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Bambu Lab vs. Orca Slicer: Zerstört die Firma unsere Open-Source-Kultur?

Bambu-Lab-Orca-Slicer-Streit-Aufmacher

Der 3D-Druck ist aus einer offenen Bastler-Kultur entstanden. Doch Bambu Lab zeigt gerade, dass Open Source für den Hersteller offenbar harte Grenzen hat. Das Unternehmen hat einen unabhängigen Entwickler anwaltlich abgemahnt. Dieser hatte eine modifizierte Version des beliebten Orca Slicers veröffentlicht. Nun eskaliert der Streit. Szene-Größen wie Louis Rossmann und sogar Konkurrent Josef Prusa schießen scharf gegen Bambu Lab.

Worum geht es eigentlich beim Orca-Slicer-Fork?

Der Streit hat eine Vorgeschichte. Bambu Lab sperrte bereits Anfang 2025 den direkten Cloud-Zugriff für Drittanbieter-Software. Folglich mussten Nutzer von Orca Slicer die umständlichere LAN-Verbindung nutzen oder auf smarte Cloud-Features verzichten. Der unabhängige Entwickler Pawel Jarczak wollte das nicht hinnehmen. Daher programmierte er im April 2026 den Fork „OrcaSlicer-bambulab“. Diese Version stellte die direkte Cloud-Verbindung für den Slicer wieder her.

Bambu Lab Stellungnahme
Stellungnahme von Bambu Lab (Bambu Lab Blog)

Bambu Lab reagierte extrem scharf (Stellungnahme siehe Bambu Lab Blog). Das Unternehmen drohte mit einer Unterlassungsklage. Angeblich stelle die modifizierte Software durch manipulierte Metadaten (User-Agent-Spoofing) ein Sicherheits- und DDoS-Risiko für die eigenen Server dar, weil sich das Programm fälschlicherweise als offizielles Bambu Studio ausgäbe. Jarczak bestritt die Vorwürfe und erklärte, er habe lediglich den öffentlich verfügbaren (AGPL-lizenzierten) Linux-Code von Bambu Studio kopiert. Dennoch nahm der eingeschüchterte Entwickler sein Projekt kurz darauf offline.

Louis Rossmann eskaliert den Streit

Doch damit trat Bambu Lab eine gigantische Lawine los. Der bekannte Right-to-Repair-Aktivist Louis Rossmann (2,5 Millionen YT-Abonnenten) schaltete sich Mitte Mai ein. Er lud den gelöschten Code kurzerhand auf seinem eigenen Profil wieder hoch. Obendrein bot er dem Entwickler öffentlich 10.000 US-Dollar für eventuelle Anwaltskosten an. Somit wurde aus einer kleinen Abmahnung ein weltweiter PR-Albtraum. Die Community tobt, da Bambu Lab die Schuld für eigene Sicherheitslücken auf einen einzelnen, ehrenamtlichen Entwickler schiebt.

Louis Rossmann Middlefinger
Louis Rossmann im Video-Statement zur Bambu-Lab-Kontroverse | Quelle: YouTube

Josef Prusa mischt sich ein: Ein Open-Source-Verstoß?

Durch den Tumult meldete sich auch der größte westliche Bambu-Lab-Konkurrent zu Wort. Josef Prusa kritisierte das Vorgehen von Bambu Lab auf der Plattform X massiv. Der Vorwurf wiegt schwer: Bambu Lab soll selbst seit dem ersten Tag gegen die Open-Source-Lizenz (AGPL-3.0) verstoßen. Die Software Bambu Studio basiert nämlich zu großen Teilen auf dem quelloffenen PrusaSlicer.

Josef Prusa
Josef Prusa schießt gegen Bambu Lab | Quelle: X

Dennoch nutzt Bambu Lab für die Netzwerkkommunikation eine geschlossene Binärdatei. Prusa kritisiert dabei einen cleveren, aber unfairen Trick. Bambu liefert das Netzwerkmodul nicht direkt mit der Installationsdatei aus. Stattdessen wird es erst beim Programmstart über ein CDN (ein externes Server-Netzwerk) aus dem Internet nachgeladen.

Bambu.Studio Netzwerkmodul wird geladen
Wird nach der Bambu Studio-Installation nachgeladen: Das Netzwerk-Plugin

Für Laien bedeutet das: Man installiert eine scheinbar offene Software, die sich aber durch den späteren Download im Hintergrund in ein geschlossenes Programm verwandelt. Somit kann niemand den Code unabhängig auf Datenspionage prüfen. Da Slicer und Netzwerkmodul ein gemeinsames Produkt bilden, sei dies eine unzulässige Umgehung der Open-Source-Regeln.

Ein gefährlicher Weg für Bambu Lab

Bambu Lab baut zweifellos fantastische Hardware. Dennoch zeigt dieser Vorfall, wie extrem der Hersteller sein Ökosystem abschotten möchte. Anstatt eine offene API für die Community zu bauen, greift man zu juristischen Drohungen gegen Bastler. Dass sich nun Giganten wie Louis Rossmann und Josef Prusa solidarisieren, ist ein starkes Signal für die Open-Source-Kultur. Bambu Lab argumentiert, dass Open Source keinen Anspruch auf die Nutzung privater Cloud-Dienste gewährt. Das mag juristisch stimmen, kostet in der Szene aber massiv Vertrauen.

In diesem Sinne also die Frage an euch: Ist Bambu Labs Gebaren für euch ein K.O.-Kriterium für zukünftige Druckerkäufe oder ist das euch und vielleicht der breiten Masse im Endeffekt egal? Wie positioniert ihr euch da?

Quelle(n):

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Profilbild von Thommy

Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (13)

  • Profilbild von Goldeneye
    0 # 21.05.26 um 17:11

    Goldeneye

    Der Grund warum ich Bambu von Anfang an gemieden habe… leider sind einige andere auch nicht viel besser :-/

  • Profilbild von Thiemo
    0 # 21.05.26 um 17:31

    Thiemo

    Ich denke nicht das ist Bambu daher grundsätzlich meiden werde, aber es ist ein contra-Punkt wenn ich nach dem nächsten 3D Drucker umsehen werde oder jemand um einen Tipp für einen solchen bittet.

  • Profilbild von JohannesPeter
    0 # 21.05.26 um 19:31

    JohannesPeter

    Mehr zum Hintergrund: https://www.jeffgeerling.com/blog/2026/bambu-lab-abusing-open-source-social-contract/

    Dass alles, was man zu Hause vom eigenen Rechner zum Drucker im selben Netzwerk sendet, zwingend über deren Server geleitet werden muss, ist für mich generell nicht akzeptabel.

  • Profilbild von Tscherno
    0 # 21.05.26 um 21:11

    Tscherno

    Möge der Shit-Storm hageln. Das ist alles ein vorgeschobenes Argument. Sie könnten ohne Probleme Cloud-Zugriff sauber reglementieren, indem sie API-Keys erstellen lassen oder über die übliche User-Authentifizierung. Als ob da mehr Anfragen über Orca kommen würden… Ich nutze ENTWEDER Orca ODER Bambu. Orca ist halt der bessere Slicer…

  • Profilbild von Wombat
    0 # 21.05.26 um 21:15

    Wombat

    besitze einen a1 mini. aber für mich ganz klar in zukunft kein bambu drucker mehr.

  • Profilbild von Leonsio
    0 # 21.05.26 um 21:56

    Leonsio

    Ein Grund warum ich auf Prusa setze

  • Profilbild von Michael958
    0 # 22.05.26 um 07:35

    Michael958

    Habe und hatte nie Probleme mit Bambu Druckern und/oder Software.

    Daher ist es für mich nicht Kaufentscheidend.

    Ich drucke auch keine hochsensiblen Sachen, welche mir Bambu Lab irgendwie "klauen" könnte, und auch sonst hab ich nichts zu verbergen.

    Open Source wäre sicher super und würde ich auch toll finden.

    Aber den Mehrpreis der Konkurrenz wiegt das für mich nicht auf.

    Ich hab aktuell
    1x MK3S
    1x MK4S
    1x A1
    1x P1P
    1x P1S
    1x H2S

    Und alle sind solide Drucker.
    Hätte ich den MK4S nicht für einen Schnäppchenpreis geschossen, hätte ich ihn nicht gekauft.

    Ich Mag Prusa auch.
    Aber die Preise sind einfach nicht konkurrenzfähig.

  • Profilbild von Thommy
    0 # 22.05.26 um 10:25

    Thommy CG-Team

    Sehe ich das richtig, dass ihr dann statt Bambu Lab zu Prusa gehen würdet oder was wäre sonst eure Alternative?

  • Profilbild von GMB
    0 # 22.05.26 um 10:50

    GMB

    Ich bin verdammt froh, dass ich mich nach dem ersten Onlinezwang-Shitstorm letztes Jahr gegen Bambu entschieden habe. Bambu will genau das, was dieser Move vermuten ließ … weg von Open Source, Abschottung zur "Kundenbindung", proprietäre Systeme. Fuck that shit. Sonst wäre der P1S mein erster Drucker gewesen, so ist es ein Anycubic Kobra S1 Combo geworden. Da stimmt zwar (wenn man den lauten Stimmen auf Reddit zuhört) die Qualitätskontrolle nicht – Stichwort Taco Bed, nonfunktionale Refurbished-Exemplare und mehr – aber ich habe mit meinen zwei Exemplaren "Glück gehabt".

  • Profilbild von Didi99
    0 # 22.05.26 um 15:20

    Didi99

    Ich hatte mir tatsächlich Bambu überlegt gehabt, aber nachdem bereits Anfang 2025 schonmal ein ähnlicher Vorfall stattgefunden hatte, bei dem sie nach einem massiven Shit-Storm zurückgerudert hatten, waren die für mich direkt raus. Inzwischen hab ich hier einen Anycubic Kobra X mit lokaler LAN-Anbindung laufen. Sämtliche Cloud-Funktionen aus (möchte ich eh nicht haben) und der Drucker liefert sehr gute Qualität.

    Für mich ist Bambu definitiv gestorben – nach dieser Aktion umso mehr!

  • Profilbild von Joseph Schneider
    0 # 23.05.26 um 11:52

    Joseph Schneider

    Bedauerlich, einfach bedauerlich

    Ich richte gerade/in den nächsten 6 Monaten meine Werkstatt ein und wollte mir das ganz große top Model mit 2 Farbwechslern und mit Laser kaufen.
    Aber nachdem ich jetzt online die Hintergründe des Streites recherchiert habe, werde ich wohl darauf verzichten.

    Dabei hat Bambu alles was ich von mir von einem Drucker wünsche. Aber das ganze erinnert mich zu sehr an meine schmerzlichen Erfahrungen mit Kopierschutz geschützter Druckertinte. Das hat darin geendet das ich den Drucker entsorgt habe und einen von Brother gekauft habe, der diese Zicken nicht macht.

    Ich möchte mich frei entfalten können uns nicht vom Hersteller in irgendeiner Form beschränkt werden. Und ich muss ehrlich sagen, ich hätte nie gedacht das es das im 3D-Druck Bereich gibt. Gerade dieser Bereich wurde von vielen Leuten gemeinsam entwickelt.

    Daher weder ich wohl eher ein Anycubic Kobra Drucker und einen separaten Laser erwerben.

  • Profilbild von poppulus
    0 # 23.05.26 um 15:19

    poppulus

    Noch tut es mein Ankermake/Eufymake M5 zum Glück. Auch wenn mich das Gesamtpaket von Bambulab reizt, aber was ich hier so lese lässt mich daran zweifeln. Schaue wohl eher zum Snapmaker, wenn der M5C mal nicht mehr will

  • Profilbild von _522_
    0 # 24.05.26 um 12:43

    _522_

    War letztes Jahr kurz davor, einen P1S zu bestellen und dann kam die Ankündigung zum Snapmaker U1.
    Dieser ist OpenSource, nutzt Klipper und hat auch einen Klasse Community Firmware. Beste Entscheidung.

    Hätte ich aber ein Business, würde ich ganz klar auf Prusa setzen und wäre da auch bereit, mehr zu bezahlen. Produkte aus Europa sind nunmal teurer.

    Ich kann aber auch jeden Hobbiesten verstehen, der sagt, Prusa ist mir zu teuer. Ich hab ja auch den U1 gekauft. War aber auf Kickstarter auch ein unschlagbares Schnäppchen und der Dollar/Euro Kurs hat nochmal ein bisschen Rabatt gegeben.

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