Bambu Lab A2L im Test: Der Riesen-Bambu-Lab-A1 für den schmalen Geldbeutel?
Ihr wollt größere Objekte vorzugsweise in PLA oder PETG drucken, ohne eure 3D-Modelle am PC zerschneiden und nach dem Druck verkleben zu müssen? Genau dafür hat Bambu Lab den neuen A2L auf den Markt gebracht. Der Neuzugang ist der deutlich größere Bruder des beliebten A1 und wildert als wuchtiger „Bettschubser“ im Revier der Großformat-Drucker. Warum der Drucker aber eher ein Riesen-A1 ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Bambu Lab A2L 3D-Drucker:
- Bambu Lab A2L (Standalone):
- Bambu Lab A2L Combo (inkl. AMS Lite):
Wer schreibt diesen Test?
Ich bin Thommy und ich begeistere mich für Smart Home, Dashcams & Co. Meine Leidenschaft sind aber FDM 3D-Drucker, seitdem mir meine Frau (natürlich die beste) 2018 einen Anycubic Mega-S geschenkt hat.
Inhalt
Kurzfazit zum Bambu Lab A2L
Bambu Lab skaliert sein Erfolgsrezept in die Höhe und Breite. Der A2L liefert den komfortablen Multicolor-Workflow der A-Serie und kombiniert ihn mit einem großen Bauraum für unter 400 Euro. Die Druckergebnisse bei PLA und PETG sind „out of the box“ herausragend. Der extrem niedrige Stromverbrauch im Durchschnitt überrascht positiv. Die harte Limitierung des Heizbetts auf 80 Grad und die offene Bauweise schränken die Materialauswahl jedoch strikt ein. Wer große Cosplay-Teile oder Deko-Objekte druckt und genügend Platz für einen möglichst stabilen Tisch hat, bekommt hier einen Preis-Leistungs-Champ. Ein passenderer Name wäre aber eigentlich „A1L“ gewesen.
- Großer Bauraum (330x320x325 mm)
- Hervorragende PLA/PETG Druckqualität
- Niedriger Stromverbrauch (Ø 135W)
- Vorbildlich geführter Aufbau per Video
- Zuverlässige Vibrationskompensation
- Heizbett auf 80 °C limitiert (de facto nur ausreichend für PLA, PETG & TPU)
- Massive Vibrationen (benötigt stabilen Tisch)
- Integrierte Kamera weiterhin sehr schwach
- Keine Edelstahldüse ab Werk für abrasive Filamente
- Ungenauigkeiten in der Wärmeverteilung
Technisches: Die Specs des Bambu Lab A2L
| Modell | Bambu Lab A2L |
|---|---|
| Drucktechnologie | FDM (Bed Slinger / Bettschubser) |
| Bauraum | 330 × 320 × 325 mm |
| Druckgeschwindigkeit | 500 mm/s (realistisch: 250 bis 300 mm/s bei max. 10.000 mm/s² Beschleunigung) |
| Düsentemperatur | Max. 300 °C (Edelstahldüse ab Werk) |
| Heizbett | Max. 80 °C (PEI-Federstahlplatte) |
| Spitzenleistung | 1.000 Watt bei 220 V |
| Multicolor-System | Kompatibel mit AMS Lite (bis zu 19 Farben) |
| Materialien | PLA, PETG, TPU, PVA |
| Features | Geschlossener PMSM Servomotor, adaptive Vibrationskompensation, Resonanzdämpfer, Schneide-/Plotter-Modul Option |
| Gewicht & Maße | 12,8 kg / 544 x 529 x 505 mm |
Aufbau & Setup: Ein geführtes Erlebnis in 50 Minuten
Während man die CoreXY-Drucker von Bambu Lab im Grunde nur aus dem Karton hebt und hinstellt, erwartet euch beim A2L ein etwas komplexeres Prozedere. Das liegt schlicht an der schieren Größe der Bauteile. Die gute Nachricht: Der Karton ist nicht zu schwer und alles ist extrem sicher in vielen Einzelteilen verpackt.
Der Lieferumfang ist üppig: Druckerbasis, Portal (Z-Achse), Buildplate, externer Filamenthalter, AMS Lite inklusive Fuß, Teflonschläuche, Reinigungswerkzeug, ein wenig Testfilament (20g, seriously?) und eine Box mit Schrauben.
Für Anfänger ist der QR-Code auf dem Karton hilfreich. Dieser führt zu einem Video-Guide auf der Bambu Lab Wiki-Seite, der euch Schritt für Schritt durch den Aufbau führt. Wir haben im Makerspace entspannte 50 Minuten benötigt. Ihr entfernt die Sticker, schraubt das Heizbett auf die Linearführung, verbindet die massive Druckerbasis mit dem Portal und schließt den Z-Motor an. Nach dem Fetten der Y-Führung, dem Einstecken des USB-Kabels und dem Entfernen der Z-Sicherungen baut ihr den Purge Wiper (Abstreifer) an. Danach nur noch die AMS Lite zusammenschrauben und verkabeln. Jeder, wirklich jeder, bekommt diesen Drucker fehlerfrei zusammengebaut.
Design: Stützen & Dämpfer für die Masse
Ein Bettschubser in dieser Größenordnung bewegt auf der Y-Achse gewaltige Massen. Um das Portal zu stabilisieren, besitzt der Drucker zusätzliche Stützen an der Z-Achse – ein Prinzip, das wir beispielsweise von Crealitys CR-Max Serie kennen. In der oberen Querstrebe verstecken sich zudem sogenannte Granular-Dämpfer, die physische Schwingungen schlucken sollen.
Den von Bambu Lab neu verbauten Servomotor am Extruder, der theoretisch für mehr Drehmoment sorgen soll, haben wir im Druckalltag übrigens weder positiv noch negativ aktiv gespürt. Das System läuft schlichtweg absolut flüssig.
Die Ersteinrichtung läuft nach dem ersten Einschalten vollautomatisch ab. Wir binden den Drucker ins WLAN ein (und nutzen im Makerspace direkt wieder unseren geliebten „LAN Only Modus“). Ein interessantes Detail: Vor dem allerersten Druck wartet der A2L stoisch, bis die große Buildplate wirklich komplett und homogen durchgeheizt ist. Das kannten wir von der kleineren A-Serie, etwa dem Bambu Lab A1, bisher so nicht.

Messlabor: Stromsparer mit Hitzebremse
Auf dem Datenblatt liest sich die Spitzenleistung von 1.000 Watt erst einmal nicht schlecht. Das können wir bestätigen: Beim anfänglichen Aufheizen zieht das Gerät kurzzeitig 920 Watt aus der Dose. Die Praxis im Dauertest überrascht uns dann aber extrem positiv: Während eines normalen PLA-Drucks pendelt sich der Stromverbrauch auf sensationelle 135,2 Watt im Durchschnitt ein. Für einen Drucker dieser Größe ein absoluter Spitzenwert! Die Lautstärke liegt bei angenehmen durchschnittlichen 56 Dezibel. Da der Bauteillüfter ab und zu spürbar hochdreht, ist er subjektiv lauter als eingehauste CoreXY-Drucker.
Einen genauen Blick werfen wir auf das riesige Heizbett. Hier gibt es eine harte Limitierung: Die Temperatur ist ab Werk auf exakt 80 Grad Celsius gedeckelt. Ein dauerhaftes Heizen auf über 100 Grad würde bei dieser Fläche laut Bambu Lab zu viel Energie verbrauchen. Für PLA, TPU und PETG ist das völlig ausreichend. Da zudem nur eine Edelstahldüse verbaut ist, scheiden abrasive Filamente oder ASA/ABS ohnehin erst einmal aus.
Unsere Wärmebildkamera zeigt bei eingestellten 60 Grad Druckbetttemperatur nach 15 Minuten deutliche Hotspots an den Rändern und vorne rechts. Die Abweichungen nach unten liegen bei bis zu 4,8 Grad. Das ist für ein Bett dieser Größe noch im Rahmen, falls sich dann aber doch mal ein Druck lösen sollte, wisst ihr Bescheid: 5°C höher einstellen und gut ist.
Druckergebnisse: (Fast) makellos, aber mit einer Bedingung
Der Drucker arbeitet nach dem bekannten Bambu Lab Prinzip: Anschmeißen, Slicer verbinden, „Hit and Print“. Die integrierte Kamera ist für eine kurze Fernüberwachung ok, liefert mit ihren ruckeligen FPS aber nach wie vor (wie bei der A-Reihe üblich) ein mieses Bild.
Projekt 1: Bladeless-Fan
Um den Bauraum auszureizen, starteten wir mit einem etwas hochskalierten „Bladeless-Fan“ (ein ventilatorfreier Lüfter) von Makerworld. Ziel ist es, am Ende einen 70mm Sunon-Lüfter samt Reglerplatine und USB-C Triggerboard einzubauen. Der Druck aus Overture PLA Matte (Weiß) läuft etwas über einen ganzen Tag.
Achtung, Erdbebengefahr! 😉
Während des Drucks auf der Y-Achse wird massiv Gewicht bewegt. Unser Arbeitstisch im Makerspace hat dabei recht heftig vibriert. Ihr müsst für den A2L zwingend einen stabilen Untergrund einplanen.
Um die Stützstrukturen später besser entfernen zu können, drucken wir die Support-Interface-Schicht mit grauem PETG. Das Ergebnis ist bis auf ganz wenige Layer absolut makellos.
Tipp für Nachbauer: Stellt die Voltzahl des Triggerboards per Dippschalter ruhig auf 15V, das verträgt der Lüfter problemlos. Der Luftstrom ist am Ende nicht übermäßig, aber ausreichend.
Projekt 2: Der Globus-Fuß aus PETG
Als Nächstes drucken wir einen simplen Fuß für einen Globus aus grauem PETG. Heraus kommt nach ca. 3 Stunden eine Zylinderscheibe (18 cm Durchmesser, 1,5 cm Tiefe). Die Standardeinstellungen belassen wir, ändern das Infill aber auf „Lightning“ um Zeit zu sparen. Das Ergebnis ist erneut sehr gut. Für die perfekte Optik hätten wir noch ein oder zwei Toplayer (obere Schichten) hinzufügen müssen, aber für ein funktionales Bauteil gibt es absolut nichts zu meckern.
Projekt 3: Die Liebe & der Standard-Parcours
Charmant wird’s bei unserem nächsten Druck: Wir fertigen einen kleinen Mini-Schriftzug in PLA Rot für den heimlichen Crush eines 10-jährigen Makerspace-Besuchers an. Wir aktivieren dafür zusätzlich die Funktion „Ironing“ (Glätten) im Slicer. Das Ergebnis klappt problemlos, hätte in Sachen Ironing aber noch deutlich optimiert werden können.
Natürlich muss der A2L auch durch unseren Benchmark-Parcours. Nach einem kurzen Fehldruck beim Benchy (wir hatten nasses Filament erwischt), wechseln wir wieder auf das rote PLA. Das Boot steht nach 50 Minuten auf dem Tisch und gehört zu den besten Benchys, die wir bisher gedruckt haben.
Auch beim „Mini All-in-One“-Test (1 Stunde 40 Minuten) liefert der Drucker ein nahezu perfektes Bild ab. Überhänge bis 70 Grad sitzen tadellos, selbst bei 80 Grad sieht das Ergebnis noch ordentlich aus. Alle feinen Strukturen sind erkennbar und der winzige Text ist wunderbar lesbar.
Unseren kleinen Toleranztest (wie immer einen Fidgetspinner) spuckt die Maschine nach 30 Minuten aus. Out of the box erreichten wir hier einen sehr guten Wert von 0,15 Millimetern Spielraum zwischen Rädchen und übrigem Bauteil.
Fazit: A1-Rezept gekonnt skaliert
Bambu Lab erfindet mit dem A2L das Rad nicht neu. Es handelt sich im Kern um eine dezent weiterentwickelte, wuchtige Version der bisherigen A-Serie, die die bekannten Tugenden (Zuverlässigkeit, AMS-Lite-Support, einfache Bedienung) einfach in die Großformat-Klasse portiert.
Die harte Limitierung des Heizbetts auf 80 Grad und die offene Bauweise schränken das Einsatzgebiet klar ein: Technische Filamente wie ABS oder ASA bleiben aber ohnehin den geschlossenen Druckern, wie etwa dem P2S oder dem X2D vorbehalten. Zudem müsst ihr euch bewusst sein, dass der riesige Bettschubser nicht nur viel Platz, sondern auch einen massiven, schwingungsarmen Untergrund benötigt.
Für alle Maker, Cosplayer oder Bastler, die möglichst wenig Geld für sehr viel Bauraum im bewährten Bambu-Kosmos ausgeben wollen, ist der A2L eine gute Option. Wer allgemein große PLA-, PETG- oder TPU-Projekte in guter Qualität möglichst preisgünstig haben möchte, findet hier ein gutes Gesamtpaket.
Wie seht ihr den A2L? Habt ihr ihn schon ins Auge gefasst oder greift ihr direkt „ein Regal höher“ und holt euch einen CoreXY-Drucker wie den Bambu Lab H2S? Schreibt es in die Kommentare!
FAQ: Häufige Fragen zum Bambu Lab A2L
🤔 Kann ich mit dem A2L auch ABS, ASA oder Carbon-Filament drucken?
Out of the box leider nein. Der Drucker ist komplett offen und das Heizbett ist hart auf maximal 80 °C limitiert – für ABS oder ASA bedeutet das starkes Warping (Verziehen) und keine Haftung. Zudem ist ab Werk „nur“ eine Edelstahldüse verbaut. Wollt ihr abrasive Filamente wie Carbon (CF), Glasfaser oder Glow-in-the-Dark drucken, müsst ihr zwingend erst auf eine Nozzle aus gehärtetem Stahl upgraden, da die Standard-Düse sonst schnell ruiniert wird.
🌈 Wie genau kommt man auf die beworbenen 19 Farben?
Oben auf dem Druckkopf sitzt ein 4-Wege-Verteiler für die PTFE-Schläuche. Das AMS Lite würde normalerweise alle vier Eingänge belegen. Schließt ihr nun aber über einen Hub bis zu vier klassische AMS-Boxen (16 Farben) an den A2L an, belegt deren Puffer-Pfad zwingend einen der vier Eingänge am Druckkopf. Folglich ist am Verteiler nur noch Platz für drei Schläuche der AMS Lite. Das ergibt 16 (klassisches AMS) + 3 (AMS Lite) = 19 Farben!
Wichtig: Da die Trocknungsfunktion der großen AMS-Boxen zu viel Leistung für das Mainboard des Druckers zieht, müssen diese beim A2L extern über ein eigenes Netzkabel versorgt werden.
🔊 Ist der A2L sehr laut oder wackelig?
Mit gemessenen 56 dB ist er logischerweise etwas lauter als eingehauste CoreXY-Drucker wie der P2S, was primär am manchmal hochdrehenden Bauteillüfter liegt. Er ist für das Arbeitszimmer aber absolut erträglich. Wichtig ist jedoch der Tisch: Da es sich um einen riesigen Bettschubser handelt, bewegt der Drucker auf der Y-Achse eine gigantische Masse. Sorgt hier also für einen stabilen Untergrund!
Quellen / Genutzte Modelle:
- Bambu Lab Pressemitteilung (Mai 2026)
- Aufbau-Guide Bambu Lab (Video)
- Bladeless Fan (Makerworld)
- Bauteile für den Fan: Sunon 7025 Lüfter, USB-C 12V Triggerboard
- Benchy
- Fidget Tolerance Test
- All in One Test Mini
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