Kurios: Importeur verkauft „verbotenen“ China-AUDI E5 in Deutschland
Eigentlich war die Ansage aus Ingolstadt glasklar: Die neue Submarke „AUDI“ (ohne das legendäre Vier-Ringe-Logo) wurde exklusiv mit dem Partner SAIC für den asiatischen Markt entwickelt und soll Europa niemals offiziell betreten. Doch die Realität sieht plötzlich anders aus. Der Direktimporteur „Auto China“, den einige vielleicht durch Fahrzeug-Vorstellungen auf dem YouTube-Kanal JP Performance kennen, bietet den Elektro-Sportback AUDI E5 nun ganz offen bei uns an. Was das 787-PS-Biest technisch draufhat und warum euch bei diesem Import-Abenteuer im schlimmsten Fall die Schrottpresse droht.
- AUDI E5 Sportback Flagship quattro:
- bei Auto China ab 67.780€
(Hinweis: Preise laut Importeur inklusive Überführung und Zoll. In China kostet das Basismodell des E5 umgerechnet nur ca. 30.000€. Stand: August 2026)
Technische Daten: Der AUDI E5 Sportback Flagship quattro
| Feature | AUDI E5 Sportback Flagship quattro |
| Akku & Reichweite | 100 kWh (Lithium-Ternär, 800V) / 647 km (CLTC-Zyklus) |
| Antrieb | quattro Allrad, zwei Motoren (200 kW vorne, 379 kW hinten) |
| Leistung | 579 kW (787 PS) / 800 Nm Drehmoment |
| Beschleunigung | 0-100 km/h in 3,4 Sekunden |
| Ladeleistung (DC) | 10-80 % in ≤ 17 Minuten |
| Fahrwerk | Continental Luftfederung, ZF Hinterachslenkung, Brembo Bremsen |
| Sensoren & Assistenz | LiDAR, 11 Kameras, Orin-X Chip (Audi Panorama Assisted Driving) |
| Infotainment | 59-Zoll „Wide-Field Display“ mit Snapdragon 8295 Chip |
| Maße & Gewicht | 4.881 × 1.960 × 1.479 mm / 2.343 kg Leergewicht |
Inhalt
Satte 787 PS: Das steckt im China-Audi
Schaut man rein auf die Hardware, hat das SAIC-Audi-Joint-Venture hier einen Technik-Traum auf die Räder gestellt. Das „Flagship quattro“-Modell presst aus seiner 800-Volt-Architektur und den zwei Motoren satte 787 PS und sprintet in 3,4 Sekunden auf Tempo 100. Dazu gibt es eine Luftfederung von Continental, Brembo-Bremsen und eine Hinterachslenkung von ZF.
Auch im Innenraum klotzt der E5: Ein gigantisches 59-Zoll-Display überspannt das Cockpit, befeuert von einem potenten Snapdragon 8295 Chip. Mit LiDAR-Sensorik und dem Orin-X-Prozessor ist der Wagen zudem vollgestopft mit Hardware für autonomes Fahren. Für knapp 60.000€ liefert der Direktimporteur hier Ausstattungsmerkmale, für die man bei einem offiziellen Porsche Taycan oder Audi e-tron GT locker das Doppelte hinblättern müsste.
Adapter-Zwang und Software-Lotto: Die technischen Hürden
Wer sich den Exoten auf den Hof stellt, muss mit harten Einschränkungen leben. Fahrzeuge für den chinesischen Markt haben keinen europäischen CCS-Ladeanschluss, sondern nutzen den asiatischen GB/T-Standard. Ihr müsst also an jeder Schnellladesäule in Deutschland mit Adaptern hantieren, was die Lade-Performance im Alltag drosseln kann (Kostenpunkt für den Ladeadapter bei Auto China übrigens: 950€).
Zudem ist die Software tief im chinesischen Ökosystem verankert. Ob lokale europäische Navigationskarten oder die Sprachsteuerung fehlerfrei funktionieren und Over-the-Air-Updates (OTA) wirklich auch langfristig den Weg nach Deutschland finden, bleibt fraglich. Auch die Reichweite von 647 Kilometern ist mit Vorsicht zu genießen, da der chinesische CLTC-Zyklus in der Praxis wesentlich großzügiger rechnet als unser WLTP-Standard.
Auto China & das Garantie-Versprechen: Passt das?
Um Bedenken bei Defekten zu zerstreuen, bietet der Importeur eine eigene „Auto China-Garantie“ gegen 3.500€ Aufpreis an. Darin sind Hightech-Komponenten wie LiDAR, Luftfederung und das riesige Display abgedeckt. Reparaturen sollen in Fachwerkstätten mit 100 % Lohn- und Materialkostenübernahme erfolgen.
Aber: Die Garantie auf den Antrieb und die 100-kWh-Hochvoltbatterie (inklusive 70 % SoH = State of Health = Gesundheitszustand der Batterie) läuft auf 2 Jahre oder 80.000 Kilometer. Zum Vergleich: Bei offiziellen E-Autos in Europa sind ca. 8 Jahre und 160.000 Kilometer Branchenstandard.
Zudem liegt die Erstattungsgrenze pro Fall für Antrieb und Batterie bei maximal 10.000€. Ein kompletter Tausch eines 100-kWh-800V-Akkus kostet in der Realität jedoch locker das Doppelte bis Dreifache. Den Rest zahlt ihr im Schadensfall aus eigener Tasche. Obendrein bleibt die Frage völlig offen, welche freie „Fachwerkstatt“ in Deutschland die proprietäre Software eines exklusiven China-Audis überhaupt auslesen oder kalibrieren kann.
Audi E5 in Deutschland: Droht die Schrottpresse?
Das allergrößte Risiko ist jedoch rechtlicher Natur. Der Importeur meldet zwar bereits eine hohe Nachfrage und erste erfolgte Verkäufe in Deutschland, doch das Eis ist hier dünn. Auf Nachfrage der Automobilwoche äußerte sich Audi nicht direkt zu den Händler-Aktivitäten, betonte aber unmissverständlich: Diese Fahrzeuge wurden „ausschließlich für den chinesischen Markt“ entwickelt.
Ob das für Auto China gut geht, ist fraglich. Denn was passiert, wenn Hersteller gegen solche Grauimporte vorgehen, zeigte kürzlich ein beispielloser Fall bei Volkswagen. Ein deutscher Händler hatte 22 Exemplare des China-Modells „VW ID.6 CROZZ“ importiert und legal vom KBA zulassen lassen. VW verklagte den Händler wegen Markenrechtsverletzung. Das Landgericht Hamburg gab dem Konzern recht: Der Verkauf wurde gestoppt und das Gericht ordnete tatsächlich die Vernichtung (Verschrottung) der nagelneuen Fahrzeuge an! Wer heute also 60.000€ an einen Importeur überweist, trägt das volle Risiko, dass das Auto nach einer möglichen Audi-Klage vom Gerichtsvollzieher stillgelegt wird.
Audi E5: Ein Exot für extrem risikofreudige Enthusiasten
Für rund 68.000€ bekommt ihr mit dem AUDI E5 ein technologisch faszinierendes Auto, das auf deutschen Straßen ein absoluter Hingucker ist. Das Angebot von Auto China, sich um Transport, EU-Homologation und Zoll zu kümmern, senkt die Hürde für Käufer auf den ersten Blick enorm. Erste Kunden in den sozialen Netzwerken zeigen sich von der reibungslosen Abwicklung auch angetan.
Dennoch überwiegen für uns die Bedenken: Der Importeur streicht den Gewinn ein, ihr tragt das Risiko. Der GB/T-Ladeadapter, die lückenhafte 2-Jahres-Garantie mit 10.000-Euro-Kostenfalle für den Akku und vor allem das schwebende Damoklesschwert der Markenrechtsverletzung machen den Kauf zu einem Hochrisiko-Geschäft. Solange Audi den Parallelimporten nicht offiziell und schriftlich zustimmt, ist die Gefahr einer gerichtlich angeordneten Stilllegung schlichtweg zu groß.
Würdet ihr das Risiko eines direkten E-Auto-Imports aus China eingehen, um an einen 787-PS-Exoten zu kommen, den es hier eigentlich gar nicht gibt? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!
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Kommentare (8)