Bambu Lab R1 vorgestellt: Ist der 55W CO2-Laser eine echte Revolution oder nur ein Preisangriff auf xTool?
Wir hatten es bereits nach den ersten Teasern erwartet, heute um 16 Uhr wurde es offiziell: Bambu Lab verlässt sein reines 3D-Druck-Revier und bringt mit dem Bambu Lab R1 den ersten eigenen Laser-Cutter auf den Markt. Der Hersteller wirft direkt einen 55 Watt starken CO2-Laser für den Premium-Sektor in den Ring, der das Problem der Spiegel-Kalibrierung vollautomatisch lösen soll. Aber erfindet der 3D-Druck-Pionier hier wirklich das Rad neu oder ist das Datenblatt am Ende doch „nur“ ein knallharter Preisangriff auf etablierte Platzhirsche wie den xTool P3?
- Bambu Lab R1 Laser-Cutter:
- bei Bambu Lab ab 2.499€ (inkl. MwSt., exkl. Versandkosten)
- Verfügbarkeit: Vorbestellungen ab sofort im offiziellen Store möglich. Die Auslieferung startet im Oktober 2026.
Inhalt
Technisches: Die R1-Specs im Überblick
| Feature | Bambu Lab R1 |
| Laser-Typ | 55W CO2-Laser |
| Arbeitsfläche | 600 x 300 mm (bis zu 600 x 3.000 mm mit optionalem Conveyor) |
| Schnittkapazität | Bis zu 18 mm Holz / 20 mm Acryl (mit optionaler Langfokus-Linse) |
| Max. Geschwindigkeit | 1.000 mm/s (Beschleunigung: 20.000 mm/s²) |
| Kalibrierung | Vollautomatische Spiegel-Ausrichtung (Auto Laser Alignment) |
| Positionierung (TriSense) | BirdsEye-Kamera, Toolhead-Kamera, Pinpoint-Laser, XY-Encoder |
| Sicherheit | Class 1 (geschlossenes Gehäuse), Auto-Stopp, integrierte Crossflow-Lüftung |
| Materialien (Schneiden & Gravieren) | Holz, Acryl (auch transparent!), Leder, Stoff, Papier, EVA-Schaum |
| Materialien (Nur Gravieren) | Beschichtetes Metall, Glas, Keramik |
Die einzige echte Revolution: Auto Laser Alignment
Die wohl größte Innovation des R1 löst ein altbekanntes Problem der CO2-Technik. Bei einem CO2-Laser wird der Strahl aus einer fest verbauten Glasröhre im Heck über mehrere kleine Spiegel bis zum Druckkopf gelenkt. Sind diese Spiegel durch Vibrationen minimal verstellt, verliert der Laser deutlich an Schneidkraft.
Bisher bedeutete das für Nutzer: Thermopapier aufkleben, Testschuss abgeben, Schrauben am Spiegel manuell drehen und wiederholen. Bambu Lab automatisiert diese Kalibrierung komplett. Ihr montiert den mitgelieferten Sensor dafür am Druckkopf, die Maschine feuert, liest die Abweichung aus und stellt die internen Spiegel motorisiert nach. Dieser Vorgang dauert laut Hersteller eine Minute. Für Einsteiger erleichtert diese Automatisierung den Einstieg in die Welt des CO2-Laser-Engravens auf jeden Fall.
TriSense vs. xTool P3: Clevere Kameras sind längst Standard
Bei der Positionierung eurer Werkstücke verlässt sich Bambu Lab auf das „TriSense System“. Eine Panorama-Kamera im Deckel fotografiert die Arbeitsfläche, während eine Detailkamera am Laserkopf winzige Objekte erfasst. Ein Distanzlaser misst zudem automatisch die Materialdicke.
Realitäts-Check: Keine Erfindung von Bambu Lab
Liest man die Pressemitteilung, klingt TriSense nach einem magischen Meilenstein. Wer unsere Testberichte verfolgt, weiß jedoch: Das ist mittlerweile branchenüblich im Premium-Segment. Als wir den xTool P3 im MakerSpace gequält haben, nutzten wir dort ebenfalls zwei hochauflösende Kameras für Batch-Processing und eine automatische LiDAR-Dickenmessung. Bambu Lab zieht hier technisch also lediglich mit der Konkurrenz gleich, anstatt sie wie beim 3D-Druck völlig zu überflügeln.
Spannender könnte hingegen der Software-Transfer aus der 3D-Druck-Sparte sein: Bambu Lab setzt wie bei den hauseigenen 3D-Druckern auf Resonanzkompensation (Vibration Compensation). Diese Technik verhindert das mechanische Nachschwingen bei abrupten Richtungswechseln des Laserkopfes. Gravierte Linien sollen dadurch in den Ecken gestochen scharf bleiben und nicht ausfransen. Hier wird ein Test zeigen, ob Bambu Labs Algorithmus besser performt als das bei Hauptkonkurrent xTool der Fall ist, denn auch hier setzt man softwareseitige Vibrationskompensation ein.
Genau wie beim 3D-Druck nutzt Bambu außerdem den so genannten Vision-Encoder, ein Kalibrierungsboard, das den mechanischen Verschleiß (ausleiernde Riemen) über die Jahre softwareseitig hilft auszugleichen.
Schneidleistung: 55 Watt treffen auf physikalische Grenzen
Ein weiterer Punkt für unseren kritischen Vergleich ist die rohe Power. Bambu Lab verbaut eine 55-Watt-Röhre. Damit zerschneidet ihr spielend transparentes Acryl, bei dem günstige Diodenlaser scheitern. Zum Vergleich: xTool bietet satte 80 Watt inklusive Inverter-Wasserkühler, verlangt dafür aber auch mit 6300€ das 2,5-Fache des R1-Preises.
Im Labor-Test pflügte der P3 mühelos durch 22 Millimeter massives Fichtenholz. Bambu Lab gibt für den R1 maximal 18 Millimeter Holz an – und das auch nur mit einer optional erhältlichen Langfokus-Linse. Wer extrem dicke Materialien in Serie fertigen will, stößt bei 55 Watt deutlich früher auf Limitierungen als bei der 80-Watt-Konkurrenz.

Zubehör und Sicherheit: Vorsicht beim Conveyor
Im Werkszustand ist der R1 ein sicherer „Class 1“-Laser. Das komplett geschlossene Gehäuse schirmt die gefährliche Strahlung ab, ihr müsst also keine Schutzbrille tragen. Eine integrierte Lüftung saugt Frischluft an und bläst den Rauch direkt in einen Abluftschlauch oder den optionalen „E1 Pro“ Luftfilter.
Mit der „Riser Base“ könnt ihr das Gerät aufbocken, um höhere Objekte oder eine optionale Rollwalze für Rundgravuren einzusetzen. Der automatische „Conveyor“ erlaubt sogar das Bearbeiten von drei Meter langen Holzplatten.
Wichtig: Sobald ihr den Riser oder den Conveyor nutzt, ist das Gehäuse offen. Der R1 wird sofort zu einem hochgefährlichen Class 4 Laser! Das bedeutet: Laser-Schutzbrille zwingend aufsetzen und Unbefugte aus dem Raum verbannen.
Einschätzung: Aggressiver Preisangriff, aber kein technologisches Wunder
Ist der Bambu Lab R1 also die erhoffte Revolution? Jein. Die automatische Spiegel-Kalibrierung ist ein guter Schachzug, der vielen Hobby-Makern die Angst vor der anfälligen CO2-Technik nimmt. Ob er den xTool P3 vom Thron stößt, werden wir in einem Test herausfinden, sobald es das Gerät zu uns durch den Zoll geschafft hat.
Fakt ist aber schon jetzt: Bambu Lab erfindet die Desktop-Lasergravur hier nicht neu. Smarte Kamerasysteme, automatische Materialerkennung und clevere Fokus-Messungen haben Hersteller wie xTool längst etabliert. Die wirkliche Kampfansage aus dem Hause Bambu Lab ist der Preis. Für 2.499 Euro bekommt ihr ein hochautomatisiertes CO2-System, für das ihr bei der – zugegeben deutlich leistungsstärkeren – Konkurrenz oft ein Vielfaches auf den Tisch legt. Wenn die Software ähnlich flüssig läuft wie der hauseigene 3D-Slicer, drückt Bambu Lab die Eintrittskarte für semiprofessionelle Handwerksbetriebe damit einfach mal deutlich im Preis.
Was haltet ihr vom Bambu Lab R1? Zieht euch der Preis von rund 2.500 Euro in die CO2-Laser-Welt, oder spart ihr lieber auf ein 80-Watt-Schwergewicht wie den xTool P3? Schreibt es uns in die Kommentare!
Quelle(n):
- Bambu Lab Media Kit (Pressematerial)
- Eigene Test-Erfahrungen (xTool P3 Test)
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Kommentare (2)