Engwe L20 3.0 Pro – Faltbares E-Bike mit Doppelfederung und großer Reichweite
Das Engwe L20 3.0 Pro wird vom Hersteller als „das erste kompakte E-Bike mit Voll-Federung“ bezeichnet. Das klingt vielversprechend, und im Test überzeugt das elektrische Falt-Rad in fast allen Punkten.
- Engwe L20 3.0 Pro
- bei Engwe für 1699€
Inhalt
Kurzfazit zum Engwe L20 3.0 Pro
Das Engwe L20 3.0 Pro überzeugt mich fast auf ganzer Linie. Der Akku hält, was er verspricht und ist vor allem dank Schnellladefunktion in weniger als zwei Stunden wieder voll. Das Fahrgefühl ist dank Vollfederung ebenfalls sehr gut und es gibt sogar einen integrierten GPS-Tracker als Diebstahlschutz. Kritikpunkte wie die elektronische Klingel oder die für meinen persönlichen Geschmack etwas zu hohe Trittfrequenz bei 25 km/h trüben den Gesamteindruck kaum.
- 100 km Reichweite bei 25 km/h Tretunterstützung
- Schnellladen in nur 2 Stunden
- Vollfederung
- GPS-Tracker
- Nur elektrische Klingel
- Nicht alle App-Funktionen fehlerfrei
Technische Daten des Engwe L20 3.0 Pro
| Engwe L20 3.0 Pro | |
|---|---|
| Rahmen | 6061 Aluminium (Tiefeinsteiger, faltbar) |
| Motor | 48V Nabenmotor (250W) |
| Drehmoment | 100 Nm |
| Akku | 720 Wh (48V entnehmbar) |
| Reichweite | bis zu 160 km; bei max. Tretunterstützung und 25 km/h knapp 100 km |
| Ladezeit | ca. 2 Stunden (8A Schnellladegerät) |
| Federung | Vollfederung (Federgabel vorn, Dämpfer hinten) |
| Bremsen | Hydraulische Scheibenbremsen (180 mm) |
| Schaltung | Shimano 7-Gang |
| Reifen | 20 x 3.0 Zoll |
| Gewicht | 32,8 kg |
Massiver Rahmen – kompakt faltbar
Das Engwe L20 3.0 Pro ist ein faltbares E-Bike bzw. Pedelec mit Fat Tires und Vollfederung. Als solches kombiniert es den Komfort der Tretunterstützung beim Fahren mit hohem Fahrkomfort durch die Reifen und Stoßdämpfer und der Möglichkeit, es einfach zu verstauen oder im Auto zu transportieren.
Plant schon für den Aufbau mal eine Stunde Zeit ein, denn das im Großen, >40 kg schweren Karton gelieferte Rad muss noch zusammengebaut werden. Das gelingt mit der beiliegenden Anleitung gut, es ist aber ratsam, eine zweite Person dabei zu haben, um das Rad dabei zu wenden.
Lenker, Sattel, Pedale, Vorderrad, Schutzblech, Lampe und Ständer müssen montiert werden; anschließend gilt es noch, die Reifen aufzupumpen, ehe man dann endlich losfahren kann. Das dafür nötige Werkzeug inklusive einer Handluftpumpe ist mit dabei. Einfacher ist das Füllen der Reifen aber definitiv mit einem kleinen Kompressor.
Praktisch faltbar, aber kein Leichtgewicht
Das Rad wird einmal in der Mitte „gefaltet“ und der Lenker eingeklappt. Der Sattel kann zudem einfach abgenommen werden. Damit schrumpft das Rad auf 102 x 53 x 78 cm zusammen. Das passt in jeden Kofferraum, ist aber immer noch ein ordentlicher Brocken im Vergleich zu nicht-motorisierten Klapp-Rädern. Auch das Gewicht sollte man nicht unterschätzen. Mit 32,8 kg ist das Rad nicht leicht zu tragen und selbst im eingeklappten Zustand noch relativ unhandlich.
Selbst das Einklappen wird schon zur Herausforderung, wenn man nicht weiß, wie man das Rad dabei am besten hält oder vielleicht nicht die notwendige Körperkraft hat. Das Rad mal eben ins Auto heben oder aus Platzgründen eingeklappt in die Garage stellen ist praktisch und kein Problem, es aber mal eine Treppe hoch oder runter zu tragen, wird schon zur Kraftprobe.
Größentechnisch ist das Engwe L20 3.0 Pro großzügig anpassbar. Die Sattelhöhe kann zwischen 82 und 102 cm eingestellt werden; ebenso der Lenker. Damit ist das Rad vor allem auch für große Menschen geeignet, während sehr kleine Personen schon auf den Sattel klettern müssen.
Stoßdämpfer
Ein weiteres Aushängeschild des Rads ist seine Federung. Hier gibt es neben einer hydraulischen Federgabel am Vorderrad auch einen vor dem Hinterrad, unter dem Sattel eingebauten Stoßdämpfer. Die Federgabel ist mit einem einfachem Schalthebel zwischen einstellbar, je nachdem ob man eine weichere Federung fürs Gelände oder gar keine Federung für den innerstädtischen Verkehr haben möchte.
Zusammen mit den breiten „Fat Tire“-Reifen (20 x 3 Zoll) sorgt die Federung für eine sehr angenehme Fahrt über unebenen Untergrund. Wenn einem Bodenwellen, Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher quasi gar nicht auffallen und man sich nach 30 Minuten Fahrt fragt, warum eigentlich die Fahrt so entspannt ist, dann scheint die Federung ihren Job zu machen.
Klingel
Es gibt leider nur eine elektrische Hupe und keine klassische Klingel. Das Geräusch ist nicht nur ein wenig nerviger als das einer Klingel, es ist auch nicht so laut und wird von anderen Verkehrsteilnehmern nicht genauso wahrgenommen. Klar, eine Klingel bekommt man für ein paar Euro und kann sie selbst am Lenker befestigen, aber warum nicht einfach eine beilegen?
Gepäckträger
Das L20 3.0 Pro hat am Hinterrad einen sehr massiven und stabilen Gepäckträger. Der hat keine Halterung in irgendeiner Form, es benötigt also Gurte oder ähnliches, um Gepäck darauf sicher zu befestigen. Da bei den kleinen Reifen unter dem hohen Sattel zusätzlich viel Platz ist, passen hier Taschen oder Kisten von ganz ordentlicher Größe auf den Gepäckträger.
Viel Leistung und Reichweite
Motor
Das L30 3.0 Pro ist ein Pedelec, also ein E-Bike, dessen Motor nur Tretunterstützung bis 25 km/h bietet. Der 250-Watt-Motor unterstützt dabei das Strampeln in insgesamt 5 Stufen, die sich per Schaltung links am Lenker einfach durchwechseln lassen. In der Praxis wird man meistens wohl auf Stufe 5 bleiben, da alle Stufen darunter eine entsprechend geringere Höchstgeschwindigkeit unterstützen. Dann muss man lediglich beim Anfahren im dichten Rad-Verkehr etwa an Ampeln darauf achten, dass der Motor beim erneuten Treten aus dem Stand auch relativ zügig wieder Gas gibt.
Neben den fünf Stufen der Tretunterstützung gibt es eine 7-Gang-Schaltung von Shimano. Wenn ihr mit aktiver Tretunterstützung fahrt, legt die eigentlich nur fest, wie viel Widerstand ihr beim Treten spürt. Hier hätte ich auch einen kleinen Kritikpunkt, da der Widerstand im höchsten Gang bei 25 km/h eigentlich zu gering ist und ich relativ schnell treten muss. Will ich schneller fahren als 25 km/h, muss ich mich schon wirklich anstrengen, weil ich einfach nicht höher schalten kann und schon bei 30 Sachen wie bekloppt am Strampeln bin. Weshalb ich es dann meistens doch bei gemütlicheren 25 belasse.
Akku/Reichweite
Geworben wird mit 160 Kilometern Reichweite, die der 720 Wh große Akku maximal leisten soll. Es wird aber ehrlichweiser angegeben, dass es sich dabei um einen unter idealen Testbedingungen erreichten Wert handelt. In der Realität seien auf der ersten Stufe der Tretunterstützung (XX km/h) noch 140 km möglich; auf Stufe 5 mit 25 km/h noch 96 km.
In der Praxis entspricht das ziemlich genau dem Wert, den ich in meinen Testfahrten auch erreiche (innerstädtisch und ohne nennenswerte Steigungen). Ein erfreuliches Ergebnis, gerade da ich sehr viele E-Scooter teste und dort die Reichweitenangeben eigentlich nie der Wahrheit entsprechen. Hier sind es Pi mal Daumen tatsächlich 100 Kilometer, die ich fahren kann, ehe ich den Akku nochmal laden muss, wobei man den Akku meistens ja nicht komplett entlädt. Nach einer 50-Kilometer-Fahrt lädt hängt man die Batterie ja in der Regel an den Strom.
Und Apropos Laden der Batterie: Dank eines Schnelllade-Kabels ist der Akku in nur knapp 2 Stunden wieder voll aufgeladen. Der Ladeanschluss sitzt an der Seite und wird von einem wasserdichten Silikon-Deckel geschützt.
Der Akku selbst lässt sich auch entnehmen und separat laden oder auch austauschen.
Großer Bildschirm, verbesserungswürdige App
Screen
Fahrtinformationen gibt es auf dem großen Display, das mittig auf dem Lenker sitzt. Oben rechts wird dort der Akkustand in Prozent angezeigt, mittig und sehr groß die aktuelle Geschwindigkeit. Darunter wird mit einem farblich passenden Balken die aktuelle Stufe der Tretunterstützung zwischen 0 und 5 angezeigt.
Die kleine Anzeige darunter zeigt links die während der aktuellen Fahrt gefahrene Strecke. Die rechte Hälfte zeigt verschiedene Werte an, die durch einen Druck auf die Info-Taste an der linken Steuereinheit am Lenker durchgeschaltet werden können. Hier sieht man wahlweise die Dauer der aktuellen Fahrt; die Höchstgeschwindigkeit der Fahrt; die Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrt oder die insgesamt schon mit dem Rad gefahrene Strecke.

App
Wie es sich gehört hat auch dieses E-Bike eine zugehörige App. Die ENGWE-App gibt es für Android und iOS, man muss sich einmal mit einer E-Mail-Adresse anmelden und kann dann das Fahrrad verbinden.
Auf dem Startbildschirm wird zunächst gibt es zunächst eine Übersicht über das aktuelle Wetter. Hier wird die Temperatur, die Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit sowie die Sichtweite in Kilometern und der Atmosphärendruck angezeigt. Dafür sind Standortdaten notwendig, dennoch sind die Daten natürlich nicht unbedingt zuverlässig für den genauen Standort.
Mehr Infos gibt es unter dem „E-Bike“-Tab. Vorausgesetzt, das Rad ist verbunden, seht ihr hier den Akkustand. Außerdem könnt ihr den Modus der Tretunterstützung einstellen, das Rad sperren und einen automatischen Alarm einstellen oder das Licht ein- und ausschalten. Außerdem werden hier bereits Werte wie die Gesamtzeit, die insgesamt gefahrene Strecke und Zeit angezeigt. Die maximale sowie durchschnittliche Geschwindigkeit werden mir allerdings nicht korrekt angezeigt. Dafür gibt es einen im Rad integrierten GPS-Tracker, durch den ihr das Rad sogar orten könnte, wenn es gestohlen werden sollte.
Wollt ihr die Fahrten genau aufzeichnen, könnt ihr das unter „Aufzeichnungen“ tun. Hier müsst ihr das Tracking aber vor der Fahrt aktiv starten, erstellt dann aber auch per GPS eine Route der gefahrenen Strecke auf einer Karte. Das Ergebnis könnt ihr unter „Entdecken“ sogar teilen. Ich bin sonst kein Freund solcher Community-Funktionen in Apps für E-Fahrzeuge. Zu sehen, welche Radtouren andere Engwe-Rad-Besitzer aber in Italien oder Schweden gemacht haben, finde ich irgendwie charmant. So ganz zuverlässig funktioniert das aber noch nicht; der Standort meines Rads wird mir zum Beispiel noch am Startpunkt meiner Fahrt angezeigt, während ich schon 15 Kilometer weiter weg bin. Und die Aufzeichnung der Route ist teilweise unvollständig und mir wird nur ein Bruchteil der eigentlich gefahrenen Strecke angezeigt.
Ansonsten gibt es noch einige Profileinstellungen, Herstellerinfos und Firmware-Updates. Auch die Betriebs- und Aufbau-Anleitungen für verschiedene Engwe-Modelle liegen hier in PDF- bzw. Videoform vor.
Insgesamt eine übersichtliche App, die alle wesentlichen Funktionen bietet, auch wenn einige davon nicht korrekt funktionieren. Das sollte dringend durch ein Update noch behoben werden.
Fazit – Rundum gelungenes Falt-E-Bike
Das L20 3.0 Pro bringt viele spannende Features mit und macht insgesamt im Test einfach einen verdammt guten Eindruck. Die Doppelfederung sorgt für ein sehr angenehmes Fahrgefühl und der Akku trägt einen selbst bei maximaler Tretunterstützung an die 100 Kilometer weit. Und das Schnellladekabel sorgt dafür, dass es selbst danach schnell wieder weitergehen kann.
Die App hat noch einige Fehler, ist grundsätzlich aber in Ordnung. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, das Rad per GPS orten zu können. Es sind definitiv aber noch App-Updates nötig, um alle Funktionen vollumfänglich nutzen zu können.
Selbst eingeklappt ist es immer noch schwer und etwas unhandlich, der Faltmechanismus erfüllt aber die Funktion, das Rad deutlich leichter verstaubar zu machen. Man könnte die fehlende Klingel kritisieren und persönlich würde ich mir mehr Widerstand im höchsten Gang wünschen, da man doch mit eher hoher Trittfrequenz unterwegs ist.
Aber wirklich meckern kann ich hier nicht. Ich bin sehr gerne mit dem L20 3.0 Pro gefahren und kann es nach meinen bisherigen Erfahrungen so auch durchaus empfehlen.
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