News

Thingiverse verkauft – MyMiniFactory übernimmt: Das Ende kostenloser 3D-Modelle?

Es ist ein Paukenschlag in der 3D-Druck-Welt: Thingiverse, die wohl größte und älteste Plattform für kostenlose 3D-Modelle, wurde verkauft. Der neue Eigentümer ist MyMiniFactory, bekannt für seinen Fokus auf Bezahl-Modelle („Paid STL“) und Tabletop-Miniaturen. Zwar betont man, dass bestehende kostenlose Inhalte vorerst kostenlos bleiben, doch die Marschrichtung ist klar: Thingiverse soll profitabel werden. Gleichzeitig bläst der neue Eigentümer zum Kampf gegen KI-generierte Inhalte. Wir ordnen ein, was das für Maker und Creator bedeutet.

thingiverse uebernahme aufmacher

MyMiniFactory übernimmt das Ruder

Bisher gehörte Thingiverse zu Ultimaker (ursprünglich zu MakerBot, wobei das Unternehmen mit Ultimaker fusionierte). Die Plattform galt oft als das „ungeliebte Stiefkind“, das zwar riesigen Traffic hatte, aber technisch vernachlässigt wurde. MyMiniFactory hat nun 100% von Thingiverse übernommen. MyMiniFactory-CEO Romain Kidd macht keinen Hehl daraus, dass man das Geschäftsmodell, das MyMiniFactory erfolgreich gemacht hat, nun auch auf Thingiverse übertragen will.

Thingiverse Logo

Konkret heißt das: Der Fokus verschiebt sich von „alles kostenlos für alle“ hin zu einer Plattform, auf der Creator Geld verdienen sollen. MyMiniFactory hat nach eigenen Angaben bereits über 100 Millionen Dollar an Designer ausgeschüttet. Dieses Modell soll nun die Zukunft von Thingiverse sichern.

Thingiverse Plattform

„SoulCrafted“: Der Kampf gegen die KI

Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist die sogenannte „SoulCrafted“-Initiative. Dahinter verbirgt sich eine strikte Anti-KI-Haltung. MyMiniFactory will Inhalte, die von Menschen mit „Seele“ und Handwerk geschaffen wurden, schützen und KI-generierte Massenware („Seelenlose Inhalte“) von der Plattform verbannen.

thingiverse blog hero

Offiziell dient dies dem Schutz der Urheberrechte und der Qualität. Designs sollen ein Label erhalten, das menschliche Schöpfung garantiert. Kritiker könnten hier aber auch einen geschickten Marketing-Schachzug vermuten, um sich von Plattformen wie MakerWorld oder Printables abzugrenzen, die KI-Tools teils offener gegenüberstehen.

Was ändert sich für Nutzer?

Kurzfristig: Nichts. Die Webseite bleibt online, bestehende kostenlose Modelle bleiben laut Ankündigung („Free models will remain free“) kostenlos. Es soll keine Paywall für alte Inhalte geben.
Langfristig: Es weht ein neuer Wind. Wir dürfen erwarten, dass neue, hochwertige Modelle vermehrt Geld kosten werden („Store-System“). Zudem dürfte die Moderation strikter werden, was KI-Inhalte angeht. Wer bisher Thingiverse als die „Alles-Umsonst-Halde“ genutzt hat, muss sich wohl umgewöhnen.

Thingiverse: Rettung oder Untergang?

Die Übernahme empfinden wir als ambivalent. Einerseits hat Thingiverse endlich einen Eigentümer, der ein echtes wirtschaftliches Interesse an der Plattform hat und die „technischen Schulden“ (langsame Seite, Bugs) beheben könnte. Dass Creator für ihre Arbeit entlohnt werden, ist sowieso prinzipiell fair und richtig.

Andererseits stirbt damit ein Stück der ursprünglichen Maker-Kultur („Sharing is Caring“). Thingiverse war seit 2008 der Ort für Open-Source-Modelle. Wenn sich der Fokus nun auf Bezahlinhalte („Tribes“, Abos) verschiebt, könnte das noch weitaus mehr Hobbyisten zu Printables oder MakerWorld treiben.

Auch die strikte Anti-KI-Haltung („SoulCrafted“) sehen wir kritisch. Natürlich will niemand Spam-Uploads. Aber KI ist längst ein Werkzeug im Design-Prozess vieler Creator (z.B. für Texturen oder Ideenfindung). Hier pauschal von „seelenlos“ zu sprechen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen und dient wohl eher der Markenbildung als der Realität. Ob Thingiverse als Bezahl-Plattform neben dem etablierten MyMiniFactory bestehen kann oder ob es nur als Traffic-Zubringer dient, wird die Zeit zeigen.

Was denkt ihr? Ist die Kommerzialisierung der richtige Weg oder der Tod von Thingiverse?

Quelle(n):

c7ec40dea16c49bd89c8a38a9c40583c

Wenn du über einen Link auf dieser Seite ein Produkt kaufst, erhalten wir oftmals eine kleine Provision als Vergütung. Für dich entstehen dabei keinerlei Mehrkosten und dir bleibt frei wo du bestellst. Diese Provisionen haben in keinem Fall Auswirkung auf unsere Beiträge. Zu den Partnerprogrammen und Partnerschaften gehört unter anderem eBay und das Amazon PartnerNet. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Profilbild von Thommy

Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

Sortierung: Neueste | Älteste

Kommentare (5)

  • Profilbild von HP
    # 17.02.26 um 15:26

    HP

    Meine Modelle sind schrittweise mit KI entstanden. Warum auch nicht? 80% erledigt die KI, den Feinschliff mache ich dann selbst.

    Gut, ich mache momentan nur funktionale Dinge für meinen eigenen Bedarf, lade sie aber auch hoch, damit andere was davon haben.

    Komplett generierten AI Slop finde ich schwierig.

    HP

  • Profilbild von Helger
    # 17.02.26 um 15:24

    Helger

    Mir geht dieses ganze "wie ich mit 3D Drucken und meiner Print-Farm Geld verdiene" eh auf den Senkel. Verkaufen ihren 0815-Scheiß für horrende Preise auf Etsy und Co oder gleich nur noch digital, weil weniger Arbeit. Am besten noch auf YouTube und Co mit zig Videos ausschlachten wie toll man ist und wie auch du das schaffen kannst. Hat ganz oft den Charme der "Kauf mein Ebook und ich werde dein Leben verändern" Eumel und geht imho völlig gegen den eigentlichen Sinn der 3D Print Community: ein gemeinsames Hobby teilen, sich gegenseitig helfen und nicht für jeden Scheiß gleich die Hand aufhalten und reich werden wollen

  • Profilbild von denschel
    # 17.02.26 um 15:13

    denschel

    Vielleicht sollte man das was einem wichtig ist aus seinen Thingiverse Collections doch mal mittels Download sichern. Haben ist besser als brauchen und ob sie sich an ihre Versprechungen halten, dass alter Content free bleibt, ist vielleicht weniger in Stein gemeißelt, als man denkt

  • Profilbild von Ulf
    # 17.02.26 um 15:13

    Ulf

    War da jetzt 9 Jahre fast wöchentlich immer mal drinnen, klar haben in den letzten Jahren die anderen Plattformen mehr zulauf bekommen. Für die Neulinge war das meist eh nix, weil nicht so viele bunte Farben und Buttons zum Andrücken und DAU unfreundlich. Die Gebraucht Plattformen laufen mittlerweile über mit 3D Druckern, kann man viele Schnäppchen machen, weil oft nur Kleinigkeiten.

  • Profilbild von Tobi
    # 17.02.26 um 15:09

    Tobi

    Gibt ja noch Makerworld. Wenn ein Angebot schlechter wird wechselt man einfach die Plattform.

Kommentar schreiben

Name
E-Mail
Diese E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Mit Absenden des Formulars akzeptiere ich die Datenschutzerklärung und die Nutzungsbedingungen. Halte dich für ein wertschätzendes Miteinander an unsere Community-Guidelines.