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Flashforge CJ270: MJP-Industriefarbe kommt auf den Desktop – Nie wieder Figuren anmalen?

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Bunter 3D-Druck erfordert bisher des Öfteren viel Leidensfähigkeit. Hat man nicht gerade einen FDM-Toolchanger zuhause, dann produzieren mehrfarbige FDM-Drucker Berge an Filament-Müll, während hochauflösende Harzdrucke im Anschluss stundenlang mühsam von Hand bemalt werden müssen. Flashforge will eine Lösung für dieses Dilemma gefunden haben, indem der Hersteller  eine ehemals unbezahlbare Industrie-Technologie auf Schreibtischgröße schrumpft. Heraus kommt der neue Flashforge CJ270 – und der ist speziell in vielerlei Hinsicht.

Flashforge CJ270 Vollfarb-MJP-Drucker:

  • bei Flashforge ab 3.999 Euro (späterer UVP laut Hersteller: 4.499 Euro)
  • Verfügbarkeit: Erste Auslieferungen starteten offiziell am 15. Oktober 2026.

Technisches: Die Eckdaten des Desktop-MJP-Druckers

FeatureFlashforge CJ270
DrucktechnologieMJP (Multi Jet Printing) mit UV-Härtung
Bauvolumen180 × 120 × 100 mm
Schichtdicke7 μm (Mikrometer)
Farb-AuflösungÜber 10 Millionen Farben, fließende Übergänge
MaterialienCMYK (Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz), Weiß, Transparent + Stützmaterial
Betriebslautstärke≤ 55 dB (integrierter Aktivkohlefilter)
NachbearbeitungWasserlösliches Stützmaterial (optional: Ultraschallbad)
Abmessungen & Gewicht697 × 410 × 405 mm / 33,5 kg

Wie funktioniert das? Die Abkehr vom flüssigen Harzbecken

Die Technologie hinter dem CJ270 nennt sich Multi Jet Printing (MJP). Stellt euch das Ganze wie einen Mix aus klassischem Papier-Tintenstrahldrucker und einem modernen 3D-Drucker vor. Es gibt hier also kein flüssiges Harzbad, aus dem das Objekt gezogen wird.

Flashforge CJ270 Aufmacher2

Stattdessen fährt ein großer Schlitten mit sieben separaten Druckköpfen über die Bauplatte. Diese Köpfe spucken winzige Tröpfchen aus UV-Harz aus (Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz, Weiß, Transparent und ein spezielles Stützmaterial). Eine Walze streicht die flüssige Schicht glatt, bevor eine mitfahrende UV-Lampe das Material sofort aushärtet. Das Objekt entsteht also direkt in der exakt gemischten Farbe – Schicht für Schicht.

flashforge cj270 .Beispielfigur

Hauttöne, feinste Muster und transparente Effekte verschmelzen in einem einzigen Arbeitsgang. Der geniale Nebeneffekt: Das Stützmaterial ist wasserlöslich. Nach dem Druck landet die Figur im Wasserbad, die Stützen schmelzen weg und das fertig bemalte Bauteil bleibt übrig.

Abgrenzung: Keine Verwechslung mit 2.5D-UV-Druckern!
In letzter Zeit fluten Desktop-UV-Drucker wie der eufyMake E1 oder der xTool O1 den Markt. Diese Kisten sind keine 3D-Drucker im eigentlichen Sinn. Sie bedrucken lediglich bestehende, flache Objekte (wie Holzschilder oder Handyhüllen) mit Tinte und erzeugen kleine, spürbare Reliefs. Der Flashforge CJ270 hingegen baut ein echtes, völlig freistehendes dreidimensionales Objekt aus dem Nichts auf.

Skepsis angebracht: Warum Hobby-Maker aufpassen müssen

Wer jetzt gedanklich schon seine Tabletop-Armee in den Slicer lädt, muss ganz stark sein. Flashforge verpackt die Industrietechnik zwar in ein kompaktes 33-Kilo-Gehäuse, übernimmt aber auch die Schattenseiten dieser Druckerklasse.

Denn einerseits erfordert die Druckdauer Geduld. MJP ist unfassbar präzise (Schichten von 7 Mikrometern!), aber sehr langsam. Flashforge gibt als Richtwert an, dass ein 10 Zentimeter hohes Modell rund 15 Stunden benötigt. Bei 15 Zentimetern wartet ihr bereits 25 Stunden oder länger auf das Ergebnis.

flashforge cj270 .Beispielfiguren

Dann wäre da andererseits noch die berühmte Frage nach den Folgekosten bei den Tinten: Der Anschaffungspreis von 3.999 Euro ist für diese Technologie erstaunlich fair, der Profit wird jedoch auch bei diesem Gerät über das Verbrauchsmaterial generiert: 1kg Harz (10 x 100g) kostet bei Flashforge derzeit 69,90€. 10 kg Harz (100 x 100g) schlagen dann mit 499€ zu Buche. Schon von unseren Erfahrungen mit dem EufyMake E1 wissen wir, dass gerade großformatige Drucke sehr schnell ins Geld gehen. Das wird auch hier der Fall sein.

Flashforge CJ270 Tintenpreise

Der CJ270 nutzt zudem proprietäre Materialkartuschen mit Chip-Zwang. Harze von günstigen Drittanbietern sind rigoros blockiert. Das Tückische daran: Ungeöffnet hält die Tinte 18 Monate, nach Anbruch solltet ihr sie jedoch laut Hersteller innerhalb von nur 2 Monaten verbrauchen, da die empfindlichen Druckköpfe sonst verstopfen.

Flashforge CJ270 Tinte

Apropos Druckköpfe: Flashforge verspricht eine Lebensdauer von rund 2.000 Betriebsstunden. Danach müssen diese getauscht werden. Wer Industrie-Ersatzteile kennt, weiß, dass das richtig teuer wird. Ein weiteres ärgerliches Detail: Dem Drucker fehlt zum Start eine WLAN-Verbindung. Daten wandern vorerst nur per USB-Stick oder direktem Kabel vom Rechner auf die Maschine.

flashforge cj270 Zielgruppen

Einschätzung: Spezialist für eine extrem spitze Nische

Es ist immer schön, wenn eine kompakte Version eines sonst sündhaft teuren Industriegerätes seinen Weg auf den Endconsumer-Schreibtisch findet. Das ist natürlich auch beim neuen Flashforge CJ270 lobend zu erwähnen. Er liefert vollfarbige, unfassbar detaillierte 3D-Drucke ohne jeglichen Filamentmüll und erspart das lästige Bemalen per Hand. Für kleine Designbüros, Architekten oder professionelle Figuren-Modellierer, die ihre Prototypen perfekt präsentieren müssen, mögen die 4.000€ in Anbetracht der um ein Vielfaches teureren Alternativen noch halbwegs bezahlbar sein.

Für den ambitionierten Hobbyisten, wie ihn Flashforge beschreibt, wahrscheinlich eher weniger. Die zwingende Bindung an teure Original-Tinten, der „Zeitdruck“ bei der Tintennutzung nach Anbruch der Kartuschen und die langen Druckzeiten machen das Gerät zu einem absoluten Spezialwerkzeug. Wer nur ab und zu mal eine bunte Figur drucken will, greift weiterhin besser zum FDM- bzw. Resin-Druck und/oder zum Pinsel.

Nun zu euch: Wäre euch der stressfreie Vollfarbdruck ohne manuelles Bemalen die hohen Folgekosten wert, oder seht ihr bei Harzdruckern mit Chip-Zwang ohnehin rot? Schreibt es uns in die Kommentare!

Quellen:

  • Flashforge Herstellerangaben (FAQs & Datenblatt)
  • 3Druck.com
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Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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