Creality M1 & R1: Recycling-System macht aus 3D-Druck-Abfall neues Filament
Ihr kennt das vielleicht: Kistenweise sammeln sich „Poop“ (Spül-Abfall bei Multicolor-Drucken), Supports und Fehldrucke an. Wegwerfen fühlt sich falsch an, aber Recycling war bisher ein teurer Traum. Industrielle Lösungen wie von 3DEVO kosten einfach zu viel, und DIY-Projekte wie der kürzlich von uns vorgestellte Extrudex erfordern viel Bastelgeschick. Creality will diesen Markt nun mit einer Desktop-Lösung aufmischen. Das mithilfe einer zeitnah startenden Crowdfunding-Kampagne geteaserte Duo aus Creality R1 Shredder und M1 Filament Maker verspricht, euren Plastikmüll wieder in druckbares Filament zu verwandeln – doch ganz so einfach, wie das Marketing es darstellt, ist die Physik dahinter leider nicht.

Inhalt
Technische Daten im Überblick
| Gerät | Creality M1 (Filament Maker) |
| Funktion | Extrudieren & Aufwickeln |
| Temperatur | bis 350 °C (3 Heizzonen) |
| Kühlung | 8-Zonen Luftkühlung |
| Output | bis zu 1 kg / Stunde |
| Toleranz | ±0,05 mm (Neuware) / ±0,1 mm (Recycling) |
| Gerät | Creality R1 (Filament Shredder) |
| Funktion | Schreddern & Trocknen (Hybrid) |
| Partikelgröße | ≤ 4 mm |
Schritt 1: Der R1 Shredder macht Kleinholz
Bevor neues Filament entstehen kann, muss der alte Druck geschreddert werden. Der Creality R1 übernimmt diesen Job. Er ist Shredder und Trockner in einem Gerät. Das ist ein cleverer Schachzug, denn Feuchtigkeit ist der größte Feind bei der Extrusion. Die Maschine zerkleinert Fehldrucke oder Supports in Granulat mit einer Korngröße von unter 4 Millimetern. Das ist wichtig, damit der Extruder das Material später gleichmäßig einziehen kann.

Schritt 2: Der M1 Filament Maker schmilzt und spult
Der Creality M1 ist das Herzstück der Anlage. Er ist ein All-in-One-Extruder, der das Granulat aufschmilzt, zu einem Strang formt, kühlt und direkt auf eine Spule wickelt. Um eine konstante Qualität zu sichern, verbaut Creality 3 Heizzonen (bis 350°C) und 8 Luftkühlzonen. Das ermöglicht die Verarbeitung von Standard-Materialien wie PLA und PETG, aber auch technischen Kunststoffen wie PA (Nylon), PC oder sogar flexiblem TPU.

Ein interessantes Detail für die Usability ist das patentierte Schlitten-System, das Ziehen und Schneiden integriert, um das oft fummelige Einfädeln des Filaments zu erleichtern. Für die Sicherheit im Wohnraum sorgt ein Filtersystem mit HEPA- und Aktivkohlefilter. Kurios: Creality wirbt sogar damit, dass man eigene Farben und sogar Düfte definieren kann. Erdbeer-Filament, anyone?

Die Gretchenfrage: 100% Recycling oder Mischen?
Hier müssen wir Wasser in den Wein gießen. Zwar suggeriert das Marketing einen 1:1 Kreislauf („Müll rein, Filament raus“), aber die Physik setzt Grenzen. Kunststoffe degradieren bei jedem Erhitzen; die Polymerketten werden kürzer, das Material spröde.

Das zeigt sich auch im Datenblatt: Creality gibt für den M1 bei Neuware (Virgin Pellets) eine Toleranz von ±0,05 mm an. Bei reinem Recycling-Material verschlechtert sich dieser Wert auf ±0,1 mm. Für moderne High-Speed-Drucker von Bambu La oder Creality ist das oft schon zu ungenau.

Die Realität: Um wirklich hochwertiges Filament zu erhalten, werdet ihr den geschredderten Abfall vermutlich mit frischen Pellets (Virgin Material) mischen müssen. Das System ist damit eher für „Power-User“ oder kleine Druckfarmen interessant, die große Mengen sortenreinen Abfalls produzieren.
Einschätzung: Revolution oder Nischenprodukt?
Alles steht und fällt mit dem Preis. Wenn Creality es schafft, dieses Bundle zu einem attraktiven Preis anzubieten, könnte das den Heim-Markt revolutionieren. Es wäre die erste „Out-of-the-Box“-Lösung für Maker, um den immensen Plastikabfall zumindest teilweise wiederzuverwenden. Wir sind jedenfalls sehr gespannt auf den Start der Kampagne auf Crealitys eigener Plattform.
Unsere Frage an euch wäre: Würdet ihr bei einem passenden Preis hier zuschlagen? Oder ist das Hinzumischen frischer Pellets für euch ein No-Go?
Quelle(n):
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