Warnung! Alfawise X6A 3D-Drucker (Anycubic I3 MEGA Klon) für ~250€

Ja, die 3D-Drucker aus China haben definitiv einen kleinen Hype ausgelöst – keine Frage. Deswegen springen natürlich immer mehr Hersteller auf den Zug auf und wollen so einen schnellen Dollar verdienen. So hat GearBests Eigenmarke „Alfawise“ innerhalb von sechs Monaten drei neue 3D-Drucker auf den Markt gebracht.

War der Alfawise U10 noch ein echt guter 3D-Drucker, so war der U20 schon sehr „durchwachsen“. Beim neuen Alfawise X6A wird der Käufer (zumindest momentan) zum Tester/Entwickler degradiert. Meinen Test habe ich freudig gestartet und gefrustet beendet.

alfawise x6a rendergrafik

Der Alfawise X6A sieht auf den ersten Blick eigentlich recht vielversprechend aus: Metallbody, zwei Z-Achsen, Touchscreen, Auto-Levelsensor und auch ein Filamentsensor wurden verbaut. Bei der Bauart hat man sich an dem Anycubic I3 MEGA orientiert, was definitiv auch nicht schlecht ist. Preislich liegt man auf dem selben Niveau, verbaut aber eben ein bisschen mehr „smarte“ Technik.

Alfawise: Wer genau steckt hinter der Marke?

Vorab möchte ich – wie auch in den anderen Tests – ein paar Worte zu der Marke „Alfawise“ verlieren. Alfawise ist die Eigenmarke von GearBest. Bisher hat die Brand eher Smarthome-Gadgets und TV-Boxen gelabelt (aktuell 95 Produkte im Shop), allerdings scheint die gestiegene 3D-Drucker-Nachfrage für GearBest so lukrativ geworden zu sein, dass man Hersteller wie Creality3D und Co. ausbootet und die eigene Marke pusht – die Gewinnmarge und Lieferkette wird besser bzw. planbarer. Immer wieder verschwinden so „zufällig“ Creality3D-Drucker aus dem Sortiment.

Waren es vor ~3 Monaten noch etwa 60 Alfawise-Gadgets im Shop, so sind es heute (September 2018) bereits 92 Produkte. Dennoch wird GearBest die 3D-Drucker sicherlich nicht selbst herstellen. Während ich bei meinen zwei ersten Alfawise-3D-Drucker-Tests bereits vermutet habe, dass Tronxy die 3D-Drucker für Alfawise herstellt, so bin ich mir jetzt sicher.

tronxy display
Upsiiiii. Das ist wohl ein sehr eindeutiges Indiz

„Alfawise“ verbaut die gleichen Kuppler, Heizbetten, Stepper, Extruder-Lösungen und beim Firmware-Start taucht noch der Schriftzug „Tronxy“ auf. Besonders schade: Die schlechte Verarbeitungsqualität des Gehäuses und das mangelhafte Überprüfen vor dem Shipment kauft Alfawise gleich mit. Dazu später mehr.

Verpackung, Versand und Zubehör

Habe ich Tronxy für die Verpackung des neuen X2 oder C5 verflucht, so ist der Alfawise X6A wirklich gut verpackt. Der Karton wies außen über keinerlei Schäden auf.

alfawise x6a verpackung
Gut verpackt. Sollte eigentlich mal eine ganze Filamentrolle beigelegt werden?

Interessanter Weise liegt der Aufbau jetzt um die Elektronikbox herum, sodass das Paket nur mit einer Ebene auskommt. D.h. das Paket ist nur ~60% so hoch wie andere 3D-Drucker in der Größe. Der Schaumstoff schützt die Innereien.

Alfawise X6A Verpackung
Alfawise X6A Verpackung: Alles auf einer Ebene. Das spart Platz.

Beim Auspacken fallen einem direkt die Ähnlichkeiten zum Anycubic I3 Mega auf. Aber auch zum Tronxy X2. Nehmt euch mal kurz die Zeit und vergleicht meinen X2-Artikel mit den folgenden Fotos.

alfawise x6a ausgepackt
Die Ähnlichkeit zum I3 Mega ist unverkennbar.

Die Folie ist identisch, der Feeder-Stepper, der Y-Zahnriemenspanner, Filamentrollenhalterung – alles haben wir beim Tronxy X2 schon gesehen. Nun denn: Schnell den Aufbau angeschraubt und der 3D-Drucker ist dann auch in 20 Minuten zusammengebaut. Leider sind die Schrauben zu kurz und vom Durchmesser zu dünn geraten.

X6A Schrauben viel zu kurz
Die Schrauben für den X6A sind viel zu kurz (und dünn)

Generell wirkt der Alfawise X6A etwas „klappriger“ als das Vorbild, der Anycubic I3 MEGA. Leider liegt auch keine Filamentzange und Filamentspachtel bei, sodass ihr euch erst einmal z.B. mit einem Messer und Schere behelfen könntet.

Auch missfällt mir das Kabelmanagement. Einige Kabel sind vieeeel zu lang, das Stepperkabel ist jedoch auf Spannung – unschön.

Die ersten 3D-Drucke

Die ersten Drucke mit dem X6A waren frustig. Warum? Weil es fast keine 3D-Drucke gab. Nach dem „Hochfahren“ wollte ich alle Achsen manuell abfahren und habe dabei gemerkt, dass die linke Z-Achse nur zuckt. Mist. Ist der Stepper kaputt? Also fix den Stepper ausgetauscht (an die die hinteren Schrauben kommt man nur schwer) und es erneut versucht: Wieder Fehlanzeige.

Also muss das Problem davor liegen. Die Kabel zurück bis durchs Gehäuse verfolgt, den Unterboden aufgeschraubt und festgestellt: Ja, da steckt ein Kabel nicht im Stecker. ABER: das ist das Kabel für einen Endstop – na klasse – da wäre es dann spätestens gescheitert.

Stecker lose
Ups. Hier hat sich gleich ein ganzes Kabel gelöst.

Also das Z-Stepper-Kabel weiter verfolgt und festgestellt, dass eine Ader sich im Stecker gelöst hat. Genau das Problem hatten wir schon beim Tronxy X2 (und bei keiner anderen Marke!). Wie kann das sein? Werden die Tronxy 3D-Drucker nicht final im Werk getestet? Kabel lösen sich definitiv nicht mal so einfach – auch nicht bei tausenden Kilometern Shipment.

Eine Ader hat sich am Stecker gelöst - wie kann das passieren?!
Eine Ader hat sich am Stecker gelöst – wie kann das passieren?!

Wenn wir schon einen Blick ins Innere werfen: Alfawise bzw. Tronxy verbaut wieder ein NoName-Mainboard (CXY-V5-180409 von Tronxy selbst), sodass die Suche nach Firmware-Updates (Stichwort: Marlin etc.) schwierig werden dürfte. Open-Source wird die Firmware so oder so nicht sein/werden. Das Board verfügt über einen zweiten Extruder-Stepper-Stecker, sodass man ggf. einen weiteren Extruder nachrüsten könnte – das passende Icon „E2“ wird auch beim 3D-Druck später angezeigt.

mainboard x6a
Noname Mainboard von Tronxy: Immerhin mit zweitem Extruder-Stepper-Anschluss

Übrigens: Wir arbeiten hier mit 12V Spannung, sodass das Aufheizen des Heizbetts und Hotends bei PLA-Temperaturen gut 7(!) Minuten dauert. Da das Heizbett auch von unten nicht isoliert ist, muss entsprechend oft nachgeheizt werden. Das ist unnötig.

Also wieder das manuelle Abfahren der Achsen und … es klappt. Allerdings schleift, quietscht und rasselt es aus allen Ecken. Die Rods sind schlecht verschraubt, die Umlenkrollen nicht auf die Zahnriemen abgestimmt.

Auch das habe ich „gefixt“ bekommen, allerdings habe ich es abschließend nicht geschafft ein „Klackern“ auf der X-Achse zu eliminieren. Ehrlich gesagt hatte ich auch keine Lust mehr.

Zwischenstand:
Zwischenstand: Druckkopf & Unterboden geöffnet, Z-Rods ausgerichtet, Kabel besser verlegt … meh :-(.

Ach, habe ich erwähnt, dass der Thermistor im Hotend kaputt war? Das führte dazu, dass der 3D-Drucker nie seine Temperatur erreicht hat. Es gibt aber auch keinen „Thermal Runaway“ (wie bei Marlin), sodass das Hotend vermutlich längere Zeit auf 280-300 Grad lief – bis ich dies gemerkt habe. Also habe ich gleich auch noch einen anderen Thermistor eingesetzt.

Es lief dann immerhin. Beim Zuschrauben des Bodens noch einmal über die „Spaltmaße“ gewundert, aber nur gedacht: „Jup, kennt man ja von Tronxy„. Ja, wir bezahlen hier keine 2000€, aber ehrlich: Das bekommen auch Hersteller bei 3D-Druckern für 150€ besser hin.

Gehäuse Qualität
Gehäuse Qualität: Sind wir leider so von Tronxy gewöhnt.

Nun also das automatische Leveln. Hey, wir haben hier einen BLTouch-Klon von Tronxy – vielleicht kommt jetzt ja Freude auf? Nein. Das Setzen des Z-Offsets wird zwar per Interface erledigt, man bekommt allerdings keinerlei Feedback.

Zudem empfehle ich euch dringend den Sensor möglichst weit nach oben zu schieben, da sonst das Hotend in das Heizbett ge-ra-mmt wird! Mir hat es erst einmal ein Loch in die Folie gebrannt. Die Firmware ist wirklich mies. Vielleicht wäre die Heizbettoberfläche noch OK, wenn Alfawise hier eine „Ultrabase“ (wie beim Anycubic) verbaut hätte. D.h. eine Glasscheibe mit etwas Profil. Diese möchte ich z.B. beim Creality3D CR-X nicht mehr missen.

Vor jedem 3D-Druck wird das automatische Leveln neu ausgeführt (okay), aber dabei schon fleißig Filament extrudiert. Warum?! Vor dem eigentlichen Druck muss man also noch schnell die Filamentreste vom Heizbett fummeln. Ich habe (obwohl ich bestimmt schon 15 3D-Drucker mit Autoleveling getestet habe), etwa 60 Minuten mit der buggy Firmware rumgeklickt.

Autoleveling
Autoleveling: In der Theorie (und bei anderen) nett, aber nicht bei diesem 3D-Drucker.

Nun also der erste 3D-Druck. Das Druckergebnis ist … mies. Schuld daran ist gar nicht mal der 3D-Drucker, sondern das beigelegte Filament. Es ist so hart/brüchig, dass es mir mehrmals im PTFE-Schlauch gebrochen ist! Beim Auskühlen oder bei einer Pause ist es vor dem Hotend oder beim Feeder gebrochen. WTF.

Natürlich führte das auch zu einem verstopften Hotend.

Nun erkenne ich schlechtes Filament relativ schnell, ich weiß aber auch: Die Problemanalyse ist, besonders für Einsteiger, nicht gerade einfach. Sehr schnell bekommt der 3D-Drucker die Schuld zugeschoben. Für mich erhärtet sich der Eindruck: Alfawise will einfach an allen Kleinigkeit die letzten Cent sparen – also auch bei Banalitäten, wie dem Filament.

Druckqualität mit beigelegtem Filament
Druckqualität mit beigelegtem Filament: Mies.
Druckqualität mit beigelegtem Filament: Mies.
Druckqualität mit beigelegtem Filament: Mies.
Druckqualität mit beigelegtem Filament: Mies.
Druckqualität mit beigelegtem Filament: Mies. Beim Lösen auch gleich durchgebrochen.

Nach dem Erfolg immerhin überhaupt drucken zu können, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen und habe das Filament noch getauscht und die Zahnriemen noch einmal nachgespannt. Irgendwie war der Ehrgeiz (oder war es Wut?!) dann doch da.

Es geht besser!
Aha, geht doch. Wenn das Filament nicht ganz bescheiden ist …
Qualität
Dennoch erkennt man an den Kanten das Zick-Zack-Muster.

Nach letztem „Tweaken“ und dem Reduzieren der Geschwindigkeit (40 mm/s -> lahm!) habe ich dann endlich Ergebnisse erreicht, die ich mit einer Schulnote 2 – benoten würde. Theoretisch kann man also aus dem X6A was herausholen.

x6a qualität kristian

Um dieses Druckergebnis zu erreichen habe ich allerdings über 6 Stunden investieren und testen müssen. Genau dafür soll der 3D-Drucker ja nicht sein. Was Alfawise dem Kunden hier bietet ist schlicht … dreist.

Ach ja: Um den Gesamteindruck der Firmware zu bestätigen, habe ich versucht nach einem simulierten Stromausfall (d.h. Stecker ziehen und wieder reinstecken) den Druck weiterzuführen – ohne Erfolg. Es wird zwar gefragt, ob der 3D-Druck fortgesetzt werden soll, aber letztlich startet der 3D-Drucker bei 0 und kracht natürlich gegen das bereits bestehende Druckobjekt.

Immerhin könnte Alfawise einen Teil der Probleme durch ein Firmware-Update lösen. Leider gibt es jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keins. Wenigstens das Navigieren durch die Menüs klappt, dank Touchscreen, ganz gut.

Fazit: Alfawise X6A 3D-Drucker kaufen?

Den X6A kaufen? Machen wir es kurz: Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt definitiv nicht. Die Firmware ist gefühlt noch in der Alphaversion –  das automatische Leveln klappt nur mit „Trial and Error“. Auch die Hardware ist, trotz vieler Features, nicht bis zu Ende gedacht. Zu kurze Kabel und Schrauben, zu schlechte Komponenten (Feeder), zu schlechte Gehäusequalität. Auspacken und losdrucken? Definitiv nicht mit diesen 3D-Drucker.

Alfawise versucht nach außen mit vielen Extras zu werben, doch im „Inneren“ hakt es überall. In der Summe wird hier so viel verschlampt, dass man GearBests Eigenmarke Mutwilligkeit unterstellen könnte.

Alfawise Schriftzug
Man achte auf das „i“. Wenn schon das eigene Logo so aufgeklebt wird …

Wenn dir diese Bauart gefällt, würde ich dir, wie so oft, zum Anycubic I3 MEGA raten. Auch wenn dieser 3D-Drucker schon etwas älter ist, so liefert er einfach sehr gute Druckergebnisse und ist seit dem Erscheinen auch gut im Preis gefallen.

Wenn es ein größerer Bauraum sein soll, kann der Alfawise U10 („es geht ja eigentlich, Alfawise!“) oder das Vorbild, der Creality3D CR-10 etwas für dich sein. Fairerweise muss ich abschließend sagen: Wir haben eine Pre-Sale-Version bestellt – d.h. vielleicht hatten „nur“ 100 andere Besteller in diesem Umfang auch Pech.

Kristian

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5 Kommentare

  1. Profilbild von diger

    Tja, ein Touchscreen ist eben nicht alles…

    Veröffentlicht mit der China Gadgets-App für Android.
    • Profilbild von kristian
      kristian (CG-Team)

      Auf meiner Bewertungsskala auch tatsächlich eher ganz am Ende. Ist halt beim Start sehr bequem, aber das Feature nutzt man ja wirklich nur einen miniminiminimalen Anteil der Zeit.

      Deswegen ist das klassische Druck-Drehrad nach wie vor für mich "“OK"“.

  2. Profilbild von Sokkel

    Vielen Dank für den Test, war, wie immer beim Thema 3D sehr informativ. Eigentlich juckt es mich ja immer wieder in den Fingern, mir selber einen zu kaufen. Zur Zeit gibt’s z.B. den CR-10 für 259,50 € bei Gearbest… Aber wie brauchbar sind die Ausdrucke eigentlich im Alltag, kann man auch belastete Teile drucken. Z.B. sind die Trittschalen von unserem Crosstrainer kaputt und es gibt keine Ersatzteile mehr. Die sind aber 40 cm lang und müssten daher in Teilen gedruckt werden.

    Hätte es da einen Sinn, die wie in der angehängten "“3D-Skizze"“ auszudrucken und mit langen Schrauben zusammenzuschrauben? Oder arbeitet der Kunststoff unter Belastung zu viel und die Schalen wären eh gleich kaputt?

    Kommentarbild von Sokkel
    • Profilbild von kristian
      kristian (CG-Team)

      Es köööönnte mit ABS als Werkstoff funktionieren. Den Infill entsprechend hochsetzen (30%+, gerade an den Außenseiten), dann kann das klappen. Käme auf einen Test an. Notfalls halt mit 80% Infill drucken, da dir das Gewicht ja egal ist, oder?

      LG

  3. Profilbild von Druckerz

    Wow, da lief ja einiges schief bei dem Drucker

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