Nothing gliedert CMF aus: Budget-Marke wird eigene Firma in Indien
Der Nothing-Gründer Carl Pei baut sein Projekt radikal um und gliedert die bisherige Budget-Untermarke CMF komplett aus Nothing aus. Statt weiterhin aus dem Hauptquartier in London gesteuert zu werden, soll sich die neue Firma direkt in Indien ansiedeln und als eigenständiges Unternehmen agieren. Die Gründe dafür klingen im Statement logisch, die Motivation könnte aber auch woanders liegen.
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Neuer Hauptsitz in Indien und eigene Entwicklung vor Ort
Die Entscheidung markiert einen echten Umbruch. CMF wird nicht mehr nur eine Produktlinie innerhalb von Nothing sein, sondern ein eigenes Unternehmen mit eigenem Team und lokaler Forschung und Entwicklung (R&D). Die Mehrheit der Anteile soll künftig bei indischen Investoren liegen, während Nothing selbst weiterhin als Anteilseigner und enger Partner an Bord bleibt. Damit wandern auch Kernbestandteile wie das bewährte Nothing OS, das industrielle Design und bestehende Zuliefererbeziehungen in das neue Konstrukt.
In seinem Statement begründet Carl Pei diesen Schritt vor allem mit dem enormen Potenzial des Landes. Er zieht dabei Parallelen zum Aufstieg Chinas, den er über Jahre hinweg selbst vor Ort als Gründer von OnePlus miterlebt hat. Indien ist mittlerweile der zweitgrößte Smartphone-Fertiger der Welt und besitzt eine riesige, technikbegeisterte junge Bevölkerung. Pei argumentiert, dass das Land bisher keine eigene globale Tech-Marke hervorgebracht hat und man genau diese Lücke nun schließen möchte. Mit seiner Einschätzung zum Markt hat er sicherlich nicht ganz unrecht, denn dort liegt riesiges Potenzial.
Der Indien-Fokus zeichnete sich schon länger ab
Ganz überraschend kommt die regionale Ausrichtung eigentlich nicht, denn dort befindet sich wohl ohnehin schon der Großteil der bisherigen CMF-Kundschaft. Im zweiten Quartal 2026 konnte Nothing dort ein massives Wachstum von 105 Prozent im Jahresvergleich hinlegen, auch wenn das noch auf einer vergleichsweise kleinen Basis passierte.
Schaut man sich die bisherigen Produkte an, waren viele Entscheidungen bereits voll auf den indischen Markt zugeschnitten. Bestes Beispiel dafür war das erste CMF Phone 1, bei dem man damals schlicht auf einen NFC-Chip verzichtet hat. Was hierzulande für Stirnrunzeln sorgte, war für den Zielmarkt Indien völlig nebensächlich, weil mobiles Bezahlen dort primär über QR-Codes abgewickelt wird. Die Marke war also im Grunde schon immer mit einem Bein dort zu Hause.
Steigende Speicherpreise zwingen Nothing zum Umdenken
Es könnten aber auch andere Gründe hier mitspielen, denn bei Nothing kriselt es aktuell. Die gesamte Branche leidet unter drastisch gestiegenen Speicherpreisen, was besonders Hersteller im günstigen Preissegment brutal trifft. Ein kleineres und jüngeres Unternehmen wie Nothing kann solche Kostenexplosionen bei Weitem nicht so leicht abfedern wie Tech-Giganten vom Schlage eines Apple oder Xiaomi.
Erst vor Kurzem machten Berichte über einen drastischen Stellenabbau von bis zu 40 Prozent die Runde, während ein Nachfolger für das CMF Phone für das Jahr 2026 wegen der Bauteilpreise bereits offiziell gestrichen wurde. Wenn man diese Puzzleteile zusammensetzt, ergibt der Schritt plötzlich noch ganz anderen Sinn. Für Nothing ist es eine enorme Entlastung, eine Submarke von der eigenen Bilanz zu trennen und sich voll auf die Kernmarke zu konzentrieren.
Der Start eines Aufstiegs oder Befreiungsschlag aus der Not?
Der Schritt ist extrem spannend, wirft aber im gleichen Atemzug verdammt viele Fragen auf. Strategisch ist der Schachzug durchaus schlau, denn Nothing lagert das finanzielle Risiko im hart umkämpften Budget-Segment aus und behält trotzdem einen Fuß in der Tür. Für das Hauptunternehmen bedeutet das dringend benötigte Luft zum Atmen, um nicht unter den Speicherpreisen einzubrechen.
Allerdings gibt es noch riesige Lücken im Puzzle. Bisher ist weder bekannt, wann die Abspaltung genau abgeschlossen sein soll, noch wer die indischen Mehrheitseigner überhaupt sind. Was mich aber am meisten beschäftigt: Zieht sich CMF damit künftig komplett aus dem europäischen Markt zurück, um sich vorerst nur noch auf Indien zu fokussieren? Sollte das passieren, würde hierzulande eine durchaus erfrischende Budget-Marke wegfallen. Wenn man aber wirklich ein Global-Player im Tech-Bereich werden will, wird man auch am europäischen Markt vertreten sein wollen. Hier ist halt nur die Frage, ob das ein Teil der Strategie in der Gegenwart oder Zukunft ist.
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