Test

Homey Pro im Test: Ist das All-in-One Smart-Home System wirklich besser als Home Assistant?

Wer sein Smart Home auf das nächste Level heben möchte, landet unweigerlich vor der Frage: Welches System bändigt das Chaos aus zig verschiedenen Hersteller-Apps und Geräten? Die absolute Referenz für Bastler ist das kostenlose Open-Source-System Home Assistant. Doch wem Konfigurationsdateien und YAML-Code zu technisch sind, der schielt oft auf den niederländischen Herausforderer: den Homey Pro. Der Hersteller Athom verspricht mit diesem Hub das absolute Plug-&-Play-Erlebnis für alle erdenklichen Funkstandards. Wir haben die teure Smart-Home-Zentrale ausgiebig getestet und klären, ob sie ihr Geld wert ist.

Homey Pro Aufmacher

Wer schreibt diesen Test?

ThommyIch bin Thommy und ich begeistere mich für Smart Home, Dashcams & Co. Meine Leidenschaft sind aber FDM 3D-Drucker, seitdem mir meine Frau (natürlich die beste) 2018 einen Anycubic Mega-S geschenkt hat.

Kurzfazit zum Homey Pro

Der Homey Pro ist sozusagen das „Apple des Smart Homes“. Das System sieht unverschämt gut aus, die App-Steuerung ist extrem intuitiv und das Erstellen von Automationen („Flows“ bzw. „Advanced Flows“) macht selbst Einsteigern richtig Spaß. Die Hardware unterstützt out of the box nahezu jeden aktuellen Funkstandard. Dem enormen Komfort steht jedoch ein satter Preis von 399 Euro gegenüber. Zudem offenbart unser Test bei der Einbindung mancher Drittanbieter-Geräte (wie Tapo oder SwitchBot) noch leichte Latenz- und Verbindungsprobleme. Sonst aber läuft das System reibungslos. Wer Komfort und absolute Einfachheit sucht, wird hier glücklich. Sparfüchse und Hardcore-Bastler bleiben besser beim kostenlosen Home Assistant.

  • Extrem edles Hard- und Software-Design
  • Unterstützt nahezu alle Funkstandards (u.a. Matter, Zigbee, Z-Wave, sogar 433Mhz-Funk)
  • Geniale, visuelle Automationen („Advanced Flows“)
  • super einfache, zumeist reibungslose Integration von Drittanbieter-Geräten
  • Lokale Steuerung ohne Cloud-Zwang möglich

  • Hoher Anschaffungspreis (399 Euro)
  • Klavierlack-Oberfläche extrem anfällig für Staub/Fingerabdrücke
  • Latenz/Verbindungsprobleme bei manchen Herstellern im Test
  • Kein eingebauter Ethernet-Port (nur per beiliegendem USB-Adapter)

Homey Pro Test Design Front

Design, Unboxing und ein Hauch von Klavierlack

Die Premium-Erfahrung beginnt beim Homey Pro bereits beim Auspacken. Die Verpackung ist super schick und der Hub selbst präsentiert sich als schwerer, edler schwarzer Puck. Ein dezent leuchtender LED-Ring an der Unterseite sorgt für Status-Feedback. Die Oberseite erstrahlt in hochglänzendem Klavierlack. Das sieht minimalistisch und wunderschön aus, entpuppt sich in der Praxis aber sofort als magischer Magnet für Staub und Fingerabdrücke.

Homey Pro Test Front

Genauso minimalistisch wie das Design fällt die Anschlussvielfalt aus: Auf der Rückseite gibt es exakt einen USB-C-Anschluss für den Strom. Wer den Hub nicht über das WLAN betreiben möchte, muss den von Athom optional erhältlichen Ethernet-Adapter an diesen USB-C-Port klemmen. Der Lieferumfang ist mit dem Homey Pro, einem Netzteil, dem USB-C-Kabel und einem Quickstart-Guide ansonsten sehr überschaubar.

Inbetriebnahme: So einfach muss Smart Home sein

Sobald der Hub am Strom hängt, laden wir uns die Homey App herunter. Die verpflichtende Konto-Erstellung löst der Hersteller charmant und dialoggeführt über einen integrierten Chatbot. Nachdem das Gerät gekoppelt ist, zieht sich das System völlig automatisch die neuesten Updates. Genau so wünschen wir uns das: Einfach und schnell.

Nach ein paar grundlegenden Fragen zu unserem Zuhause (Anzahl der Stockwerke, Raumnamen) wird automatisch die Thread-Funktionalität des Hubs initiiert und wir landen auf dem aufgeräumten, stylischen Homescreen. Die App gliedert sich übersichtlich in fünf Hauptreiter: Startseite, Geräte, Flows (Automationen), Energie und „Mehr“.

Der Praxistest: Sensoren, Lampen und die Genialität der „Advanced Flows“

Ein Hub ist nur so gut wie die Geräte, die er steuern kann. Wir schnappen uns ein buntes Ensemble aus unserem Test-Fundus und prüfen die Einbindung in Homey. Den Anfang unseres Praxistests macht ein Aqara P2 Tür- und Fenstersensor.

Homey Pro Test Aqara P2 Sensor 1
Aqara P2-Sensor am (dreckigen) Makerspace-Fenster

Diesen binden wir über Matter-over-Thread erfolgreich und gleich im ersten Versuch ein – was nach unseren bisherigen Matter-Erfahrungen durchaus ungewöhnlich positiv ist. Sobald wir das Fenster nun öffnen, sehen wir das – ein wenig versteckt – in der App.

Nicht ganz selbsterklärend ist jedoch, dass Push-Benachrichtigungen bei geöffnetem Fenster nicht automatisch aufploppen. Anders als beispielsweise beim SwitchBot Hub 3 muss man dies erst manuell per „Flow“ (so nennt Homey seine Automationen) konfigurieren. Nach dem Einrichten dieser Automation klappt es dann auch anstandslos mit der Benachrichtigung bei geöffnetem Fenster.

In Sachen „Flows“ offenbart das System aber direkt seine Stärke: die „Advanced Flows“. Anstatt sich durch endlose Textlisten zu tippen, bietet die Software eine visuelle Arbeitsfläche. Wir ziehen uns Auslöser, Bedingungen und Aktionen einfach als kleine Kacheln auf den Bildschirm und verbinden sie. Dieses intuitive Zusammenklicken von komplexen Schleifen kennen wir sonst eher von professionellen Automatisierungs-Anbietern wie „Make“. Es macht die Konfiguration spielend einfach.

Licht und Schatten bei weiteren Drittanbietern

Als Testnummer zwei ziehen wir eine smarte Tapo L530E WLAN-Glühbirne heran. Hier müssen wir den Umweg über die Tapo-App gehen und dort die Drittanbieter-Unterstützung aktivieren. Die sogenannten Integrationen heißen bei Homey schlichtweg „Apps“.

Beim Koppeln hat diese Tapo-Integration anfangs Probleme: Wir brauchen vier Versuche, bis die Birne hinterlegt ist. Der Umweg über die Hersteller-Anbindung führt hier zudem dazu, dass das An- und Ausschalten eine unschöne Latenz von ungefähr vier Sekunden aufweist.

Homey Pro Test Tapo Gluehbirne

Deutlich runder läuft der dritte Testlauf mit dem Sonoff SNZB-02D Zigbee-Thermo-Hygrometer. Wir versetzen das Gerät in den Kopplungsmodus und müssen nicht einmal nach der speziellen Sonoff-Integration suchen. Homey findet das Gadget direkt über die allgemeine Zigbee-Schnittstelle. Sehr gut!

Beim vierten Kandidaten, einem Shelly Plug S, klappt die Einbindung ebenfalls völlig problemlos. Einmal das WLAN und Passwort eingegeben, kurz bei Shelly angemeldet, während Homey im Hintergrund bleibt, und schon läuft die smarte Steckdose.

Für Test Nummer fünf greifen wir zu einem SwitchBot Tür-/Fenstersensor auf Bluetooth-LE-Basis. Wir nutzen die SwitchBot-Integration, versetzen den Sensor in den Kopplungsmodus und schon ist er eingebunden. Er reagiert fix, sobald das Fenster geöffnet wird. In diesem Kontext erstellen wir gleich einen weiteren Flow, der die Tapo-Lampe einschaltet, wenn das Fenster aufgeht. Das funktioniert zuverlässig, leidet aber erwartungsgemäß unter der bereits erwähnten Verzögerung der Lampe.

Den Abschluss bildet der kleine smarte Schalterdrücker „SwitchBot Bot“, der ebenfalls via Bluetooth LE agiert. Hier zeigt sich jedoch ein kleines Problemchen: Er reagiert nicht bei jeder Aktivierung, sondern nur bei ungefähr jeder dritten. Die Batterie ist laut Anzeige voll, und der Homey Pro steht direkt daneben, ein Reichweitenproblem schließen wir also aus. Während unserer mehrfachen Versuche erscheint in der App ein kleines rotes Fehler-Popup. Leider lässt sich dieses für weitere Details nicht anklicken. Hier scheint bei der Kommunikation also definitiv noch Optimierungsbedarf zu bestehen.

Fazit: So schlägt sich der Homey Pro

Als Plattform überzeugt uns Homey im Test fast ausnahmslos. Bis auf eine kleine Fehlermeldung beim SwitchBot Bot sowie der großen Latenz bei der Tapo-Glühbirne funktioniert alles perfekt und reibungslos. Es macht so richtig Spaß, die Geräte in Betrieb zu nehmen. Man könnte die All-In-One Smart-Home-Zentrale somit wohl als hochglanzpolierte, intuitivere Alternative zu Home Assistant beschreiben.

Homey Pro Test in Betrieb e1773921480109

Klar, Home Assistant ist immer noch mächtiger, hat eine größere Community und ist vor allem kostenlos. Aber sagen wir mal so: Die technikinteressierte Ute von nebenan wird höchstwahrscheinlich eher mit Homey als mit Home Assistant zurechtkommen. Dieser Komfort und diese Einfachheit haben aber ihren Preis: Ein Homey Pro kostet wegen seiner enormen Konnektivitätsvielfalt satte 399 Euro (UVP). Der Homey Pro Mini hingegen kommt für 249 Euro (UVP), braucht aber für Z-Wave, Bluetooth, Infrarot und 433 MHz extra Hardware.

Persönlich würden wir die Option „Homey Self-Hosted-Server“ wählen und das System auf einem eigenen Raspberry Pi laufen lassen. Hier müsste man zur Dienstnutzung entweder einmalig 149 Euro oder aber 4,99 Euro pro Monat zahlen. Der kleine Haken dabei: Für die volle Protokollunterstützung ist noch die Homey Bridge für 69 Euro nötig. Das war es dann aber auch.

Was bedeutet das also für euch? Wollt ihr maximale Einfachheit und ein Gerät, das sofort einsatzbereit ist? Holt euch den Homey Pro oder die Self-Hosted-Lösung. Home Assistant hingegen erfordert minimal mehr technische Versiertheit, ist aber auch absolut kein Hexenwerk, noch eine Schüppe kompatibler mit exotischeren Geräten und eben komplett kostenlos.

Falls ihr noch kein Home Assistant habt: Würdet ihr euch den Komfort von Homey gönnen? Oder gibt es unter euch sogar Umsteiger von Home Assistant auf Homey? Gebt uns gern Feedback in den Kommis.

Quelle(n):

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Homey Pro

📡 Welche Funkstandards unterstützt der Homey Pro?
Out of the box ist der Homey Pro ein echtes Funk-Monster. Er unterstützt WLAN, Bluetooth Low Energy (BLE), Zigbee, Z-Wave, Matter, Thread, Infrarot und sogar 433 MHz. Damit deckt er nahezu jedes gängige Smart-Home-Protokoll auf dem Markt ab.

☁️ Brauche ich zwingend eine aktive Internetverbindung für den Homey Pro?
Nein! Im Gegensatz zu vielen billigen Cloud-Hubs verarbeitet der Homey Pro die Automationen (Flows) lokal. Wenn euer Internet ausfällt, schaltet euer Zigbee-Bewegungsmelder das Licht also weiterhin zuverlässig ein. Nur für Cloud-abhängige WLAN-Geräte (wie in unserem Test die Tapo-Lampe) oder den Fernzugriff wird natürlich eine Verbindung benötigt.

💸 Fallen beim Homey Pro monatliche Abo-Kosten an?
Nein, der Homey Pro kommt komplett ohne monatliche Abo-Pflicht aus. Ihr kauft die Hardware und könnt alle Funktionen nutzen. Lediglich wenn ihr vollautomatische Cloud-Backups eurer Konfiguration anlegen wollt, verlangt Athom optional 10 Euro pro Jahr (lokale Backups per PC/Mac sind aber kostenlos möglich).

🤔 Homey Pro oder Home Assistant – was ist besser?
Das hängt von euch ab! Home Assistant ist mächtiger, bei exotischen Geräten kompatibler und kostenlos, erfordert aber ein wenig Einarbeitungszeit und technisches Verständnis. Der Homey Pro ist mit 399 Euro sehr teuer, bietet dafür aber ein extrem einsteigerfreundliches Plug-&-Play-Erlebnis mit einer hochglanzpolierten App.

📉 Gibt es eine günstigere Alternative zum teuren Homey Pro?
Ja. Ihr könnt entweder zum abgespeckten Homey Pro Mini (249 Euro) greifen, dem allerdings Z-Wave, Infrarot und 433 MHz fehlen. Oder ihr wählt den Homey Self-Hosted-Server. Dabei installiert ihr das System für einmalig 149 Euro (oder 4,99€/Monat) auf eurem eigenen Raspberry Pi und holt euch für die Funkstandards noch die Homey Bridge (69 Euro) dazu.

🆚 Was ist der Unterschied zwischen dem Homey Pro und dem Homey Pro Mini?
Die Hauptunterschiede liegen im Preis, der Leistung und den verbauten Funk-Antennen. Der Homey Pro (399 Euro) hat wirklich alle Funkstandards (WLAN, Z-Wave, 433 MHz, Infrarot, Bluetooth, Zigbee, Matter, Thread) direkt im Gehäuse verbaut und bietet mit 4 GB RAM genug Power für über 100 parallel laufende Integrationen (Apps). Der Homey Pro Mini (249 Euro) ist günstiger und konzentriert sich primär auf moderne Standards (Matter, Thread, Zigbee). Er besitzt 1 GB RAM (ausreichend für ca. 20 Apps).

Wichtiger Haken beim Mini: Er verzichtet komplett auf WLAN, Z-Wave, Bluetooth, 433 MHz und Infrarot. Wer diese Standards beim Mini nutzen will, muss die Homey Bridge (69 Euro) als Zusatz-Gerät nachrüsten. Zudem kurios: Während der große Pro WLAN besitzt und für Ethernet einen Adapter braucht, hat der Mini einen Ethernet-Port fest eingebaut, kann dafür aber eben nicht per WLAN ins Netzwerk eingebunden werden.

4061c2aa6f804820bbc88060427b390c Hier geht's zum Gadget

Wenn du über einen Link auf dieser Seite ein Produkt kaufst, erhalten wir oftmals eine kleine Provision als Vergütung. Für dich entstehen dabei keinerlei Mehrkosten und dir bleibt frei wo du bestellst. Diese Provisionen haben in keinem Fall Auswirkung auf unsere Beiträge. Zu den Partnerprogrammen und Partnerschaften gehört unter anderem eBay und das Amazon PartnerNet. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Profilbild von Thommy

Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

Sortierung: Neueste | Älteste

Kommentare (3)

  • Profilbild von Wilhelm
    0 # 19.03.26 um 19:32

    Wilhelm

    Also die Home Assistant Cloud by Nabu Casa ist auch nicht kostenlos. Und wer Google Home und Alexa nutzen will und nicht extrem fummeln will, der kommt um die HA Cloud nicht herum. Und die HA Cloud gibt es nicht als Einmalkauf. Also ich finde Homey als Self Hosted auf jeden Fall SEHR interessant…

Kommentar schreiben

Name
E-Mail
Diese E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Mit Absenden des Formulars akzeptiere ich die Datenschutzerklärung und die Nutzungsbedingungen. Halte dich für ein wertschätzendes Miteinander an unsere Community-Guidelines.