Test

Qidi Plus5 im Test: Ist dieser 38-Kilo-Koloss Qidis Krönung der Plus-Reihe?

Qidi-Plus5-Test-Aufmacher

Wer 38 Kilogramm auf den Prüftisch hieven muss (am besten zu zweit!), weiß sofort: Hier steht kein Spielzeug. Qidi hat sich in der 3D-Druck-Community längst als Spezialist für technische Filamente (ABS, PC, Nylon) etabliert. Mit dem neuen Qidi Plus5 bringt der Hersteller nun einen eingehausten CoreXY-Drucker auf den Markt, der mit 320 x 320 x 300 mm Bauraum, einer aktiven 65-Grad-Heizkammer und spezieller Extruder-Kühlung glänzen will. Wir haben die Standalone-Version (ohne das Multicolor-System „Qidi Box“) intensiv getestet.

Kurzfazit zum Qidi Plus5

Der Qidi Plus5 ist eine Maschine für technische Kunststoffe. Er liefert bei PETG-CF hervorragende Ergebnisse und punktet endlich auch mit adaptivem Mesh-Leveling. Die Hardware-Basis (Linearschienen, breite Riemen) ist extrem robust. Die Euphorie verfliegt jedoch bei Patzern im Detail: Das Druckbett weicht bis zu 17 Grad von der eingestellten Temperatur ab, was bei großen ASA-Drucken unweigerlich zu Warping führt. Andererseits haftet die PEI-Platte ab Werk viel zu stark und PLA-Drucke gelingen nur bei offenem Deckel. Wer ausschließlich ABS/PC druckt, kann hier einen Blick riskieren– wer überwiegend PLA druckt, sollte sich woanders umsehen.

  • Hervorragende Druckqualität bei technischen Filamenten (PETG-CF)
  • Aktive 65°C-Bauraumheizung inkl. 3-Stufen-Abluftfilter
  • Robustes CoreXY-Setup (Linearschienen, 9 mm 1.5GT-Riemen)
  • Adaptives Mesh-Leveling spart massiv Zeit
  • Schicke, übersichtliche neue Touchscreen-UI
  • Extreme Temperatur-Abweichungen am Druckbett (bis zu 17°C!)
  • Zu starke Druckbett-Haftung ab Werk (Z-Offset manuell korrigieren)
  • PLA-Drucke sehen bei geschlossenem Deckel „matschig“ aus
  • Hoher Stromverbrauch (durchschnittlich 201W bei PLA)
  • Auto-Leveling-Prozess insgesamt verhältnismäßig langsam

Technisches: Der Qidi Plus5 im Spec-Sheet

FeatureQidi Plus5
Bauraum320 x 320 x 300 mm
MechanikCoreXY, Linearschiene (X), 9 mm 1.5GT-Riemen
DruckgeschwindigkeitBis zu 600 mm/s (max. 20.000 mm/s² Beschleunigung)
Hotend & ExtruderBimetall-Düse (bis 370 °C), Direct Drive
DruckbettMagnetische PEI-Platte (bis 120 °C)
BauraumheizungAktiv, bis zu 65 °C
Kühlung & FilterSeparate Hotend-Kühlung, 3-in-1-Luftfilter (G3, HEPA, Aktivkohle)
Smarte ErkennungSpaghetti-Fehler, Filament-Auslauf, Verhedderung (mit Qidi Box)
Stromverbrauch & LautstärkeØ 201,8W bei PLA / Ø 60 dB
Maße & Gewicht500 x 488 x 558 mm / 29 kg (Netto)

Unboxing & Design: Ein 38-Kilo-Koloss in Anthrazit

Qidi bleibt seiner wuchtigen, mittlerweile recht hochwertigen Designsprache inklusive schwerem Glasdeckel treu, verabschiedet sich aber vom hellen Aluminium-Look und setzt beim Plus5 auf ein edles Anthrazit. Der Drucker kommt fast vollständig montiert.

Im Lieferumfang unserer Standalone-Version (also ohne Multicolor-System) finden wir eine Zubehör-Box mit Schaber, LAN-Kabel, Kaltgerätestecker, USB-Stick, Werkzeug und – neu bei Qidi – einer Ersatz-Glas-Sicherung.

Der Aufbau beschränkt sich auf das Lösen von Kabelclips und Schaumstoff. Auf der Rückseite bringt man noch den Filamenthalter samt spezieller PTFE-Schlauchverlängerung (für den Einzelrollenbetrieb) an und entfernt zwei rote Gummi-Sicherungen an den Z-Spindeln. Nach dem Lösen der Transport-Schrauben am Druckbett führt euch die Software durch den Einrichtungsprozess. Nach gut 20 Minuten ist die Maschine einsatzbereit.

Software & Einrichtung: Schicke UI trifft auf langsames Leveling

Beim 4-Zoll-Touchscreen hat Qidi ordentlich nachgebessert. Die Benutzeroberfläche sieht modern aus und glänzt mit toll bebilderten Anleitungen (etwa zum Entfernen der Transportsicherungen).

Das düsenbasierte Auto-Leveling arbeitet im direkten Vergleich zur Bambu-Lab-Konkurrenz jedoch verhältnismäßig langsam. Ein Highlight ist dafür das neue adaptive Meshbed-Leveling, das Qidi nun endlich ab Werk liefert: Der Drucker tastet vor dem Start wirklich nur noch den Bereich ab, auf dem das Bauteil tatsächlich gedruckt wird. Das spart im Alltag enorm viel Zeit!

Strom, Lautstärke, Wärmeverteilung & Bling-Bling

Die neu verbaute LED-Statusleiste am Druckbett ist ein cooler Eyecatcher, der euch schon von Weitem anzeigt, ob der Drucker aufheizt oder druckt. Auch hier lässt man sich von der Konkurrenz „inspirieren“.

Etwas großzügiger ist der Stromverbrauch: Bei einem PLA-Druck zieht der Plus5 durchschnittlich 201,8 Watt aus der Steckdose – das ist für CoreXY-Drucker etwas gehobener. Die Lautstärke bleibt mit durchschnittlich 61 Dezibel im absolut erträglichen Rahmen.

Qidi bewirbt ein „gleichmäßig beheiztes“ Druckbett bis 120 Grad Celsius. Beim Plus4 hat man hier noch überzeugen können. Unsere Messungen nach 15 Minuten zeigen beim Plus5 leider ein völlig anderes Bild. Bereits bei eingestellten 60 °C messen wir Abweichungen von satten 8,6 Grad zur Soll-Temperatur. Richtig offenkundig wird diese Diskrepanz dann aber bei höheren Werten: Stellen wir 90 °C ein, weicht die reale Oberflächentemperatur um bis zu 17 °C ab. Genau diese ungleichmäßige Hitzeverteilung erklärt damit höchstwahrscheinlich auch unser Warping-Problem im späteren großflächigen ASA-Testdruck (siehe weiter unten).

Qidi Plus5 Test Waerme

Druckbett-Haftung: Wenn Schaben zur Pflicht wird

Ein weiteres Problem begleitet uns bei Qidi-Druckern leider schon länger: Die strukturierte PEI-Platte haftet ab Werk viel zu stark. Egal ob PLA oder ASA, wir brauchten bei jedem Druck zwingend den Schaber, was unschöne weiße Schlieren auf der Bauteil-Unterseite hinterlässt. Die Lösung: Ihr müsst den Z-Offset am Touchscreen manuell um einen Hauch nach oben korrigieren. Bitte, Qidi, so etwas muss doch langsam mal behoben werden.

Qidi Plus5 Test Druckbetthaftung

PLA-Druck: Der Deckel gehört zwingend nach hinten geschoben

Bisher konnte man bei Qidi PLA-Drucke (sofern sie nicht stundenlang liefen) problemlos bei geschlossenem Gehäuse drucken. Beim Plus5 hat Qidi auf unsere Nachfrage hin die thermische Isolierung des Gehäuses jedoch so stark verbessert, dass unser erstes PLA-Benchy (Bambu PLA Basic, frische Rolle) bei geschlossener Tür förmlich „matschig“ aussah.

Qidi Plus5 Test Deckel schieben 1

Erst als wir den schweren Glasdeckel nach hinten schoben, gelangen PLA-Drucke. Das Benchy zeigte eine recht präsente Hull-Linie und etwas unsaubere Stellen am Bug, war insgesamt aber okay.

Der klassische Toleranztest (23 Minuten) schnitt strukturell besser ab: Die Maschine erreichte auf Anhieb sehr starke 0,15 mm Toleranzabstand. Dennoch wirkte die Oberflächenqualität bei diesem Test nur mäßig.

Technische Filamente: Weiterhin Paradedisziplin, aber…

Seine Muskeln spielt der Plus5 erst aus, wenn es an die harten Materialien geht. Die aktive Bauraumheizung leistet 550 Watt und hält die geschlossene Kammer auf konstanten 65 Grad. Damit der Extruder dabei nicht verstopft (Heat Creep), fungiert ein separater Lüfter als „Klimaanlage“ für den Druckkopf.

Qidi Plus5 Test Ansicht Front

Wir haben Komponenten für eine selbst konstruierte QI-Ladestation aus Bambu Lab PETG-CF (zuvor 24h getrocknet) gedruckt. Das Ergebnis nach sechs Stunden war Qidi-typisch sehr gut. Bis auf kleine Imperfektionen bei der Darstellung des QI-Ladezeichens (was sich durch ein anderes Oberflächenmuster im Slicer leicht beheben lässt) liefert der Qidi hier ab. Die Gerüche werden dabei effektiv vom dreistufigen Filtersystem auf der Rückseite abgefangen.

Ernüchterung folgte beim Test mit ASA von Material4Print. Wir haben einen Auto-Mülleimer samt Deckel (via MakerWorld) gedruckt. Zwar war die äußere Oberfläche fantastisch, an den unteren Stirnseiten zeigte sich jedoch deutliches Warping – die logische Konsequenz der viel zu hohen Temperaturabweichungen des Druckbetts.

Fazit: Ein Dämpfer für den Spezialisten

War der Vorgänger (Qidi Plus4) für uns noch eine absolute Offenbarung, hinterlässt der Qidi Plus5 im Test einen äußerst ambivalenten Eindruck. Ja, das robuste Gerät verarbeitet technische Kunststoffe wie PETG-CF weiterhin auf sehr hohem Niveau. Die aktive Bauraumheizung und die neuen Riemen sind starke Upgrades.

Doch die massiven Temperaturabweichungen des Druckbetts sind für einen ausgewiesenen Spezialisten für technische Filamente ein Dorn im Auge und führen bei großflächigem ASA zu Warping. Kombiniert mit der viel zu starken Druckbetthaftung ab Werk und der durchwachsenen PLA-Performance bei geschlossenem Deckel, verpasst der Plus5 eine Top-Note.

Wer zwingend extrem starke technische Bauteile drucken will, findet hier ein kraftvolles Arbeitstier – muss aber bereit sein, manuell nachzujustieren (Z-Offset!). Wer hingegen ohnehin zu 90 Prozent PLA oder normales PETG druckt, greift besser zu unkomplizierteren Alternativen wie dem Vorgänger-Modell.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Qidi Plus5

🔌 Kann ich PLA bei geschlossenem Gehäuse drucken?
Nein, das empfehlen wir beim Plus5 ausdrücklich nicht. Die thermische Isolierung ist so gut, dass sich die Hitze staut. Das Filament wird im Druckkopf zu früh weich (Heat Creep) und die Bauteile sehen matschig aus. Schiebt bei PLA zwingend den Deckel ein Stück nach hinten!

🛠️ Lässt sich der Plus5 mit einem Multicolor-System aufrüsten?
Ja. Der Plus5 ist voll kompatibel mit der „Qidi Box“. Ihr könnt das System für den Mehrfarbdruck auch im Nachhinein erwerben und per Kabel an den Drucker anschließen. Die Einzelrollen-PTFE-Verlängerung auf der Rückseite wird dann getauscht.

🧲 Warum lassen sich meine Drucke nicht von der PEI-Platte lösen?
Qidi kalibriert den Drucker ab Werk oft so, dass die Düse beim ersten Layer extrem nah auf das Druckbett presst. Geht in die Einstellungen am Touchscreen und setzt den „Z-Offset“ manuell ein winziges Stück nach oben, um die extreme Haftung und weiße Schlieren zu vermeiden.

Quellen:

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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (4)

  • Profilbild von Print Tainer
    0 # 06.08.26 um 02:39

    Print Tainer

    Schön wie ihr aus der Werbung ableiten könnt wie gut der Drucker ist. Ich teste seit über 7 Jahren 3D Drucker für einen Tech Blog und kann mir diese Werbung echt nicht mehr rein ziehen. Es gibt so viele schlechte oder mangelhafte Geräte da draußen… Hauptsache ihr bewertet die immer gut. Die User werden es euch danken!

  • Profilbild von poppulus
    0 # 05.08.26 um 22:10

    poppulus Hobby-Bastler

    Noch nutze ich den Eufy (ehemals Ankermake) M5C. Mich reizt es, auf einen geschlossenen Bauraum zu wechseln und auch die belastbareren (technischen) Filamente drucken zu können. Wo ich mir noch nicht sicher bin: Bambu oder Qidi? Den offensichtlichen Unterschied (einfache Nutzung vs. Preis/Leistung) kenne ich. Wie sieht es mit Langzeit Erfahrungen bei Qidi aus? Hält die Hardware auch in ein paar Jahren noch?

    • Profilbild von Bobo
      0 # 07.08.26 um 19:10

      Bobo

      Bin sehr zufrieden mit meinem Plus 4, bis auf fetten/ölen noch nix machen müssen! Der qidi Support ist klasse, was Ersatzteile und Hilfe angeht! Das einzige was ich wechseln musste, war die build plate, die von qidi ist schrecklich schlecht bei der Haftung.

  • Profilbild von FloZ
    0 # 05.08.26 um 15:53

    FloZ

    Wo gibts denn den einführungspreis? Ich bekomme ihn auf der QIDI Seite für 699.

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