Smartphone-Markt auf 14-Jahres-Tief: Warum günstige Handys unter Druck stehen
Weltweit wurden im dritten Quartal deutlich weniger Smartphones ausgeliefert als ein Jahr zuvor. Ein wichtiger Grund ist die Speicherkrise. Was heißt das für günstige Handys – auch in Europa?
Teure Komponenten killen günstige Handys
Der Smartphone-Markt hat ein schwaches Quartal hinter sich: Im dritten Quartal 2026 sanken die weltweiten Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Das ist laut Counterpoint Research der niedrigste Wert für ein drittes Quartal seit 2012. Die Schätzung veröffentlichte das Marktforschungsunternehmen am 12. Oktober.
Ein Grund dafür ist die Speicherkrise. Smartphones brauchen Speicher, damit Apps laufen und Fotos, Videos oder andere Daten Platz finden. Doch die benötigten Bauteile sind knapper und teurer geworden. Das bringt die Hersteller in eine Zwickmühle: Sie können die Preise erhöhen, weniger Geräte produzieren oder bei der Ausstattung sparen.

Besonders knifflig ist das bei günstigen Smartphones. Dort ist ohnehin wenig Spielraum für hohe Kosten. Steigt der Preis für wichtige Bauteile, wird es für Hersteller schwieriger, ein preiswertes Handy mit attraktiver Ausstattung anzubieten. Gutes Beispiel dafür ist CMF, das in diesem Jahr kein neues Smartphone rausbringt und Nothing die Produktsparte sogar nach Indien ausgliedert.
Europas Angebot unter 200 Euro schrumpft
Anzeichen dafür gibt es auch in Europa. Laut einer Analyse von Omdia machten Smartphones unter 200 Euro im ersten Quartal nur noch 25 Prozent der Auslieferungen aus – damals ein Tiefstwert. Gleichzeitig lag der durchschnittliche Verkaufspreis bei 580 Euro. Das heißt nicht automatisch, dass jedes Handy teurer geworden ist: Der Durchschnitt steigt auch, wenn weniger günstige Geräte verkauft werden und teurere Modelle einen größeren Anteil ausmachen.

Auch der Verkaufsweg spielt eine Rolle. Im zweiten Quartal gingen die Smartphone-Verkäufe in Europa laut Counterpoint insgesamt um 8 Prozent zurück. Beim Kauf im freien Handel – also ohne Mobilfunkvertrag – lag das Minus bei 11 Prozent. Bei Mobilfunkanbietern waren es 4 Prozent. Dort landen oft eher teurere Geräte mit Vertrag im Warenkorb; der freie Handel ist stärker von günstigeren Modellen geprägt.
Werden Handys jetzt teurer?
Für Deutschland gibt es noch keinen Beleg dafür, dass die Speicherkrise bereits zu flächendeckenden Preiserhöhungen geführt hat. Die europäischen Zahlen deuten aber darauf hin, dass günstige Geräte schwerer zu bekommen sein könnten. Und wenn Hersteller ihre Preise nicht erhöhen wollen, könnten sie versuchen, bei der Ausstattung zu sparen.
Die 20 Prozent weniger Auslieferungen sind eine vorläufige globale Schätzung für ein Quartal – keine Deutschland-Zahl und keine Jahresbilanz. Trotzdem ist der Rückgang ein deutliches Warnsignal: Wenn Speicher knapp und teuer ist, geraten vor allem die Handys unter Druck, bei denen Käufer besonders genau auf den Preis schauen.
Quellen:
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