Zwei-Klassen-Internet: Wie dieser irre Huawei-Router Livestreamern heimlich VIP-Empfang verschafft
Mit dem Huawei Mobile WiFi X bringt man einen dedizierten 5G-Mobilrouter, der sich speziell an Livestreamer in überfüllten Umgebungen richtet. Durch eine Kooperation mit Netzbetreibern zielt das Gerät darauf ab, auf Messen oder Konzerten eine garantierte und stabile Internetverbindung bereitzustellen. Das Kernversprechen liegt hierbei in einer priorisierten Datenübertragung, die auch bei extrem hoher Netzauslastung nicht einbrechen soll. Kommt das Gerät auch nach Deutschland?
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5G-Slicing für garantierte Bandbreiten
Für die beworbene VIP-Behandlung bei der Datenübertragung greift man vermutlich auf sogenanntes 5G-Slicing zurück. Hierbei wird das Mobilfunknetz virtuell in mehrere Scheiben unterteilt, um bestimmten Anwendungen eine fest zugesicherte Bandbreite oder minimale Latenz zuzuweisen. In China kooperiert Huawei dafür direkt mit dem Provider China Mobile, um den Nutzern auf Großevents eine exklusive Fahrspur im Netz einzurichten. Dabei erreicht der Router laut Hersteller im Downlink durch dreifache Trägerbündelung bis zu 5,3 Gbps und im Uplink durch vier parallele Sendeantennen bis zu 1 Gbps.
Bei der Frage nach einer vergleichbaren Umsetzung in Deutschland stößt man allerdings schnell auf das Prinzip der Netzneutralität, welches vorschreibt, dass grundlegend alle Datenpakete im Internet gleichbehandelt werden müssen. Dennoch ist Network Slicing auch hierzulande durchaus ein Thema. Die Deutsche Telekom bietet mit der 5G+ Ultra Option einen Dienst an, der sich allerdings primär auf das 5G-Standalone-Netz und die sogenannte L4S-Technologie stützt. Dieser Service priorisiert aktuell dauerhaft niedrige Latenzen für Cloud-Gaming und Videotelefonie, anstatt pauschal dedizierte Upload-Bandbreiten für einzelne Router-Modelle zu verkaufen.
Faltbares Gehäuse mit 16 Antennen und OLED-Display
Im Inneren des 490 Gramm schweren und 188 x 85 x 24,8 mm großen Gehäuses im silbernen Design verbirgt sich ein massives Antennen-Setup. Insgesamt 16 Mobilfunkantennen, darunter sechs High-Gain-Varianten mit bis zu 6 dBi, sollen für einen durchgehenden Empfang sorgen. Auffällig ist der faltbare X-Mechanismus, der es erlaubt, das Gerät für eine direktere Ausrichtung zum Mobilfunkmasten aufzustellen. Die Konfiguration der Netzwerkparameter erfolgt dabei direkt am Gerät über ein 1,8 Zoll großes OLED-Display, was den ständigen Griff zur passenden Smartphone-App erspart.
Zur Verbindung lokaler Endgeräte funkt der Router mit Wi-Fi 6 (802.11a/b/g/n/ac/ax) auf den gängigen Bändern mit theoretisch bis zu 688 Mbps im 2,4 GHz-Netz und 2880 Mbps bei 5 GHz. Die Sicherheit wird durch aktuelle Standards wie WPA3-SAE gewährleistet. Physische Hardware wird über einen USB-C-Anschluss verbunden, während die Einwahl ins Mobilfunknetz über einen klassischen Nano-SIM Kartenslot abgewickelt wird.
Großer Akku für den mobilen Dauereinsatz und NFC-Kopplung
Strom liefert ein fest verbauter Akku mit einer Kapazität von 12000 mAh, der explizit für längere Einsätze auf Reisen oder beim Campen konzipiert wurde. Laut Herstellerangaben reicht das für bis zu 20 Stunden durchgehendes Streaming oder 24 Stunden reines Surfen. Geladen wird der Energiespeicher über den Port mit schnellen 66 Watt, wobei zehn Minuten an der Steckdose bereits für drei weitere Betriebsstunden ausreichen sollen.
Um die entstehende Abwärme abzuführen, verbaut Huawei ein duales Kühlsystem aus Graphen. Für einen schnellen Verbindungsaufbau steht zudem ein NFC-Modul bereit. Darüber können kompatible Android- und HarmonyOS-Smartphones durch einfaches Auflegen auf den Bildschirm mit dem drahtlosen Netzwerk gekoppelt werden.
Ein spezielles Werkzeug für eine sehr spitze Zielgruppe
Mit dem Huawei Mobile WiFi X liefert der Hersteller ein Gerät, das über die üblichen portablen Hotspots hinausgeht. Wer beruflich auf stark frequentierten Messen oder Konzerten streamt, ist in der Regel durchaus bereit, für eine stabile Internetverbindung in zusätzliches Equipment zu investieren. Genau diese Zielgruppe bedient das Gerät durch seine aufwendige Antennentechnik und den großen Akku. Abseits dieser sehr speziellen Nutzungsszenarien oder längeren Camping-Ausflügen fernab von Steckdosen dürfte der Router für den normalen Alltag jedoch schlichtweg überdimensioniert sein. Erstmal ist der Router vermutlich erstmal nur für China gedacht. In Deutschland würde erschwerend hinzukommen, dass man das volle Potenzial der dedizierten VIP-Netzpriorisierung aufgrund der hiesigen Regularien zur Netzneutralität wohl ohnehin nicht in dem Maße ausschöpfen kann, wie es in China vorgesehen ist. Dort ist er jetzt im Handel verfügbar und kostet 2499 Yuan (~311€).
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