Flipper kann sich am Computer als normale Tastatur ausgeben („Human Interface Device“). Da Computer Tastaturen vertrauen, kann der Flipper in Sekundenbruchteilen vorprogrammierte Befehle eintippen, Programme öffnen oder Webseiten aufrufen. In der IT-Sicherheit nennt man das „BadUSB“. Für Administratoren ist das ein Werkzeug zur Automatisierung, in falschen Händen kann so aber Schadsoftware installiert werden, sobald man das Gerät kurz unbeaufsichtigt am Rechner lässt.

flipper zero whats inside

Grenzen und Legalität

Der Flipper Zero ist kein magischer Schlüssel, der alles öffnet. Er nutzt bekannte Sicherheitslücken in (oft veralteter) Technik. Bluetooth ist vorhanden, WLAN kann das Gerät von Haus aus aber nicht, dafür ist eine separate Aufsteckplatine nötig.

Rechtlich gilt: Der Besitz ist in Deutschland völlig legal. Er ist ein Werkzeug zum Lernen und Verstehen von Technik. Die Nutzung an fremden Geräten ohne Erlaubnis ist jedoch strafbar. Wer die Ladeklappe eines fremden Tesla aus Spaß öffnet oder die Bildschirme im Fast-Food-Restaurant manipuliert, begeht Straftaten.

Einschätzung: Das ultimative Lernspielzeug

Der Flipper Zero ist faszinierend, weil er komplexe Sicherheitsthemen (Stichwort „Pentesting„) spielerisch verpackt. Er macht die unsichtbaren Signale um uns herum quasi „sichtbar“. Für Technik-Interessierte, die verstehen wollen, wie ihre Umwelt kommuniziert, gibt es kaum ein besseres Gadget. Wer allerdings glaubt, damit zum Meister-Hacker aus Hollywood-Filmen zu werden, wird enttäuscht sein – die Realität besteht meist aus viel Lesen und Verstehen von Protokollen. Persönlich kribbelt es mir jedenfalls in den Fingern, einen Flipper Zero zu kaufen, seit ich ihn bei uns im Makerspace live in Aktion gesehen habe. Kennt ihr den Flipper Zero oder habt ihr ihn vielleicht sogar?

Quelle(n):

8c63d12e705249808b03cd299bcc9bbd Hier geht's zum Gadget

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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (4)

  • Profilbild von Gustav Gans
    # 14.02.26 um 17:05

    Gustav Gans

    Hab ich seit einigen Jahren rumliegen dient nun meist als überteuerter Mouse Jiggler. manchmal karten kopiert was wirklich super ist zum Beispiel für schranken und Parkhäuser oder andere zutrittssysteme. unbedingt unleashed firmware aufspielen via Handyapp kann die auch geupdatet werden. wirklich gutes Spielzeug für leute die meinen es zu brauchen so wie mich 😉👍 Der Beitrag kommt recht spät?

  • Profilbild von paradonym
    # 14.02.26 um 17:09

    paradonym

    Sagt mir bitte für was ihr das Ding TÄGLICH in Verwendung habt.
    Das hat gewisse "Liegt im Schrank rum" vibes, die vielleicht nicht sein müssen.

  • Profilbild von Dörrobstautomat
    # 14.02.26 um 18:24

    Dörrobstautomat

    nutzt man natürlich nicht täglich. Ist halt n Spielzeug, aber macht bestimmt Bock 😄

  • Profilbild von ctl
    # 14.02.26 um 22:12

    ctl

    das Gerät ist schon ca. 6 Jahre auf dem Markt. Ich glaube inzwischen ist es nur eine Spielerei und dafür sehr teuer. Es gibt inzwischen viele gleichartige aber neuere Produkte mit mehr Funktionen. Die solltet ihr mal testen.

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