Test

Flashforge AD5X im Test: Vom Release-Flop zum heimlichen Amazon-Bestseller?

Flashforge-AD5X-Aufmacher

Nicht konsistente Druckqualität, unzuverlässig und unausgereift. Drehen wir die Uhr ein paar Monate zurück zum Release des Flashforge AD5X, war das exakt der Tenor zum Flashforge AD5X in der 3D-Druck-Szene. Schauen wir uns heute die Bestseller-Listen bei Amazon an, thront das Gerät plötzlich weit oben und sammelt Top-Bewertungen. Wie kann das sein? Hat der Hersteller die Kritiken gekauft oder was? Wir haben den CoreXY-Drucker samt IFS-Multicolor-System ins Testlabor geholt. Was wir dabei an Druckergebnissen gesammelt und fiesen Hardware-Fallen gefunden haben, lest ihr in unserem Testbericht.

Flashforge AD5X (inkl. IFS 4-Farb-System)

(Hinweis: Preise variieren je nach Sale-Aktion extrem. Stand: Juni 2026)

Wer schreibt diesen Test?

ThommyIch bin Thommy und ich begeistere mich für Smart Home, Dashcams & Co. Meine Leidenschaft sind aber FDM 3D-Drucker, seitdem mir meine Frau (natürlich die beste) 2018 einen Anycubic Mega-S geschenkt hat.

Kurzfazit zum Flashforge AD5X

Flashforge hat den AD5X durch Software-Updates quasi gesundgepatcht. Er druckt schnell, liefert out of the box exzellente PLA-Ergebnisse und das 4-Farb-System funktioniert erstaunlich zuverlässig. Die ungleichmäßige Hitzeverteilung auf dem Druckbett und die eigenwillige Startroutine nerven im Alltag etwas. Wer die aktuelle Hardware-Revision (mit vernünftigen Steckern am Extruder) erwischt und primär PLA druckt, bekommt hier enorm viel CoreXY-Drucker für sein Geld. Vor der ersten Revision raten wir jedoch dringend ab!

  • Hervorragende Druckergebnisse bei PLA
  • Extrem simpler Aufbau in drei Schritten
  • Niedriger Stromverbrauch
  • Düsen-Schnellwechselsystem
  • Integriertes IFS für 4-Farb-Druck
  • Fiese Hardware-Falle bei Revision 1
  • Schwache Hitzeverteilung auf dem Druckbett
  • Keine Einhausung & keine Kamera ab Werk
  • Verstopft schnell bei TPU
  • Behäbige Startroutine (Auto-Leveling)

Technisches: Das sind die Specs des AD5X

ModellFlashforge AD5X
DrucktechnologieFDM (CoreXY) mit 1 Extruder
Bauraum220 x 220 x 220 mm
DruckgeschwindigkeitMax. 300 mm/s (Reisegeschwindigkeit max. 600 mm/s)
BeschleunigungMax. 20.000 mm/s²
DüsentemperaturMax. 300 °C (Schnellwechselsystem, 0,4 mm Standard)
DruckbettMax. 110 °C (flexibles PEI-Stahlblech)
Filament-SystemIFS für bis zu 4 Farben
KonnektivitätWLAN, Ethernet, USB (Multi-Geräte-Management fähig)
SoftwareFlash Studio, Orca Slicer, Flashforge App
Features & UpgradesAuto-Leveling, Powerloss-Recovery, Kammerbeleuchtung/Kamera (erweiterbar)

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Aufbau & Setup: Rasanter Start mit üblichem Slicer-Klon

Der Drucker kommt sicher und kompakt verpackt bei uns an. Das Auspacken ist auf maximale Frustvermeidung optimiert. Der physische Aufbau ist in drei simplen Schritten erledigt. Zuerst steckt ihr den kleinen Touchscreen an die Front und lasst ihn einrasten.

Danach schraubt ihr das graue Intelligent Filament System (IFS) mitsamt der Halterung rechts oben an den Rahmen, steckt den PTFE-Hub auf den Druckkopf und führt die Teflonschläuche hinüber. Abschließend befestigt ihr vier Halterungen an der rechten Druckerseite und lasst die Filamentrollenhalter einrasten. Noch das Datenkabel samt der angeschraubten Kabelführung zwischen IFS und Drucker verbinden und das Stromkabel einstecken – fertig!

Die Inbetriebnahme am Touchscreen läuft nach Schema F. Ihr wählt die Sprache, bindet die Maschine ins WLAN ein und ladet den Slicer herunter. Das Menü ist optisch deutlich schlichter als bei der Bambu-Konkurrenz, aber absolut funktional. Einzig die deutsche Übersetzung gruselt einen teilweise immer noch enorm. Wir werden es in der Redaktion jedenfalls feiern, wenn die Hersteller endlich mal auf die Idee kommen, KI auch für Übersetzungen im Touchscreen-Menü zu nutzen.

Display

Auf dem PC setzt Flashforge auf einen modifizierten Ableger des Orca Slicers. Dieser hieß früher „Orca Flashforge“ und nennt sich inzwischen „Orca Studio“. Warum man ein exzellentes Open-Source-Original optisch blau anpinselt und unter eigenem Namen vertreibt, erschließt sich uns nach wie vor nicht ganz. Immerhin arbeitet die Software hervorragend mit der Maschine zusammen. Wer den Drucker lieber mobil steuert, kann mittlerweile auch die aufgeräumte Flashforge-App nutzen.

Flash Studio

Hardware-Limits: Kompakter Bauraum ohne „Wetterschutz“

Auf dem Datenblatt sehen die Werte erstklassig aus. Zwar relativiert Flashforge die beworbenen 600 mm/s im Kleingedruckten als reine Reisegeschwindigkeit (echter Druck bei max. 300 mm/s), gepaart mit 20.000 mm/s² Beschleunigung spielt der AD5X aber dennoch in der Oberliga. Beim Bauraum müsst ihr allerdings minimale Abstriche machen. Während sich 256 x 256 x 256 Millimeter seit Bambu Lab als inoffizieller Standard etabliert haben, bietet der AD5X nur einen Bauraum mit 220 x 220 x 220 mm.

Viel relevanter ist die offene Bauweise. Wir haben ab Werk keine Einhausung, keine Kamera und eine Edelstahldüse verbaut, die für abrasive Materialien schlichtweg nicht ausgelegt ist. Wer direkt ABS, ASA oder kohlefaserverstärkte Filamente drucken will, stößt hier an physikalische Grenzen. Eine passende Kamera lässt sich glücklicherweise problemlos nachrüsten. Eine komplette Acryl-Einhausung findet ihr für rund 52 Euro bei diversen AliExpress-Händlern.

AliExpress Einhausung
Um die 50€ bei AliExpress zu haben: Fertig konfektionierte Kits für Einhausungen

Messlabor: Stromsparer mit eiskalten Hotspots

Im Messlabor schlägt sich der Flashforge AD5X beim Thema Energieeffizienz exzellent. Bei einem normalen PLA-Druck mit Standard-Geschwindigkeiten nuckelt die Maschine durchschnittlich nur sehr genügsame 114,6 Watt aus der Steckdose. Die Lautstärke pendelt sich bei durchschnittlichen 60 Dezibel ein. Ein Leisetreter ist das System durch das fehlende Gehäuse logischerweise nicht.

Ein echtes Sorgenkind ist die Wärmeverteilung auf der PEI-Druckplatte. Unsere Infrarotkamera offenbart minimale Hotspots hinten in der Mitte und vorne rechts. Wenn wir im Slicer 60 Grad Solltemperatur einstellen, kommen real auf der Platte maximal 55,8 Grad an. Ganz vorne links messen wir sogar eine eiskalte Differenz von 5,9 Grad nach unten. Das ist – wir müssen es so sagen – einfach schlecht und hat uns im Test prompt auch das Ablösen eines Drucks nach ca. 3 Stunden beschert. Gebt dem Drucker im Slicer sicherheitshalber grundsätzlich immer 5 Grad mehr Heizbett-Temperatur mit!

Flashforge AD5X FLIR

Druckergebnisse: Zwischen Perfektion & Filamentmüll

Genug gemessen, ab an die Praxis. Flashforge hat die Release-Firmware über die Monate gesundgepatcht, und das sieht man den Ergebnissen an. Um den Bauraum voll auszureizen, drucken wir zunächst eine Poop Chute mitsamt Auffangbox aus giftgrünem Elegoo PLA. Nach 7 Stunden und 10 Minuten ist das Bauteil fertig. Das Ergebnis ist maßhaltig, die Box flutscht perfekt in die Aufnahme der Rutsche. Auf den sehr großen glatten Flächen zeigen beide Objekte allerdings VFAs.

Exkurs: Was sind VFAs?

VFA steht für „Vertical Fine Artifacts“. Das sind sehr kleine, vertikale Linien auf glatten Außenwänden eures Drucks. Sie entstehen meist durch feine Resonanzen der Schrittmotoren oder ein leichtes Ruckeln der Zahnriemen während der Fahrt des Druckkopfs.

Unser klassisches rotes eSun-Benchy stand nach 1 Stunde und 41 Minuten auf dem Tisch. Das Resultat ist sehr gut. Wir sehen nur extrem vereinzeltes Stringing und ein leichtes Ghosting (Zittern der Außenhaut) im oberen Bugbereich.

Beim anspruchsvollen Mini-All-in-One-Test (1 Stunde und 15 Minuten) glänzt der Flashforge AD5X förmlich. Überhänge bis einschließlich 70 Grad stellen kein Problem dar, das Bridging sitzt und die feinen Miniaturtürme sind gut gedruckt. Die Darstellung der winzigen Texte gehört mit zum Besten, was wir in dieser Preisklasse bisher gesehen haben.

Ein weiteres Highlight ist unser Mini-Tolerance-Test. Wir haben einen kompakten Fidgetspinner aus rotem eSUN PLA gedruckt. Nach 23 Minuten war das Modell mit absoluten Standardeinstellungen fertig. Der Drucker schafft aus dem Stand eine beeindruckende Toleranz von 0,10 Millimetern. Das bedeutet, das kleine Zahnrädchen lässt sich bei diesem minimalen Abstand noch drehen. Wir mussten zwar auf der Rückseite kurz mit einem Schlitzschraubenzieher ansetzen, um das Rädchen initial freizubrechen, danach lief es aber völlig flüssig.

Beim Multicolordruck mit dem IFS-System haben wir einen kleinen „Pascal“ (das Chamäleon aus Rapunzel) als Schlüsselanhänger für meine Töchter in drei Farben gedruckt. Die knappen sechs Zentimeter Länge des Modells benötigen bei 0,16 Millimetern Schichthöhe und vier Außenwänden quälend lange fünf Stunden. Das Ergebnis ist optisch eine glatte Eins. Allerdings zeigt sich hier der brutale Nachteil von Single-Nozzle-Systemen: Der ständige Farbwechsel im Hotend kostet massiv Zeit und produziert große Mengen an ausgeworfenem Purge-Müll.

Material-Grenzen des Flashforge AD5X

PETG verarbeitet die Maschine in Standardeinstellungen solide, wenn auch nicht fehlerfrei. Während ein Aufsatz für einen Besenstiel mit 25 Prozent kubischem Infill perfekt gedruckt wurde, hatten filigrane IKEA-Regalhalter bei den kleinen Steckpins teils leichte Blobs.

Richtig schmerzhaft wird es beim Thema TPU. Flashforge empfiehlt TPU 95A in den Specs explizit für den Einfarbdruck. Wir laden also getrocknetes SainSmart TPU und wollen einen verkleinerten Nerf-Ball im Single-Modus drucken. Nach einem Gestotter endet der Versuch in einem dicken Extruder Jam. Die Zahnräder haben sich festgefressen. Ähnlich zerstörerisch wirkt auch unser Versuch mit PETG-Carbonfaser. Das abrasives Material schmirgelt euch nicht die Edelstahldüse kaputt. Wir wagen es für einen kleinen Druck trotzdem einmal und werden prompt mit einem gecloggten Hotend bestraft.

Bambu Lab A1   TPU Spulenadapter

Das Schnellwechselsystem für die Düse ist genial, ein Tausch dauert Sekunden. Ist aber der Extruder selbst verstopft (wie bei unserem TPU-Versuch), müsst ihr ihn öffnen. Und genau hier kommt einer der blödesten Hardware-Fails ins Spiel!

Achtung: Beim AD5X auf die Revision achten!

Flashforge verkauft teilweise immer noch die erste Hardware-Revision. Dort kommt aus der Extrudereinheit ein super empfindliches, kurzes Flachbandkabel heraus und mündet in einem exotischen Mini-Stecker, der bei unserem Testexemplar wiederum komplett mit Kleber an der Druckkopfplatine zugebombt war. De facto ist dieser Mini-Stecker nur für das einmalige Einstecken im Werk konzipiert. Wir versuchen das auch noch sehr kurze Kabel für die Reinigung mit einer Pinzette abzuziehen. Das geht schief und wir haben nur noch das nackte Kabelende in der Hand. Da es das Kabel nicht als Ersatzteil gibt, müsst ihr den kompletten Extruder entsorgen. Ein absolutes No-Go in Sachen Reparierbarkeit!

AD5X Extruder Fail Kabel abgerissen

Wir haben mit viel Mühe und Not nach mehreren Stunden das Ganze durch viel Fummelarbeit wieder halbwegs hinbekommen. Wenn das für uns schon frustrierend war, dann für einen Laien noch umso mehr.

AD5X Extruder Fail Komplett Ausbau

Flashforge hat das Problem erkannt und glücklicherweise eine zweite Revision mit einem Kabel samt zwei normalen, robusten JST-Steckern herausgebracht. Unsere eindringliche Warnung: Wenn ihr diesen Drucker kauft, nehmt als allererstes das magnetische Druckkopf-Cover ab und leuchtet mit einer Taschenlampe hinein. Seht ihr das kurze Kabel quasi „nackt“ aus dem Extruder kommen und den verklebten Mini-Stecker ohne JST-Verbindung an der Platine, schickt das Gerät sofort zurück!

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Alltags-Macken: Touchscreen & Startroutine

Hat man die Revision-Lotterie gewonnen, bleiben ein paar kleine Eigenheiten. In Sachen Hardware ist ein teils träge reagierender Touchscreen zu erwähnen. Manchmal zieht das IFS-Multicolorsystem das Filament beim ersten Mal zudem nicht richtig ein, weshalb ihr den Ladeprozess am Touchscreen dann manuell erneut anstoßen müsst.

Display

Nicht wirklich nachvollziehbar ist die Startprozedur vor jedem einzelnen Druck. Die Maschine heizt das Hotend zunächst auf die Solltemperatur auf. Dann nimmt sie sich eine komplette Bedenkminute, nur um wieder auf 140 Grad abzukühlen. Erst dann startet das Auto-Leveling. Ein adaptives Mesh-Leveling, bei dem die Sonde nur den Bereich abtastet, in dem gleich gedruckt wird, fehlt völlig. Der Sensor fährt immer stur das komplette Bett ab.

Fazit: Warum kauft ihn jeder?

Der Flashforge AD5X ist der lebende Beweis, dass Hardware ohne vernünftige Software wertlos ist. Durch die kontinuierlichen Updates hat sich der Drucker von einem fehlerbehafteten Flop zu einem soliden, pfeilschnellen Einstieg in die Multicolor-Welt gemausert.

Erwischt ihr die veraltete Revision 1, raten wir strikt vom Kauf ab. Bekommt ihr jedoch die aktuelle Revision 2, könnt ihr zuschlagen. Wer das Heizbett immer fünf Grad wärmer einstellt, auf eine Einhausung verzichten kann und primär PLA oder Standard-PETG druckt, bekommt hier enorm viel Technik für sein Geld. Für TPU ist zumindest unser Testgerät aber nicht geeignet.

Gute Alternativen in dieser Preisklasse sind der Anycubic Kobra X, der zwar als klassischer Bettschubser arbeitet, aber ebenfalls vier Farben druckt. Wer direkt eine geschlossene CoreXY-Maschine sucht, sollte sich den etwas teureren Elegoo Centauri Carbon 2 genauer ansehen.

FAQ: Häufige Fragen zum Flashforge AD5X

🤔 Ist der Drucker für Anfänger geeignet?
Absolut. Der Aufbau in drei Schritten ist extrem anfängerfreundlich und die Software-Updates der letzten Monate haben die Bedienung stark vereinfacht. Für Multicolor-Drucke mit PLA ist er ein tolles Einstiegsgerät.

🔥 Kann ich ABS oder ASA drucken?
Out of the box leider nein. Dem Drucker fehlt die geschlossene Einhausung, wodurch diese Materialien zum Warping neigen. Zudem ist die verbaute Düse nicht für abrasive Materialien ausgelegt. Eine Einhausung lässt sich aber günstig nachrüsten.

🌈 Wie viel Müll produziert das IFS-System?
>Da der AD5X nur einen einzigen Druckkopf (Single-Nozzle) besitzt, muss die Düse bei jedem Farbwechsel gespült werden. Dadurch entsteht, je nach Komplexität des Modells, ein relativ großer Haufen an sogenanntem Purge-Müll.

Quellen / Genutzte Modelle:

  • Nerf-like Airless Vortex (Makerworld: #3104327)
  • 3D Benchy (Thingiverse: #763622)
  • All In One 3D Printer test (Thingiverse: #2806295)
  • Fidget Tolerance Test (Printables: #465850)
  • IKEA Shelf Holder (Makerworld: #2986631)
  • AD5X Poop Chute (Flashforge Wiki)
fb29a60f77ac49df8a6f522387a1c4fe Hier geht's zum Gadget

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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (1)

  • Profilbild von botze
    0 # 26.06.26 um 19:16

    botze

    Ich würde als gute/bessere Alternative noch den Creality Sparks i7 für 339€ nennen!

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