Augenkontakt im Video-Call – Ist die iContact-Webcam die Lösung?

Mit der Kamera namens iContact läuft auf Kickstarter gerade eine Kampagne für eine Webcam, die sicherstellen soll, dass man auch in Videocalls Augenkontakt hält. Wie wichtig ist Augenkontakt dabei überhaupt und ist die Kamera eine gute Lösung?

iContact Webcam mit Augenkontakt 3

Einfach nur eine Webcam am Seil?

Ja, in erste Linie handelt es sich einfach nur um eine Webcam. Die hat eine Videoauflösung von 1080p (Full HD) und kann bis zu 30 Bilder pro Sekunden aufnehmen. Das Sichtfeld ist 65° weit und ein großer Sensor soll besonders viel Licht einfangen und ein entsprechend helles Bild bieten. (Ich habe keine genaue Angabe zum Sensor gefunden, so groß sieht er aber den Bildern nach nicht aus.)

iContact Webcam mit Augenkontakt 1

Das Besondere: Die Kamera wird zwar wie viele andere oberhalb des Displays oder Monitors befestigt, hängt dann aber von dort an einer Verlängerung genau vor dem Display. Im Idealfall hängt der Kamerasensor dabei in einem aktiven Video-Anruf knapp oberhalb der Augen des Gesprächspartners auf dem Bildschirm. Schaut man diesem dann in die Augen, entsteht für ihn auf seinem Bildschirm der Eindruck, man würde ihn direkt ansehen. Wer regelmäßig Videoanrufe tätigt (in Zeiten der Pandemie tun das sicher viele) kennt es sicher, dass man sich fast nie direkt anschaut, weil man eben auf den Bildschirm und nicht in die Kamera über dem Bildschirm schaut.

iContact Webcam mit Augenkontakt 2

Die iContact wird über ein USB-C-Kabel, das dann einfach hinter dem Bildschirm entlanggeführt wird, in den Laptop oder PC gesteckt. Da man sie seitlich verschieben kann, kann man sie auch einem Fenster anpassen, das man auf dem Desktop verschiebt. Vor und nach den eigentlichen Anrufen muss bzw. sollte man die Kamera aber abhängen, da sie sonst natürlich auf dem Bildschirm stört.

Warum Augenkontakt?

Der größte Teile zwischenmenschlicher Kommunikation findet auf nonverbaler Ebene statt. Unterschiedliche Zahlen gehen von 80% bis über 90% der Kommunikation aus, die nicht durch den Inhalt des Gesagten stattfindet, sondern durch Mimik, Gestik und Ton/Lautstärke der Stimme. Im Video-Gespräch mag sich das Verhältnis nochmal etwas verschieben, grundsätzlich gilt hier aber das Gleiche.

Augenkontakt signalisiert dem Gegenüber, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt und zuhört. Gleichzeitig verraten die Augen viel über den Sprechenden und sind unglaublich wichtig in der Kommunikation, denn das Gehirn kann hier kleinste Bewegungen erkennen und unterscheiden. Nicht umsonst nennt man die Augen auch den Spiegel der Seele. Fast automatisch schauen wir in Video-Calls der anderen Person in die Augen, da unser Blick instinktiv dorthin gelenkt wird.

iContact Webcam mit Augenkontakt 1

Einer anderen Person zuzuhören wird in der Regel von dieser positiv aufgenommen und man hinterlässt insgesamt ein positiveres Bild von sich selbst. Wo das besonders wichtig sein kann, ist zum Beispiel auch ein Vorstellungsgespräch per Kamera. Ich sage das nur so deutlich, um klarzumachen, dass es echte Vorzüge haben kann, selbst in einem Skype-Call darauf zu achten. Auch um im Voraus schon Reaktionen zu entgegnen wie: „Was interessiert mich Blickkontakt in der Videokonferenz? Bei uns sind die Kameras eh immer aus und ich will sowieso nur endlich in die Mittagspause.“ Auch wenn das natürlich gute Argumente sind. 🙂

Alternative Lösungen

Sinnvoll ist so eine Kamera also sicherlich, aber ist es die einzige Möglichkeit? Webcams gibt es jetzt schon sehr unterschiedliche. Eine vermeintlich einfache Lösung ist es natürlich, einfach in die Kamera und nicht auf den Bildschirm zu schauen. Mir zumindest geht es aber so, dass sich das sehr unnatürlich anfühlt und ja auch den Nebeneffekt hat, dass ich die andere Person nicht mehr genau beobachten kann.

Führst du beruflich regelmäßig Video-Telefonate? (Skype, Teams, etc.)

Manche Laptops hatten bereits Kameras unterhalb des Monitors oder sogar in der Tastatur versteckt. Das ändert zwar den Blickwinkel, löst aber das Problem auch nicht unbedingt. Zusätzlich wird der Blick von unten anstatt von oben auf das Gesicht auch nicht von jedem als vorteilhaft wahrgenommen.

Xiaomi Mix 4 Frontkamera unter dem Display CUP
Smartphones wie das Xiaomi Mix 4 verstecken die Kamera hinter dem Display.

Huawei hat in den neuen Matebooks eine Softwarelösung integriert, durch die der Blick nach oben korrigiert wird. Der Effekt ist eher subtil, und auch wenn es durchaus funktionieren kann, bleibt es eine „unnatürliche“ Lösung, die echten Blickkontakt vermutlich auch nicht voll ersetzen kann.

Mit der Möglichkeit, eine Kamera auch unter dem eigentlichen Display zu verbergen, gibt es natürlich noch eine weitere Lösung. Bei einigen Smartphones wird die Technologie ja bereits angewendet. Eine Kamera zentral unter dem Display eines Laptops, genau an der Stelle, an der die Person im Videogespräch angezeigt wird, würde automatisch für Augenkontakt sorgen. Das löst das Problem zwar noch nicht für Konferenzen mit mehreren Teilnehmern, aber es wäre schon mal eine deutliche Verbesserung.

Preis und Verfügbarkeit der iContact

Die Kampagne auf Kickstarter läuft noch bis zum 18. November 2022. Bisher wurde von knapp 900 Unterstützern gut 100.000€ zusammengetragen. Wer sich auch beteiligen möchte, bekommt eine iContact ab umgerechnet 99€, wobei beim Versand nach Deutschland zusätzlich nochmal knapp 20€ Versandkosten anfallen. Laut Timeline auf der Kampagnenseite sollen die ersten Exemplare ab 20. November 2022 ausgeliefert werden.

Wie ist eure Meinung zum Konzept der iContact? Etwas, dass ihr prinzipiell interessant findet, oder würde euch die Kamera auf dem Bildschirm nur stören?

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Jens

Aktuell interessiert mich vor allem das Thema E-Mobilität; die neuen E-Scooter erwarte ich mit Vorfreude. Als leidenschaftlicher Zocker freue ich mich auch über alle Gadgets mit Gaming-Bezug.

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Kommentare (21)

  • Profilbild von Gadjetto
    # 08.11.22 um 20:04

    Gadjetto

    Finger weg von Kickstarter!
    80 Prozent Betrüger!

    • Profilbild von Gast
      # 08.11.22 um 21:13

      Anonymous

      Zumal das ganze via Software schon gut gelöst werden kann. Apple macht da bspw. schon auch einiges.

      • Profilbild von Gast
        # 08.11.22 um 21:31

        Anonymous

        Apple ist einfach besser als die chinagaga

        • Profilbild von Moepper
          # 09.11.22 um 11:49

          Moepper

          Hör bloß auf mit Appelmus, ist doch ungeniessbar das Zeugs ! ⛔🍏⛔

  • Profilbild von wtf
    # 08.11.22 um 23:03

    wtf

    hab schon vor 3 jahren gesehen wie leute transparente displays hatten. denk mal früher oder später wird es einfach wie schon bei manchen smartphones eine linse unter dem display geben. gibt es sicherlich schon.

    • Profilbild von Jens
      # 09.11.22 um 12:19

      Jens CG-Team

      Weiß nicht, ob sich das durchsetzt, aber ich gehe auch stark davon aus, dass sowas kommen wird.

  • Profilbild von Gast
    # 08.11.22 um 23:09

    Anonymous

    Nvidia macht so etwas oder Software und AI… Nvidia Maxine Eye Contact.

    • Profilbild von Gast
      # 08.11.22 um 23:10

      Anonymous

      @Anonymous: Nvidia macht so etwas oder Software und AI… Nvidia Maxine Eye Contact.

      (…) per Software (…)

      • Profilbild von Gast
        # 09.11.22 um 04:53

        Anonymous

        Software ist einfach alles heutzutage und das können die Chinesen nicht besonders gut

  • Profilbild von fxxy
    # 09.11.22 um 02:53

    fxxy

    "Augenkontakt signalisiert dem Gegenüber, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt und zuhört. "
    Schön und gut und so unwichtig. Hier haben alle Beteiligten ein sehr ähnliches Problem und ob jemand zuhört, das merkt man wohl daran, dass es eine Antwort gibt.

    Das funktioniert schon seit vielen, sehr vielen Jahren und das sogar schon bevor es solche Geräte mit Kamera gab. Man stelle sich vor, Fahrer und Beifahrer würden sich während der Fahrt ständig in die Augen schauen. Prost Mahlzeit.
    Andererseits, die Debatte um ein Tempolimit wäre vorbei.

    Wenn einem die Ideen ausgehen…

    • Profilbild von Jens
      # 09.11.22 um 09:50

      Jens CG-Team

      Dass es Ausnahmen gibt widerlegt kein bisschen den Fakt, dass Augenkontakt wichtig ist. Kannst ja mal versuchen, ihn ab jetzt aktiv zu vermeiden und beobachten, wie die Leute reagieren. 🙂

  • Profilbild von Gast
    # 09.11.22 um 16:19

    Anonymous

    Stell dir vor, im echten Leben mache ich das auch und so vor einem PC mit Webcam, da kennt die Person auf der anderen Seite dieses Phänomen und die interessiert es auch nicht wirklich.
    Habe deiner Aussage übrigens nicht widersprochen, passt halt nicht zum Thema Webcam und ich bleibe dabei, auch Leben funktioniert inklusive Gesprächen auch ohne Augenkontakt.
    Stell dir vor, Menschen die in Gruppen laufen, nebeneinander im Auto sitzen und ganz extrem, die Formel1, die haben auch ein sprechendes Männchen im Ohr und es funktioniert und da sieht man die andere Person nicht einmal und trotzdem, alle Beteiligten wissen, der andere hört zu.
    Und nun komm bitte nicht mit dem Argument, dass es da ja nicht anders geht. Hast ja recht, da hat man sich damit abgefunden, ist halt so und so ist es bei einer Webcam auch.

    • Profilbild von Jens
      # 10.11.22 um 10:25

      Jens CG-Team

      Vielleicht reden wir auch ein bisschen aneinander vorbei. 🙂 Was du sagst ist ja richtig, natürlich kann ein Gespräch in vielen Situationen auch ohne Augenkontakt funktionieren. Wenn es aber darum geht, Emotionen zu lesen und richtig zu deuten und vielleicht auch eine engere Bindung zur anderen Person aufzubauen, dann ist es natürlich wichtig, sich dabei anzuschauen. Ich denke dem wirst auch du sicher nicht widersprechen.

      Selbst wenn im Videogespräch alle Beteiligten wissen, dass man auf den Bildschirm und nicht in die Kamera guckt und niemand absichtlich Blickkontakt vermeidet, kann es unterbewusst für die andere Person einen Unterschied machen, wenn man sie direkt anschaut. So zumindest die Theorie hinter dieser Kamera. Bestes Beispiel ist das Bewerbungsgespräch. Hier geht es doch sehr stark um den Eindruck, den man hinterlässt – auch den unterbewussten. Und da kann das helfen.

      Ich sage nicht, dass diese Kamera die perfekte Lösung dafür ist. Ich weiß auch nicht, wie stark die Auswirkung ist. Aber ich finde die Idee dahinter keinesfalls so unwichtig und nebensächlich, wie du es mit deinen Gegenbeispielen darzustellen versuchst.

  • Profilbild von Hessi
    # 09.11.22 um 16:56

    Hessi

    Das funktionierte schon mit dieser App, die das Handy zu einer Webcam machte. Keinen Plan, wie die das machten, aber auf meinem Bild blickte ich in die Kamera, wenn ich eigentlich auf den Bildschirm schaute – dabei lehnte das Handy einfach unten am Monitor.

  • Profilbild von Ingo
    # 09.11.22 um 17:35

    Ingo

    https://www.youtube.com/watch?v=2AecAXinars
    im Selbstbaumodus – und ziemlich cool gemacht 🙂

  • Profilbild von Michael
    # 10.11.22 um 08:52

    Michael

    Habe letztes Jahr bei Indiegogo (?) eine sogenannte „Center Cam“ bestellt – 1:1 das selbe Ding. $ 120,- inkl Shipping ect

    Ernüchterung – das Bild friert auf allen Systemen in den ersten 2 Minuten ein (Mac, Microsoft Surface, Dell). Dachte mir liegt ev. am Treibersupport.

    Jetzt, ein Jahr später, aufgrund des Artikels wieder mal angeschlossen. Kamera kaputt. Entweder schwarz, für 3 Sekunden ein Bild und/oder komische Farben/rosa gelbe Balken.

    Habe mir für die Brio 4k einen Scherenständer gekauft, funktioniert genauso gut und ist qualitativer um Luchtjahre besser

  • Profilbild von Gast
    # 10.11.22 um 14:32

    Anonymous

    Wer es nicht schafft, in die bestehende Kamera zu schauen – wird wohl auch mit bisherigen, externen, kabelgebundenen Kameras nicht davon abgehalten, diese in den Bildschirm baumeln zu lassen…

  • Profilbild von Blocksberger
    # 10.11.22 um 18:57

    Blocksberger

    Ist ja schön und gut, allerdings habe ich im Büroalltag selten eine ViKo mit nur einer Person. Ich denke, dass ist eher eine Lösung für den privaten, aber nicht für den Büroalltag.

  • Profilbild von Oliver Schnürer
    # 17.11.22 um 06:50

    Oliver Schnürer

    Ich habe die Wefahrung gemacht, dass bei Videokonferenzen – auch mit mehreren Beteiligten – diejenigen Teilnehmer die beste Präsenz haben, die viel direkt in die Kamera schauen.
    Vielleicht ein subjektives Empfinden, ist mir aber nachhaltig in Erinnerung geblieben.

  • Profilbild von Oliver Schnürer
    # 17.11.22 um 06:51

    Oliver Schnürer

    *Erfahrung natürlich. Dicke Finger.

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