Melo-D: Die erste „KI-Gitarre“ erschafft mit euch Musik und lernt mit euch Lieder
KI hält Einzug in immer mehr Lebensbereiche – auch in die Musik. Auf Kickstarter wird nun mit Melo-D ein Projekt finanziert, das von sich behauptet, die weltweit erste KI-Gitarre zu sein. Verändert sich die Art, wie wir lernen, zu musizieren?
- Melo-D
Kickstarter und Indiegogo sind keine Online-Marktplätze, sondern Crowdfunding-Plattformen. Dort können Privatpersonen neue Produkte finanziell unterstützen. Ein Anspruch auf das fertige Produkt besteht jedoch nicht, was die Beteiligung zu einem Risiko macht.
Inhalt
Gitarrendesign der Zukunft
Optisch sieht Melo-D aus wie eine Gitarre aus einem Science-Fiction-Film; vielleicht auch ein bisschen ein Mix aus Cyberpunk und Guitar Hero. Die Gitarre hat keine Saiten, stattdessen gibt es auf dem Griffbrett Felder, mit denen mit nur einem Tastendruck ganze Akkorde gespielt werden können. Die Saiten sind aber nachgebildet in Form von sechs Lamellen, die mit der rechten Hand angeschlagen werden können.
LEDs in den Lamellen und am Griffbrett können in verschiedene Farben leuchten und sollen dabei unterstützen, die richtigen Töne zur richtigen Zeit zu treffen. Am Übergang zwischen Hals und Korpus befindet sich außerdem ein ausklappbarer Touchscreen. Hierüber findet die Bedienung der Gitarre statt, es lassen sich Einstellungen vornehmen und beim Spielen können hier ebenfalls Hilfen angezeigt werden.
Melo-D wiegt 2,2 kg und kommt auf eine Länge von 894,5 mm, kann aber zusammengeklappt und damit einfacher transportiert und verstaut werden.
Jedes Lied auf der Gitarre lernen
Laut Beschreibung der Kampagnenseite ist das Ziel, mit Melo-D leichter zu lernen, bestimmte Lieder zu spielen, und mithilfe von KI auch eigene Musik zu erschaffen.
Beim Lernen einzelner Titel sieht das so aus, dass zunächst über das Display das gewünschte Lied ausgewählt wird. Das Display und die LEDs am Griffbrett zeigen dann an, welche Tasten man wann drücken muss. Zusätzlich müssen für jeden Akkord entweder die „Saiten“ oder eines der beiden „Pick Pads“ angeschlagen werden. Für Beginner kann man sich dabei auf 7 Akkorde beschränken, später kann man dann auf bis zu 21 Akkorde erhöhen.
Hier stellen wir jetzt aber mal provokativ die Frage, ob das noch Musizieren im klassischen Sinne ist. Der Hersteller zieht den Vergleich mit Guitar Hero sogar selbst, und mehr als alles andere fühle ich michpersönlich hier an das Party-Spiel erinnert. Und so sehr ich mich wie ein Rockstar gefühlt habe, als ich Sultans of Swing in Guitar Hero 5 irgendwann zur Perfektion spielen konnte, ich hätte niemals von mir behauptet, dabei wirklich ein Instrument zu spielen und „Musik zu machen“.
Kann man das Gelernte dann irgendwie auf eine echte Gitarre übertragen? Die Frage ist ernst gemeint; als jemand, der kein Instrument spielt, fehlt mir dafür ein bisschen die Vorstellungskraft. Allem Anschein nach kann man die Melo-D ja wie ein echtes Instrument spielen; der Vorstellung ihrer Schöpfer nach stellt man sich dann einfach damit auf die Bühne. Wenn man aber nichts anderes macht, als rhythmisch ein paar Tasten zu drücken, ist es dann etwas anderes, als einfach ein Soundboard vor sich stehen zu haben? Was ja auch legitim ist, aber warum das ganze dann als Gitarre maskieren?
Eigene Musik ganz einfach erschaffen?
Der andere, große Punkt, mit dem man hier wirbt, ist das Erschaffen von Musik mithilfe von KI. Zusammen mit der zugehörigen App Melo-D Guitar (die für das normale Spielen optional ist) hat man hier verschiedene Möglichkeiten. So kann man einfach Melodien vor summen, die per KI dann in ein fertiges Gitarren-Solo umgewandelt werden, das man dann wiederum mit LED-Anleitung nachspielen kann.
Per „AI Jam“ kann man sich auch ohne App Melodien in verschiedenen, zur Auswahl stehenden Musikrichtungen vorgeben lassen und die mit weiteren Modifikatoren (klassisch oder modern; electric oder accoustic) zu fertigen Liedern kombinieren. Das soll sich weniger danach anfühlen „Musik von Grund auf zu erschaffen“ und mehr wie eine Jam Session.
In Verbindung mit dem KI-Tool TemPolor lassen sich ganze Lieder erstellen und mit der Gitarre nachspielen. Man verspricht eine ganz neue, kreative Erfahrung.
Auch das schafft natürlich Platz für Kritik. Sobald mit KI Musik – und damit Kunst – erstellt wird, kommt die Frage danach auf, ob Worte wie „Kreativität“ oder „Erschaffen“ hier überhaupt angebracht sind. Dass die Gitarre einfach ein paar Melodien zusammensampelt, die man als Grundlage zum Ausprobieren nimmt und sein eigenes Lied macht, ist als Konzept ja nicht neu. Anders sieht es aus, wenn die KI (hier in Form der TemPolor-App) ganze Lieder erschafft. Das hat dann nicht mehr viel mit Kreativität zu tun? Oder doch? Und selbst, wenn nicht, ist das schlimm? Wir haben keine endgültige Antwort, aber richten die Frage auch an euch. Diskutiert sie gerne in den Kommentaren.
Liegt die Zukunft der Musik in der KI?
Die Melo-D-Gitarre ist auf den ersten Blick auch erst mal nichts anderes, als ein weiterer Versuch, den anhaltenden KI-Hype in eine praktische Form zu pressen. Der Grundgedanke ist dabei auch nachvollziehbar. Viele würden gerne ein Instrument spielen, haben es aber nie gelernt, und wenn ein solches Hilfsinstrument diesen Nachteil ausbügeln kann, warum nicht?
Manch einer wird aber vielleicht auch sagen, dann kann man auch Guitar Hero nochmal vom Dachboden holen oder gleich einfach eine CD einlegen und auf Play drücken, denn vergleichbar mit dem Aufwand, eine echte Gitarre zu spielen, ist die Melo-D nicht. Und der Einsatz von KI in der Musik ist ein nochmal größeres Thema, bei dem man dann auch nicht um suno.ai herum kommt, das aktuell namhafteste KI-Tool zur Musikerstellung. Das sprengt hier aber den Rahmen und es wäre auch unfair, die Schuld am potentiellen Untergang der Musikindustrie alleine diesem Kickstarter-Projekt aufzubürden.
Wer sich wirklich dafür interessiert, kann die Melo-D-Kampagne jedenfalls ab einem Beitrag von ca. 350€ unterstützen, um eine der Gitarren zu erhalten. Die Produktion soll im Juni starten; versendet werden die fertigen Geräte dann ab September 2026.
Unabhängig davon, ob die Kampagne ein Erfolg wird oder nicht, wird Melo-D aber sicher nicht das einzige „KI-Instrument“ bleiben. Ob die Welt bereit ist für mehr personalisierte KI-Musik werden wir in den nächsten Jahren erleben.
- Quelle
Wenn du über einen Link auf dieser Seite ein Produkt kaufst, erhalten wir oftmals eine kleine Provision als Vergütung. Für dich entstehen dabei keinerlei Mehrkosten und dir bleibt frei wo du bestellst. Diese Provisionen haben in keinem Fall Auswirkung auf unsere Beiträge. Zu den Partnerprogrammen und Partnerschaften gehört unter anderem eBay und das Amazon PartnerNet. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.








Kommentar schreiben