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EU beschließt weitere Gebühren: Shopping bei AliExpress, Temu & Co. wird ab November noch teurer

EU Bearbeitungsgebühr Beitragsbild

Die Europäische Union macht Ernst beim grenzüberschreitenden Online-Handel und verabschiedet eine massive Reform des Zollrechts, die vor allem Plattformen wie AliExpress, Temu und Shein ins Visier nimmt. Nachdem bereits im Sommer eine pauschale Verzollung eingeführt wurde, folgt nun der nächste Schlag gegen Billigimporte aus Fernost. Auf dem Papier soll das Ganze für mehr Sicherheit und fairen Wettbewerb sorgen, doch für Schnäppchenjäger droht das endgültige Aus für viele Direktimporte.

Plattformen haften als Importeure & riskieren harte Strafen

Bisher wälzten die Marktplätze die Rolle des Importeurs gerne auf die Endkunden ab, womit sich die Plattformen aus vielen Pflichten herauswinden konnten. Damit ist nun endgültig Schluss, denn nach dem überarbeiteten Zollkodex gelten die Nicht-EU-Plattformen selbst als offizielle Importeure. Sie müssen eigenständig sicherstellen, dass alle Zollformalitäten erledigt, Gebühren bezahlt und europäische Sicherheitsstandards eingehalten werden. Die EU begrüßt zwar die ohnehin stattfindende Entwicklung hin zu EU-Lagern, wie man es bei AliExpress schon länger beobachten kann, schaut bei den dort oft fragwürdig angegebenen Importeuren aber künftig ganz genau hin.

Paket mit EU Schild

Hält sich ein Anbieter nicht an die Regeln, drohen schwere Konsequenzen. Das neue Gesetz sieht Strafen von bis zu 6 % des jährlichen Importwerts des Vorjahres vor, flankiert vom Entzug zollrechtlicher Privilegien. Um besonders zuverlässigen Händlern den Ablauf zu erleichtern, führt man einen Sonderstatus ein, wodurch vorbildliche Unternehmen ihre Waren teilweise gänzlich ohne aktiven Zolleingriff in den Verkehr bringen dürfen. Das Prinzip dahinter ist, dass man Händlern, die zuverlässig ihre Sendungen deklarieren und Abgaben abführen, mit einer Zeit- und Geldersparnis beim Import belohnt.

Nach der 3-Euro-Zollpauschale folgt die nächste Bearbeitungsgebühr

Um die explodierenden Kontrollkosten bei der Flut an Kleinsendungen aufzufangen, führt die EU spätestens zum 1. November 2026 eine zusätzliche, EU-weite Bearbeitungsgebühr auf Kleinpakete ein. Diese Gebühr kommt obendrauf und ist völlig unabhängig von den bisherigen Zöllen. Wie hoch diese Pauschale exakt ausfallen wird, legt die EU-Kommission erst noch fest. Ein Blick auf Länder wie Italien oder Frankreich, die bereits nationale Gebühren von rund 2 € pro Sendung verlangen, gibt hier aber wohl schon eine realistische Richtung vor.

Die historische Freigrenze von 150 € hatte man bereits ins Visier genommen. Seit dem 1. Juli 2026 gilt als Übergangslösung eine feste Zollgebühr von 3 € pro Produktkategorie. Diese Maßnahme hat bereits deutliche Spuren hinterlassen und im Vorfeld für einen massiven Rückgang der Bestellungen um 30 bis 40 Prozent gesorgt.

Eigene Zollbehörde in Lille & ein zentraler Daten-Hub

Um die gigantischen Warenströme zu überwachen, bei denen über 90 % der E-Commerce-Pakete direkt aus China stammen, baut die EU die eigene Infrastruktur massiv um. In der französischen Stadt Lille nimmt die neue EU-Zollbehörde (EUCA) ab 2027 mit rund 250 Mitarbeitern ihre Arbeit auf, um die Kontrollen und das Risikomanagement zentral zu steuern.

Paket mit Gebäude in Lille

Als technologisches Rückgrat dient der neue EU Customs Data Hub, über den Import- und Exportdaten künftig in Echtzeit abgeglichen werden. Die Nutzung dieser zentralen Plattform wird für den E-Commerce ab dem 1. Juli 2028 zur Pflicht, während klassische Händler bis zum 1. März 2034 Zeit für die Umstellung haben. Sobald dieser Daten-Hub vollständig einsatzbereit ist, soll auch die bisherige 3-Euro-Übergangspauschale enden und durch die regulären Zollsätze ab dem ersten Cent abgelöst werden.

Im Prinzip der richtige Schritt mit skurrilem Timing

Ich glaube, man kann durchaus akzeptieren, dass in die EU eingeführte Pakete vernünftig versteuert und verzollt werden müssen und nur sichere Waren bei den Kunden ankommen dürfen. Dass die Politik diesem Treiben so viele Jahre tatenlos zugesehen hat, ist eigentlich ein echtes Versäumnis. Die Art und Weise, wie man die Sache jetzt angeht, halte ich aber für extrem skurril.

Zuerst drückt man eine pauschale Verzollung von 3 € pro Produktkategorie durch, bei der man für Cent-Artikel teilweise deutlich mehr Zoll abdrücken muss, als eigentlich anfallen würde, und schiebt jetzt noch eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr hinterher. Natürlich müssen die Kontrollen bezahlt werden, aber das Timing und die Tatsache, dass man noch nicht einmal die genaue Höhe der neuen Gebühr parat hat, ist einfach nur nervig. Spätestens ab dem 1. November 2026 werden Bestellungen aus China nochmals teurer, was viele Schnäppchenkäufe endgültig unattraktiv machen dürfte. Bei höherpreisigen Waren, wie sie mittlerweile vermehrt aus China kommen, dürfte die Gebühr aber weniger stark ins Gewicht fallen.

Quellen:

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Fabian

Als Experte für Saugroboter teste ich für China-Gadgets unzählige Modelle auf Herz und Nieren und bin zudem regelmäßig in unserem Podcast "Technisch Gesehen" zu hören. Meine private Leidenschaft gilt neben den smarten Haushaltshelfern vor allem Kopfhörern, Monitoren und PCs.

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Kommentare (7)

  • Profilbild von Roderick
    0 # 17.09.26 um 13:07

    Roderick Gadget-Nerd

    tja, gut für Amazon

    • Profilbild von justasilentreader
      0 # 17.09.26 um 15:18

      justasilentreader

      ja, die Billigimporte sind dann dort am günstigsten und die EU verdient keinen Cent mehr daran. Loose, loose für alle…

  • Profilbild von Frösi
    1 # 17.09.26 um 13:08

    Frösi

    Wenn ich schon lese, fairen Wettbewerb. Als wenn Deutschland im Wettbewerb mithalten könnte. Deshalb versucht man es auf anderen Wegen die Konkurrenz auszuschalten. Erinnert mich an die Politik. Wo keine Argumente sind, das wird einfach verboten. Das scheint nun auch auf den Handel überzuspringen.

  • Profilbild von xxxxx
    1 # 17.09.26 um 13:15

    xxxxx

    Was ist diesbezüglich der Unterschied zwischen Europas Umgang mit China und Trumps gescholtenem "Zoll-Krieg"?

  • Profilbild von Nervig
    0 # 17.09.26 um 13:52

    Nervig

    Es macht einfach keinen Spaß mehr in der EU. Bei jeder Möglichkeit auch nur ein paar € zu sparen, sei es bei Geldanlagen oder China-Paketen, hält der Staat/EU die Tasche auf

  • Profilbild von Sushi
    0 # 17.09.26 um 15:25

    Sushi Gadget-Nerd

    "Alles muss reparierbar sein" aber die einzigen Zulieferer, die einem sowas zu einem vernünftigen Preis ermöglichen mit Gebühren über Gebühren überhäufen. Genau mein Humor…

  • Profilbild von FaB
    0 # 17.09.26 um 17:49

    FaB Gadget-Nerd

    Und wieder zahlen die, die eh schon am oder unterm Existenzminimum im "reichen Deutschland" leben dürfen.

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