Test VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Kopfhörer mit FM-Transmitter für 77,39€

Bone Conduction Kopfhörer übertragen den Schall nicht durch die Luft, sondern durch Vibration über die Knochen des Ohres. Der VocalSkull Beyond 5 will ein solcher Kopfhörer sein und kommt ohne klassische Ohrstecker aus.

Youtube Video Preview

Wir haben vor einer Weile die Alien 5 des gleichen Herstellers (VocalSkull, hier die offizielle Webseite) getestet. Dabei handelt es sich um eine Sonnenbrille mit integriertem Lautsprecher, die ebenfalls die Bone Conduction-Technologie nutzt. Dort befanden sich die Lautsprecher im Bügel der Brille oberhalb der Ohren; hier gibt es einen Nackenbügel und die Kopfhörer sitzen vor den Ohren. Diese Konstruktion finden wir auch bei so gut wie allen anderen Bone Conduction Kopfhörern. Leider verliert das Modell dadurch auch einen Vorteil der Brille, aber dazu später mehr.

Design und Tragekomfort

Das Design unterscheidet sich wie gesagt nicht groß von anderen Bone Conduction Kopfhörern bzw. generell kabellosen Kopfhörern mit Nackenbügel. Als Farbe stehen hier Dunkelblau und Grau zur Auswahl, wobei die Unterseite mit den Bedienelementen sowie die Lautsprecher in beiden Fällen schwarz sind. Es gibt drei Tasten zum Einschalten und lauter bzw. leiser stellen.

VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Headset Details

Der Bügel ist flexibel und im Normalzustand zusammengerollt. Dadurch besteht auch immer eine gewisse Spannung, wodurch der Bügel nicht durchhängt und auf dem Nacken liegt, sondern immer von den Ohren gehalten wird. Die 41 Gramm fallen dabei nicht negativ auf; zu schwer ist der Kopfhörer zu keinem Zeitpunkt. Dafür habe ich beim Tragen ständig den Eindruck, die Hörer würden zu sehr gegen den Schädel drücken. Zu keinem Zeitpunkt ist das schmerzhaft, aber man merkt eben dauernd, dass man die Hörer trägt, während die Alien 5 Sonnenbrille und selbst gewöhnliche In-Ear-Kopfhörer eher unbemerkt bleiben.

VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Headset getragen

Der für mich deutlichste Unterschied zur Brille ist hier aber die Positionierung der Kopfhörer. Die sitzen – wie oben erwähnt – direkt vor dem Ohr. Was bei Bone Conduction-Kopfhörern normal zu sein scheint, war für mich erst mal ungewohnt, da ich zunächst eben die Brille ausprobiert hatte. Dort hatte ich es als angenehm wahrgenommen, dass man selbst bei mittelmäßig aufgedrehter Musik noch eine normale Unterhaltung führen konnte, da die Ohren frei bleiben.

Hier ist das nicht mehr möglich, da die Lautsprecher einfach viel näher am Ohr sitzen. Zwar versteht man seinen Gegenüber noch, trotzdem ist die akustische Wahrnehmung extrem eingeschränkt, wenn man die Beyond 5 trägt und Musik hört. Gut, das ist bei klassischen Kopfhörern ebenfalls so, mich stört es hier dennoch, da ich die Ohren ja eigentlich frei haben möchte.

Verarbeitung

Die Oberfläche besteht aus Silikon, was sich angenehm anfühlt. Kleiner Nachteil hier ist, dass das Staub nahezu magisch anzieht. Am Übergang zu den Kunststoffteilen steht das Material leider ein wenig über, was ebenfalls nicht ganz optimal ist. Die Kopfhörer sind aber als IP67 ausgezeichnet, also wasserdicht selbst beim kurzzeitigen Tauchen.

Klang der Kopfhörer

Kommen wir deshalb auch direkt zum Klang. Wie auch schon bei der Alien 5 Sonnenbrille bin ich mir auch hier nicht sicher, wie sehr es sich wirklich um eine Übertragung des Schalls über Vibration handelt. Genau so wie bei der Brille hört man auch hier deutlich die Musik, wenn man sein Ohr auch nur neben die Lautsprecher hält. Hier sind also definitiv einfach Lautsprecher verbaut. Besonders deutlich wird das, wenn man die Kopfhörer testhalber einfach mal direkt auf das Ohr setzt anstatt wie vorgesehen davor, wodurch der Klang merkbar lauter wird.

Wäre es nicht etwas unbequem (und sähe es nicht seltsam aus), man könnte die Beyond 5 wie ganz gewöhnliche Kopfhörer tragen – mit dem gleichen Effekt. Fairerweise muss man sagen, dass der Effekt aber deutlich nachlässt, wenn man die Kopfhörer richtig trägt. Dann funktioniert die Abschirmung nach außen ziemlich gut, und wenn man nicht direkt neben jemandem steht, hört sonst niemand die Musik.

VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Headset Tasten

Insgesamt soll das auch nicht heißen, dass die Sache mit der Knochenübertragung gar nicht funktioniert. VocalSkull hat den Kopfhörern ein Paar Ohrstöpsel aus Schaumstoff beigelegt. Hiermit kann man einfach den Selbstversuch machen und die Kopfhörer auf die Probe stellen (geht natürlich auch mit Fingern in den Ohren). Auch mit Ohrstöpseln in den Ohren kann man ganz normal Musik hören, selbst wenn man sonst nichts mehr über die Ohren wahrnehmen kann. Der Effekt ist dann tatsächlich ganz cool.

Auch merkt man sofort einen Unterschied, wenn man die Lautsprecher nur leicht anhebt: Dann hört man augenblicklich weniger. Sobald man den Kontakt wiederherstellt und die Hörer wieder auf dem Schädel aufliegen, wird es deutlich lauter. Irgendwas funktioniert hier also auf jeden Fall, mir fehlt dann nur irgendwie der Vorteil gegenüber gewöhnlichen In-Ear-Kopfhörern, von denen es wahrlich genug gute (und günstigere) Modelle gibt.

VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Headset Verpackung

Die Klangqualität ist dafür leider eher mittelmäßig. Zwar ist der Sound klar, besonders im Mittelton, und zu jeder Zeit gut verständlich, besonders im Tieftonbereich zeigen sich aber Schwächen. Der Bass hat einfach nicht genug Power und wirkt leider gar nicht auf mich, was besonders bassintensive Musikstile weniger gut klingen lässt.

Weitere Features: FM-Radio und Anrufe

Nun muss man den Kopfhörer nicht zwingend per Bluetooth mit dem Handy verbinden, um Musik zu hören. Man kann auch einfach Radioprogramme damit empfangen. Um den Modus zu starten, muss man die Plus- und Minustaste zwei Sekunden lang gedrückt halten (was mir einer Hand allerdings nur schwer gelingt). Durch die verschiedenen Frequenzen wechselt man anschließend durch gedrückt halten entweder der Plus oder Minustaste.

Das funktioniert insgesamt ziemlich gut. Zwar muss man schon mal ein bisschen Geduld mitbringen, bis man den gewünschten Sender findet, das ist aber beim Radio nun mal so, wenn man nur zwei Tasten hat. Hat man den Wunschsender einmal eingestellt, will man den ja oft ohnehin nicht mehr ändern, und empfängt dann durchaus in guter Qualität ohne starkes Rauschen. Für mich insgesamt das überraschendste Feature und ein Pluspunkt, den man sonst bei kaum einem Kopfhörer findet.

VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Headset Zubehör

Da auch ein Mikrofon verbaut ist lassen sich auch Anrufe mit den Kopfhörern führen. Dazu muss natürlich ein Smartphone via Bluetooth verbunden sein. Dann kann man einen eingehenden Anruf mit einem kurzen Druck auf den Powerbutton annehmen. Die Stimme des Anrufers versteht man dabei gut, man selbst wird nur leicht verzerrt aber immer noch deutlich wahrgenommen. Die Kopfhörer zum Telefonieren abnehmen muss man also nicht.

Fazit

Ich bin ein bisschen hin und her gerissen. Einerseits ist die Technologie wirklich cool und funktioniert ja auch irgendwo (selbst wenn es kein „wirkliches“ Bone Conduction ist). Andererseits fehlt mir dann ein bisschen der wirkliche Vorteil gegenüber normalen In-Ear Kopfhörern. Immerhin nimmt man zumindest laute Umgebungsgeräusche noch wahr. Und auch, wenn der Sound hier etwas besser ist als bei der Alien 5 Sonnenbrille und auch besser abgeschirmt ist, hatte die Brille immerhin noch irgendetwas Besonderes an sich („Was, du hörst Musik mit der Sonnenbrille?“), was dem Kopfhörer dann schon wieder fehlt. Wirklich cool ist die Radio-Funktion, die ein kleines Highlight der Kopfhörer ist. Lieder mit viel Bass ballern dafür einfach nicht genug, was wohl an der zu Grund liegenden Technologie liegt.

VocalSkull Beyond 5 Bone Conduction Headset und Sonnenbrille

Wenn man wirklich Kopfhörer zum Sport sucht, ist man meiner Meinung nach mit In-Ear-Kopfhörern besser beraten. Soll es Bluetooth anstatt Kabel sein, können wir zum Beispiel die Mpow Judge empfehlen, oder sogar die Redmi Airdots als vollständig kabellose Alternative. Nur wenn man unbedingt den Vorteil genießen möchte, dass die Ohren frei bleiben und man seine Umgebung so besser wahrnimmt, könnten die VocalSkull Beyond 5 dafür die richtige Wahl sein.

Und andererseits hat keiner dieser Kopfhörer ein eingebautes Radio. Ist man also leidenschaftlicher Radiohörer und kann sich vielleicht sogar noch für neue Technologien begeistern, findet man darin zwei weitere Kaufargumente.

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Jens

Aktuell interessiert mich vor allem das Thema E-Mobilität; die neuen E-Scooter erwarte ich mit Vorfreude. Als leidenschaftlicher Zocker freue ich mich auch über alle Gadgets mit Gaming-Bezug.

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Kommentare (10)

  • Profilbild von XMithy
    18.05.19 um 20:19

    XMithy

    Ein Vorteil ist, dass man diese Kopfhörer tragen kann in Bereichen wo man dennoch Gehör braucht, wie z.B. in Bereichen mit Staplerfahrern, Kranfahrern oder ähnlichem.

  • 19.05.19 um 10:40

    TK63

    Für Brillenträger nicht nutzbar!

    • Profilbild von Herbert Knebel
      19.05.19 um 15:30

      Herbert Knebel

      @TK63: Für Brillenträger nicht nutzbar!

      Das funktioniert genauso gut/schlecht wie jeder Bügelkopfhörer – irgendetwas drückt immer auf die Brillenbügel…

  • Profilbild von Meizu
    19.05.19 um 10:47

    Meizu

    Genau das dachte ich mir auch gleich. Oder einfach auf dem Fahrrad im Straßenverkehr.
    Aber für den Preis ist es mir noch zu teuer zum testen, zumal die Technik noch nicht ganz ausgereift scheint.

  • Profilbild von Herbert Knebel
    19.05.19 um 15:36

    Herbert Knebel

    BTW, solche Kopfhörer mit Bluetooth 4.0 gibt es ab ~25,- EUR bei eBay. Ich habe einen (22,99 EUR). Hervorragend zum Podcast-Hören beim Kochen, z. B. – man hört sowohl das Essen brutzeln als auch die Timer oder die Türklingel…

    Musik würde ich auf so einem Teil NICHT NIE NIEMALS hören wollen…

    Und von wegen "die haben auch nur einen Lautsprecher eingebaut": deshalb nennt man Bone Conduction im Deutschen auch "KnochenSCHALL" – wie wollt Ihr Vibrationen OHNE Lautsprecher übertragen? 🙂

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