Ugreen HomeAgent enthüllt: Lokales KI-NAS gegen Alexa – aber beim Topmodell eskalieren sie völlig
Lokale künstliche Intelligenz statt Datenabfluss in die Cloud: Ugreen nutzt die IFA 2026 für eine Überraschung und verknüpft seine Netzwerkspeicher mit einer sprachgesteuerten Smart-Home-Zentrale. Die neuen Modelle der HomeAgent- und MasterAgent-Serie sollen als vollkommen privates Gehirn für das eigene Zuhause fungieren. Wir konnten die Hardware auf dem Launch-Event in Berlin bereits vorab ausprobieren und fassen die wichtigsten Spezifikationen, exklusive Informationen und die teils gewaltigen Preise für euch zusammen.
Preisübersicht: Ugreen HomeAgent & MasterAgent
- Ugreen HomeAgent HA100 (26 TOPS):
- bei Ugreen ab 899$ (UVP: 1.799$)
- Ugreen HomeAgent HA100 Pro (205 TOPS):
- bei Ugreen ab 2.999$ (UVP: 5.999$)
- Ugreen MasterAgent MA100 (2.070 TFLOPS):
- bei Ugreen ab 9.999$ (UVP: 19.999$)
- Ugreen SynCare Kameras & Zubehör: ab 69$ (Lautsprecher) bis 299$ (E-Paper-Rahmen)
(Hinweis: Reservierungen starten ab sofort per 50-Dollar-Anzahlung. Die weltweite Auslieferung soll Ende Januar 2027 beginnen. Stand: September 2026)
Inhalt
Technisches: Die drei KI-Zentralen im Vergleich
| Feature | HomeAgent HA100 | HomeAgent HA100 Pro | MasterAgent MA100 |
| Prozessor | Rockchip RK3588 | CIX-P1-CP8180 | NVIDIA Jetson Thor T5000 |
| KI-Leistung | 26 TOPS | 205 TOPS | bis zu 2.070 TFLOPS (FP4) |
| Arbeitsspeicher | 16 GB LPDDR5 | 32 GB LPDDR5 | 128 GB Unified Memory |
| Laufwerksschächte | 2x NAS + 1x NVR (SATA) | 2x NAS + 1x NVR (SATA) | 3x NAS + 1x NVR (SATA) |
| M.2-Steckplätze | 1x PCIe 3.0 | 1x PCIe 4.0 | 2x PCIe 3.0 |
| Netzwerk | 1x 2.5 GbE | 1x 10 GbE | 1x 10 GbE |
| PoE-Ports | 4x 10/100 Mbps | 4x 10/100 Mbps | 4x Gigabit PoE |
| Betriebssystem | UGOS Pro | UGOS Pro | UGOS Pro |
Live-Erfahrungen vom Event: Lokale Sprach-KI mit Bedenkzeit
Das System versteht sich im Kern als privates Pendant zu gängigen Sprachassistenten. Die integrierte Assistenz hört auf den Namen Uliya und soll gesprochene Befehle rein über die lokale Hardware verarbeiten. In unserem ersten Test auf dem Event reagierte die Box auf einfache Anweisungen wie das Schließen von Vorhängen prompt.
Bei komplexeren Aufgaben, etwa der Personenerkennung über angeschlossene Kameras, meldete das System jedoch noch fehlende Datensätze. Auch die Latenz zwischen mehreren Anfragen war deutlich. Zum Start versteht die Sprachsteuerung lediglich Englisch und Chinesisch; Deutsch sowie weitere europäische Sprachen sollen erst zur finalen Auslieferung nachgereicht werden.
Ugreen Home Agent NAS: Was es mit den lokalen KI-Modellen auf sich hat
Hinter den Kulissen gaben die Entwickler spannende Details zu den Modellgrößen preis. Auf dem Einstiegsmodell HA100 läuft gegenwärtig ein kompaktes 4-Milliarden-Parameter-Modell, das bis zum Verkaufsstart durch eine 7B-Variante ersetzt werden soll. Der größere HA100 Pro rechnet ab Werk mit Modellen zwischen 30 und 35 Milliarden Parametern.
Nerd-Wissen: Was sind lokale LLMs und was bedeutet 4B, 7B oder 32B?
Lokale Sprachmodelle (LLMs) laufen nicht auf fernen Cloud-Servern von OpenAI oder Google, sondern werden direkt auf eurem heimischen Rechner oder NAS berechnet. Das garantiert absolute Privatsphäre und funktioniert selbst bei gekappter Internetverbindung. Das angehängte „B“ steht dabei für das englische Wort „Billion“, also Milliarden Parameter. Diese Parameter bilden vereinfacht gesagt die künstlichen Synapsen des Modells. Während ein leichtgewichtiges 4B- oder 7B-Modell mit wenig Arbeitsspeicher auskommt und simple Smart-Home-Befehle zügig ausführt, erfassen größere Modelle mit 30 bis 35 Milliarden Parametern deutlich komplexere Zusammenhänge. Als Faustregel gilt: Mehr Parameter bedeuten ein spürbar tieferes Sprachverständnis, setzen hardwareseitig aber auch drastisch mehr RAM und Rechenleistung voraus.
Besonders bemerkenswert: Erfahrene Nutzer sollen die Freiheit erhalten, eigene quelloffene Modelle wie DeepSeek oder Qwen lokal einzubinden. YouTuber Andreas Danz von Spiel und Zeug bewertete das Konzept vor Ort als vielversprechenden Brückenschlag, um lokale Datensouveränität ohne Bastelaufwand auch für technisch weniger versierte Nutzer alltagstauglich zu machen.
Speicherkrise treibt das Spitzenmodell auf 20.000 Dollar
Während der Einstiegspreis von 899 Dollar für ein NAS mit integriertem NVR und KI-Beschleuniger für Enthusiasten attraktiv kalkuliert ist, wirkt das Spitzenmodell MasterAgent MA100 mit einem regulären Preis von 19.999 Dollar astronomisch. Dieser Betrag verdeutlicht die drastische Verknappung von DRAM- und VRAM-Bausteinen durch den weltweiten Ausbau von Rechenzentren sowie NVIDIAs Vormachtstellung bei KI-Hardware. Der dort verbaute Jetson-Thor-Chip mit 128 GB geteiltem Speicher liefert zwar enorme 2.070 TFLOPS Rechenleistung, ist für gewöhnliche Haushalte jedoch klar überdimensioniert.
Ugreen flankiert die Speicher mit einem passenden AIoT-Portfolio. Dazu zählen die 4K-Innenkamera ID500 Pro, eine PoE-Kamera mit drei Linsen sowie eine wetterfeste Außenkamera mit Akku und Solarpanel. Als Raumschnittstelle dient der SynCare Smart Speaker, während der 13,3 Zoll große E-Paper-Frame Gallery Familienfotos anzeigt. Sämtliche Geräte kommunizieren über das hauseigene UGOS Pro.
Wer Home Assistant nutzt, kann seine Komponenten über die integrierte Matter-Bridge anbinden, muss jedoch berücksichtigen, dass auf der Hardware kein natives Home Assistant OS betrieben wird.
IFA-Fundstück: Magnetische Powerbank mit Flüssigkeitskühlung
Abseits der Netzwerkspeicher zeigte Ugreen eine technische Spielerei für Smartphones. Die neue magnetische Qi2-Powerbank verfügt über eine aktive Flüssigkeitskühlung samt Mikropumpe. Durch ein kleines Sichtfenster lässt sich die zirkulierende Kühlflüssigkeit beobachten, während ein Display über Ladetempo und Temperatur informiert.
Erste Einordnung: Hohe Ambitionen zu hohen Preisen
Ugreen wagt mit der HomeAgent-Reihe einen kühnen Schritt weg von reinen Speichermedien hin zum vernetzten Smart Home. Das Versprechen, Videoüberwachung und Sprachassistenten ohne Cloud-Abo und mit voller Privatsphäre zu betreiben, bedient eine spürbare Nachfrage im Markt. Das allein verdeutlichen schon die vielen Hersteller von Mini-PCs, die auf der IFA ebenfalls stark mit lokalen KI-Modellen geworben haben.
Ob die verbaute Hardware die hochgesteckten Ziele im Alltag einlösen kann, hängt maßgeblich von der Software-Reife ab. Die gezeigten Denkpausen und die noch ausstehende deutsche Sprachunterstützung verdeutlichen, dass bis zum Auslieferungsstart im Januar 2027 noch Entwicklungsarbeit ansteht. Letztlich wird der Preis der neuen NAS-Systeme inkl. „Alexa auf Steroiden“ aber für eine Marktdurchdringung entscheidend sein – und der ist einfach verdammt hoch mit kaum Aussicht auf Besserung im kommenden Jahr.
Wie beurteilt ihr Ugreens Konzept: Wäre ein NAS mit integrierter Offline-Sprachsteuerung für euer Smart Home interessant, oder vertraut ihr weiterhin auf getrennte Komponenten? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren!
Quellen:
- Ugreen Offizielle Crowdfunding-Seite (September 2026)
- IFA 2026 Event-Transkript & Herstellergespräche (Berlin, September 2026)
- Golem.de Berichterstattung
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