Kickstarter zieht den Stecker: Aus für die 300-Watt-Solar-Powerbank „Solly“
Die Kampagne für Solly, die Powerbank mit Solarmodul, die gleichzeitig Charger für die Steckdose sein wollte, wurde von Kickstarter suspendiert. Eine Begründung dafür gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, es gab allerdings Vorzeichen, die über die letzten Wochen viele Unterstützer der Kampagne skeptisch werden ließen.
So wurde von Vielen angezweifelt, ob die versprochene Leistung und Ladegeschwindigkeit in einem Gerät dieser Größe überhaupt realistisch sei. Von Seiten der Kampagnenbetreiber wurden immer wieder Demonstrationen der Hardware versprochen, diese wurden aber nie nachgereicht. Am Auslieferungstermin im August 2026 hielt man fest, obwohl laut eigener Aussage wenige Wochen vor diesem Termin nicht einmal die Produktion der Akkus final geklärt war. Zudem wurden viele kritische Kommentare auch einfach gelöscht, was der Hersteller aber damit begründete, dass es sich um Spam handle. Eine Lösung für den fragwürdigen EU-Stecker, den auch wir von Anfang an kritisiert hatten, lieferte man trotz mehrfacher Nachfragen ebenfalls nicht.
Die Warnzeichen waren also da, nun zieht Kickstarter Konsequenzen, auch wenn die genauen Gründe nicht bekannt sind. Obwohl über 3000 Unterstützer über 400.000 Euro für das Projekt zusammengetragen haben, stoppt man die Kampagne. Unterstützer können ihr Geld zurückerstattet bekommen.
Es war ein ambitioniertes Projekt, das von Anfang an skeptisch beäugt worden war. Nun dient es auch als Erinnerung, dass man bei Crowdfunding-Kampagnen eben kein fertiges Produkt kauft, sondern in ein Konzept investiert, das dann hoffentlich erfolgreich ist – in Fällen wie diesem aber auch mal nicht.
Die Powerbank mit dem Namen Solly bietet 300 Watt Ausgangsleistung, kann dabei aber per Sonnenenergie aufgeladen werden und lässt sich dank ausklappbarem Stecker auch in die Steckdose stecken. Klingt nach einem rundum praktischen Gadget, oder gibt es da einen Haken?
- Solly 300 Watt Powerbank
- bei Kickstarter
Kickstarter und Indiegogo sind keine Online-Marktplätze, sondern Crowdfunding-Plattformen. Dort können Privatpersonen neue Produkte finanziell unterstützen. Ein Anspruch auf das fertige Produkt besteht jedoch nicht, was die Beteiligung zu einem Risiko macht.
Solarpowerbank mit Netzstecker
Eines der Dinge, für die Kickstarterprojekte bekannt sind, sind „2-in-1-Gadgets“. Wenn man schon nichts Neues erfinden kann, kann man immer noch zwei (oder mehr) existierende Produkte zusammenpacken und damit als Weltneuheit präsentieren. Manchmal gelingen damit sogar ein paar echt praktische Highlights, oft ist der Nutzen aber eher beschränkt.
Eine Powerbank per Solarenergie aufzuladen ist dabei erst mal eine tolle Sache, in der Praxis scheitert das aber an der extrem langsamen Ladegeschwindigkeit bei einem so kleinen Panel. Der Hersteller gibt hier gar nicht erst einen Wert an, sondern spricht nur von einem „Notfall-Boost“. Das ist immerhin ehrlich; mehr als ein paar Minuten mehr Ladezeit wird man selbst bei durchgehende Sonnenbestrahlung nicht gewinnen.
Die Kapazität wird dabei mit 20.000 mAh angegeben und ist damit für die meisten Fluglinien in der Regel zugelassen. Zwei USB-C-Ausgänge liefern jeweils bis zu 140 Watt Ladeleistung und können auch gleichzeitig genutzt werden. Die 300 Watt setzen sich zusammen aus den beiden USB-C-Ausgängen und einem 20-Watt-USB-A-Ausgang. Das sorgt für eine potentiell hohe Ladegeschwindigkeit, zieht den Akku aber auch entsprechend schnell leer. Hier kommt nun eine weitere Funktion ins Spiel, durch die sich Solly von anderen Powerbanks abheben will.
Wie passt das in die Steckdose?
In die Powerbank integriert ist nämlich ein ausklappbarer Stecker für die Steckdose. In der Standardversion handelt es sich dabei um einen US-Stecker; Varianten mit UK- und EU-Stecker werden aber angeboten. So wird aus der Powerbank ein Ladegerät für die Steckdose. Das Laden auf diese Weise hat den positiven Nebeneffekt, dass natürlich auch der Akku der Powerbank gleichzeitig geladen wird, sofern nicht der komplett Strom sofort verbraucht wird.
Wer bei der Ansicht des Bildes des EU-Steckers nun stutzig geworden ist, dem geht es da wie uns. Dass der nämlich in eine Deutsche Schuko-Steckdose passt, darf zurecht bezweifelt werden. Anders als die meisten Anschlüsse mit amerikanischem Stecker, die in der Regel flach sind, sitzen die deutschen/europäischen Anschlüsse tiefer.
Die Frage danach stellen auch einige Interessierte im Kommentarbereich der Kampagne. Der Hersteller antwortet darauf, man habe das Design gut durchdacht und der Stecker sei problemlos mit Schuko-Steckdosen kompatibel, würde aber rund 40 Gramm schwerer ausfallen als die US-Version. Da der Charger selbst aber ja unmöglich in die Steckdose passt, sind eigentlich nur zwei Optionen möglich: Entweder ist das Design entgegen der gezeigten Bilder und Aussagen des Kampagnenbetreibers ein anderes, oder aber es handelt sich um sehr lange und damit teilweise offen liegende Pins.
So sehr wir neugierig sind, zu sehen, wie die EU-Version in der Realität aussieht, so sehr müssen wir an dieser Stelle jedem abraten, sie zu bestellen, solange es hier nicht Klarheit gibt.
Praktischer Charger – nur nicht für Europa?
Vom offensichtlichen Problem mit dem EU-Stecker mal abgesehen handelt es sich um ein mindestens interessantes Produkt. Die Powerbank direkt in die Steckdose stecken zu können, spart ein extra Kabel; die Solarpanels sind ein nettes Extra und verschaffen Solly auch ein einzigartiges Äußeres und selbst der Preis ist angesichts des Funktionsumfangs und der Ladeleistung vertretbar.
Letzteres gilt aber auch nur, wenn man wirklich Verwendung dafür hat, zwei 140-Watt-USB-C-Slots gleichzeitig benutzen zu können. Und natürlich auch nur dann, wenn man die Steckdose nutzen kann, was für EU-Stecker wie erwähnt fraglich ist. Falls ihr eine Idee habt, wie eine Lösung für den EU-Stecker hier aussehen könnte, schreibt sie gerne in die Kommentare.
Verschickt werden die Powerbanks laut Kampagneninformation ab August 2026. Wer schon vorher eine 140-Watt-Powerbank benötigt, findet günstigere Modelle als dieses hier auch einfach auf Amazon.
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Kommentare (13)