Xpeng & Elmi Power: 4.000 neue Schnellladepunkte für DACH – mit Akku-Puffer gegen das Netz-Chaos
Während Tesla sein Supercharger-Netzwerk seit über einem Jahrzehnt ausbaut, machen chinesische Hersteller bei der europäischen Ladeinfrastruktur nun ebenfalls Ernst. Der Elektroautobauer Xpeng schließt sich mit dem hessischen Start-up Elmi Power zusammen. Das Ziel der Partnerschaft ist sportlich: Bis 2028 sollen über 4.000 neue High-Power-Charging-Ladepunkte in 31 europäischen Märkten entstehen, wobei Deutschland, Österreich und die Schweiz den zentralen Schwerpunkt bilden. Die ersten Stationen gehen bereits im laufenden Jahr 2026 ans Netz. Wie der Ausbau dank integrierter Akku-Pufferspeicher trotz deutscher Netzbürokratie im Eiltempo gelingen soll? Weiterlesen! 🙂
Inhalt
Warum Xpeng eigene Ladesäulen in Deutschland braucht
Auf den ersten Blick wirkt der Schritt ambitioniert: Warum investiert ein chinesischer Hersteller in ein eigenes Lade-Ökosystem, wo der Markt mit etablierten Anbietern wie EnBW, Ionity oder Aral pulse bereits dicht besetzt ist? Die Antwort liegt in der Fahrzeugtechnik.
Modelle wie der Xpeng G6, das SUV-Flaggschiff G9 oder die neue Limousine P7+ basieren auf einer durchgängigen 800-Volt-Siliziumkarbid-Architektur. Die Fahrzeuge können Ladeleistungen von 280 kW bis über 440 kW aufnehmen. An vielen bestehenden europäischen Ladeparks werden diese Ladekurven durch 400-Volt-Technik oder Leistungs-Splittings jedoch künstlich ausgebremst. Um den Kunden ein reibungsloses Ladeerlebnis wie im Heimatmarkt China zu bieten (wo Xpeng bereits über 3.500 eigene Ladestationen in mehr als 430 Städten betreibt), holt der Konzern seine Infrastruktur nun nach Europa. München dient mit dem dortigen Forschungs- und Entwicklungszentrum als strategische Schaltzentrale.

Der Pufferspeicher-Trick: 400 kW ohne jahrelange Netzausbau-Wartezeit
Das größte Hindernis beim Bau klassischer Schnellladeparks in Deutschland ist selten die Hardware, sondern der bürokratische Flaschenhals bei den Netzbetreibern. Wer einen Ladepark mit mehreren HPC-Säulen errichten möchte, benötigt einen Mittelspannungsanschluss samt eigener Trafostation. Von der ersten Beantragung über Tiefbauarbeiten bis zur finalen Freigabe vergehen in Deutschland durch Lieferengpässe bei Transformatoren und zähe Genehmigungsprozesse nicht selten 18 bis 36 Monate.
Genau an dieser Hürde setzt das Konzept von Elmi Power an. Statt auf einen langwierigen Netzausbau zu warten, nutzen die Hessen akkugepufferte Ladesysteme. Die Stationen begnügen sich mit einem gewöhnlichen Gewerbe-Niederspannungsanschluss von lediglich 20 bis 70 kVA. Der integrierte Speicher lädt rund um die Uhr kontinuierlich und netzschonend nach.
Rollt ein Elektroauto an die Säule, stellt der Akku-Puffer kurzfristig Ladeleistungen von 400 kW und mehr bereit (sogenanntes Peak-Shaving). Für Xpeng und Elmi Power schrumpft die Realisierungszeit eines neuen Standorts dadurch von mehreren Jahren auf wenige Wochen zusammen. Zudem lassen sich so lukrative Standorte an Supermärkten, Autohöfen oder Gewerbegebieten erschließen, an denen die Netzkapazität für klassische Schnelllader schlichtweg fehlt.
4.000 Ladepunkte bis 2028: Offenes Netz oder exklusiver Club?
Für Fahrer anderer Marken gibt es Entwarnung: Durch europäische Vorgaben (AFIR) wird das gemeinsame Ladenetz von Xpeng und Elmi Power für alle Elektroautos mit CCS2-Anschluss frei zugänglich sein.
Dennoch verschafft sich Xpeng einen Vorteil bei der Kundenbindung: Eigene Fahrer dürfen mit automatischer Vorkonditionierung über das Bord-Navi, Plug&Charge sowie exklusiven Rabatten auf den Ladepreis rechnen. Die Strategie folgt damit dem Vorbild von Tesla, die ihr Supercharger-Netzwerk ebenfalls für Fremdfabrikate geöffnet haben, eigenen Kunden aber die besten Konditionen bieten.
Einschätzung: Kluger Schachzug gegen die deutsche Netzlücke
Die Partnerschaft zwischen Xpeng und Elmi Power ist ein extrem pragmatischer Weg, um im zersplitterten europäischen Lademarkt schnell Fuß zu fassen. Durch den Einsatz von Akku-Pufferspeichern umgeht Xpeng die lähmenden Genehmigungsverfahren der Energieversorger und bringt die Ladeleistung dorthin, wo seine 800-Volt-Fahrzeuge sie tatsächlich abrufen können.
Ob das Ziel von 4.000 Ladepunkten bis 2028 pünktlich erreicht wird, hängt von der Zuverlässigkeit der Speichertechnik im harten Dauerbetrieb ab. Für E-Auto-Fahrer im DACH-Raum ist jeder zusätzliche 400-kW-Ladepunkt jedoch ein Gewinn.
Quelle(n):
- Elektroauto-News
- ELMI Power Deutschland
- BDEW: VNB-Anwendungshilfe Netzanschluss Ladesäulen Mittelspannung
- Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur
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