Hands-On

Bambu Lab PLA Pure ausprobiert: Endlich lebensmittelecht aus dem 3D-Drucker?

Bambu-Lab-PLA-Pure-Aufmacher

Ihr kennt die ewige Diskussion vielleicht: Darf ich mit meinem 3D-Drucker Keksausstecher oder Spielzeug für Kleinkinder drucken? Die Antwort war bisher meist ein klares „Jein“, gepaart mit Warnungen vor giftigen Zusätzen im Filament. Bambu Lab ändert das jetzt und bringt mit dem PLA Pure ein Material auf den Markt, das offiziell nach EU-Standards für den Lebensmittelkontakt und als Kinderspielzeug zertifiziert ist. Wir haben die erste Rolle direkt bei uns im Makerspace auf den Bambu Lab H2S geschnallt und schauen uns an, was das „Bio-Filament“ kann.

  • Bambu Lab PLA Pure
    • bei Bambu Lab für 32,99€ (inkl. Versand)
    • Erhältlich in den Farben: Aprikose, Baby Blau, Milky Pink, Absolute Black, Pure White

Das Rezept: Nur fünf Zutaten für die Sicherheit

Die meisten Filamente sind chemische Wundertüten. Um Fließeigenschaften oder Schlagfestigkeit zu verbessern, mischen Hersteller oft Additive bei, die man lieber nicht im Mund haben möchte. Bambu Lab geht beim PLA Pure einen radikalen Weg und reduziert die Formel auf exakt fünf nachvollziehbare Zutaten, die alle nach der strengen EU-Verordnung 10/2011 für Lebensmittelkontaktmaterialien erlaubt sind.

Bambu PLA Pure Einsatzbeispiele

Die Basis bildet natürliches PLA (Polylactic Acid, z. dt.: Polylactid) aus Mais und Zuckerrohr. Dazu kommen ungiftige Farbpigmente (wie bei Babygeschirr), asbestfreies Talkumpuder, EBS (bekannt aus Frischhaltefolie) und ein Acryl-Copolymer, das auch bei Kinderspielzeug eingesetzt wird.

Bambu PLA Pure Einsatzbeispiele2

Das Ergebnis hat nicht nur die europäische Spielzeugnorm EN 71-3 bestanden, sondern dünstet beim Drucken auch sehr wenig aus. Laut der UL GREENGUARD-Zertifizierung stößt das Filament weniger Feinpartikel und flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus als eine handelsübliche Duftkerze. Das ist ein sehr großer Vorteil, wenn euer Drucker im Büro oder Wohnzimmer steht.

Bambu PLA Pure Emissionen

Live im Makerspace: Wir drucken den Schüssel-Deckel

Theorie ist gut, Praxis ist besser. Bambu Lab hat uns alle verfügbaren Farben (Aprikose, Baby Blau, Milky Pink, Absolute Black, Pure White) gesendet. Die Baby Blau-Rolle haben wir dann gleich einmal in unseren Bambu Lab H2S im Makerspace geworfen. Das Ziel: Ein passgenauer Deckel für eine kleine Schüssel (ein größerer Deckel für die nächstgrößere Schüssel folgt demnächst).

Bambu Lab PLA Pure Rolle

Das Einlegen ist Bambu-typisch simpel. Das AMS liest den RFID-Chip auf der Spule aus, stellt alle Parameter vollautomatisch ein und der Drucker legt los. Auffällig ist, dass das Material eine eher matte, hochwertige Oberfläche liefert und in unserem Test nicht einmal den Ansatz von minimalem „Stringing“ (Fädenziehen) zeigt.

Update zum Druckergebnis: Kaum Geruch, schönes Finish

Der Druck ist nach ungefähr einer Stunde durch. Geruch konnten wir so gut wie keinen feststellen. Das Ergebnis gefällt uns jedenfalls gut – insbesondere das matte Finish. Einziger Wermutstropfen: Wir hätten die Z-Naht noch etwas optimieren sollen und die Oberflächen optimieren können. Aber für einen Gebrauchsgegenstand sieht das schonmal ordentlich aus, oder was meint ihr?

Achtung, Lebensmittelkontakt: Warum FDM-Druck trotzdem Tücken hat

Macht euch in diesem Zusammenhang bitte immer klar: Bambu Lab liefert ein zertifiziertes Rohmaterial – was ihr daraus macht, steht auf einem anderen Blatt. Das Filament selbst ist lebensmittelecht, euer FDM-Drucker aber nicht zwingend. Wenn ihr vorher ABS oder toxische Materialien gedruckt habt, befinden sich Rückstände in der Düse (Nozzle).

Flashforge AD5X Duese
Rückstände von anderen Materialien beachten! (Bild: Düse des Flashforge AD5X)

Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt für PLA Pure eine komplett frische, saubere Edelstahldüse. Zudem solltet ihr auf das Druckbett keinen Klebestift (Glue Stick) auftragen, da dieser an der Unterseite eures Objekts haften bleibt. Um die Haftung zu verbessern, solltet ihr stattdessen die Heizbett-Temperatur leicht erhöhen.

Das größte Problem bleibt aber die Physik des 3D-Drucks selbst. FDM-Drucker bauen Objekte Schicht für Schicht auf. Dazwischen entstehen winzige Rillen. In diesen mikroskopischen Spalten können sich schnell Bakterien sammeln. Gedruckte Objekte eignen sich daher niemals für flüssige Lebensmittel oder zur dauerhaften Aufbewahrung von feuchtem Essen. Für trockene Keksausstecher oder Spielzeug ist das Material aber genial. Denkt nur daran: PLA wird ab 60 Grad Celsius weich. Die Spülmaschine ist für eure Drucke also absolut tabu!

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Ein ABS-Druck mit deutlich sichtbaren Layer-Lines (Rillen).

Bambu Lab PLA Pure: Ein Schritt in die richtige Richtung

Dass ein großer Hersteller wie Bambu Lab das Thema Sicherheit endlich proaktiv angeht, ist sicherlich ein Gewinn für die Community. Die lückenlose Zertifizierung der Inhaltsstoffe nimmt Familien und Bastlern die Bauchschmerzen, wenn sie Kinderspielzeug oder Plätzchenformen drucken wollen. Mit knapp 28 Euro pro Kilo ist das PLA Pure allerdings deutlich teurer als das Standard-PLA. Hier hoffen wir zukünftig auf attraktivere Preise.

Wir drucken demnächst übrigens noch witzige Eierbecher. Und ihr? Was wäre das erste Objekt, das ihr euch mit einem lebensmittelechten und kindersicheren Filament drucken würdet? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (1)

  • Profilbild von Joe83
    0 # 16.06.26 um 17:08

    Joe83

    hotends mit einem PTFE Inliner wie zb. häufig bei nicht direct Extruder haben auch probleme da sich durch Hitze trotzdem etwas PTFE auf das filament überträgt.

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