Matter: DAS solltet ihr über den neuen Smart-Home Standard wissen

„Ist das mit Aqara kompatibel?“, „Kann ich das mit Hersteller XY nutzen?“ – solche Fragen kamen und kommen in Sachen Smart-Home-Kompatibilität verschiedener Hersteller und ihrer Produkte immer wieder. „Matter“ heißt hier oft das Zauberwort. Aber: Was ist das überhaupt genau? Was verändert es und wer unterstützt was?

Matter Logo

Aqara & Matter?

Wir haben uns in Kooperation mit dem Smart Home-Spezialisten Aqara einige Gedanken gemacht um etwas mehr Durchblick in Bezug auf den kommenden Smart Home Standard Matter im mittlerweile recht undurchsichtigen „Smart Home-Wald“ zu schaffen.

Aqara Releases Details around its First Matter compatible Devices

Denn in diesem Wald tummeln sich unterschiedliche Hersteller mit mehreren (teils proprietären) Protokollstandards. Mit Matter soll die naheliegende Frage nach der Kompatibilität dieser Hersteller und ihrer Produkte untereinander irrelevant werden. Aber: Was heißt das eigentlich?

Matter Geraet
Bringt breite Kompatibilität & Durchblick im Smart Home Chaos: Matter-Symbol

Was ist Matter?

„Einer für Alle“ lautet die Lösung des Open-Source Projekts Matter. Es handelt sich um einen Verbindungsstandard, der als übergreifender Smart Home-Standard für bisher übliche Protokolle bzw. Verbindungsarten im Smart Home wie etwa ZigBee, Z-Wave, Thread oder WLAN fungieren soll. Matter ersetzt die bestehenden Protokolle damit aber nicht, sondern macht sie untereinander kommunikationsfähig – bringt ihnen also softwareseitig sozusagen eine gemeinsame Sprache bei.

Smarthome Standards
Macht bestehende Protokolle kommunikationsfähig untereinander: Matter

Wie funktioniert Matter?

Matter nutzt neben WiFi und Ethernet den verhältnismäßig jungen Protokollstandard Thread. Ähnlich wie ZigBee auch handelt es sich um ein sehr energieeffizientes Übertragungsprotokoll, das zudem Mesh-Funktionalität bietet: je mehr Thread-fähige Geräte ihr habt, desto stabiler ist euer Smart Home-Netz.

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Matter setzt wie viele andere Übertragungsprotokolle auch auf das Internet-Protokoll (IP). Geräte, die dem Matter-Standard entsprechen sollen, müssen daher auf mindestens eine dieser IP-basierten Verbindungsmöglichkeiten zurückgreifen können:

  • Ethernet-/LAN-Kabel („Matter über Ethernet“)
  • WiFi / WLAN („Matter über WLAN“)
  • Thread („Matter über Thread“)

Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Wird auch Bluetooth Low Energy (BLE) unterstützt? Korrigiert uns gern, aber hier lautet die Antwort: Jain. BLE läuft als eine Art „Matter-Nebenprojekt“. Es wird nämlich bei der Ersteinrichtung unterstützt, denn Matter-fähige Geräte lassen sich mit dem Smartphone ins bestehende Smart Home wie bei anderen Herstellern auch via Bluetooth einbinden.

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Matter: Bluetooth Low Energy (BLE) für die Ersteinrichtung – sonst nur via bestehendem BLE-Hub mit Matter-Update.

Die eigentliche Kommunikation im Netzwerk muss dann aber über Ethernet, Wifi oder Thread laufen. Das heißt für BLE-Geräte: Entweder ist ein Dualchip verbaut, der sowohl BLE als auch beispielsweise Thread unterstützt, oder aber: ein bestehender Hub mit BLE-Unterstützung in eurem Netzwerk wird via Update Matter-fähig gemacht.

Warum setzt Matter auf Thread?

Warum nutzt Matter aber Thread und nicht etwa ZigBee? Ganz einfach: Da ZigBee Direct (was das ist, erfahrt ihr hier) noch Zukunftsmusik ist, gibt es zwischen Thread und ZigBee einen kleinen Unterschied: Eine dedizierte Schaltzentrale – ein sogenannter Hub bzw. Gateway – ist bei Thread nicht erforderlich.

Tuya Smart Home Test Hub
Entfällt bei Matter: Klassischer Smart Home Hub (hier: Tuya Zigbee-Gateway)

Stattdessen setzt Thread – und damit Matter – auf einen Matter Controller oder Border-Router. Aber: Dafür sind keine eigenständige Geräte und damit keine Extra-Hubs notwendig. Stattdessen ist die Border-Router-Funktion in verschiedene Geräte bereits integriert.

An Bord haben diese für Matter erforderliche Border-Router-Integration bereits beispielsweise der aktuelle Apple HomePod mini oder Apple TV, genauso wie Amazons Echo- oder Googles Nest-Reihe. Aqara wird hier im Laufe des Jahres 2023 mit dem neuen Hub M3 auch den Border-Router direkt integrieren und damit von Werk aus Matter nativ unterstützen.

Dass aber mittlerweile auch bei ZigBee-basierten Systemen im Grunde kein separater Hub mehr notwendig ist, zeigt Aqara beispielsweise mit dem G3 Camera Hub, bei dem der Hub praktischerweise bereits integriert ist.

Camera Hub G3 pc 01

Was verändert sich dank Matter?

Vereinfachung & Universalität

In Zukunft soll es egal sein, ob ihr z.B. smarte Lampen von Hersteller X mit dem Protokoll Y habt – ihr könnt sie alle dank „Multi-Admin-Funktion“ mit eurer Lieblings-Smart Home App in euer Smart Home einbinden und in Bezug auf Geräteschaltungen, -messwerte und -zustände nutzen.

Apropos Nutzen: Nutzt z.B. ein Familienmitglied eine andere Smart Home App, gebt ihr zukünftig einfach entsprechende Rechte für euer Smart Home frei. Das gilt nicht nur für unterschiedliche Apps, sondern auch unterschiedliche Betriebssysteme: Es ist egal, ob ihr Android oder iOS nutzt. Auch die Sprachsteuerung durch Google Assistant, Amazon Alexa oder Apples Siri ist damit für alle Matter-fähigen Geräte prinzipiell möglich.

ZigBeeDirectEinrichtungviaSmartphone
Dank Matter app-, system- und protokollübergreifend alles im Smart Home Griff?

Aber: Matter ist nur für die Kommunikation der Geräte untereinander zuständig. Für das, was das Smart Home dann aber eigentlich spannend macht, nämlich die Automationen nach dem „Wenn, dann- Prinzip“ gelten andere Spielregeln: So könnt ihr entsprechende Automationen zwar in unterschiedlichen Apps nutzen, wollt ihr sie aber ändern, müsst ihr auf diejenige App zugreifen, mit der ihr sie erstellt habt. Außerdem braucht ihr für den Fernzugriff auf eurer Netzwerk nach wie vor entweder eine Cloud oder ein selbst konfiguriertes VPN (Virtual Private Network).

Sicherheitsvorteile

Bei Matter ist die komplette IoT-Kommunikation vollverschlüsselt: Jedes Matter-fähige Gerät erhält ein individuelles Matter-Zertifikat, das mit einer dezentral gespeicherten, speziell geschützten Datenbank abgeglichen wird. Kommt ein Update hinzu, muss dieses vom Hersteller in dieser Datenbank vermerkt werden. Wie das Ganze konkret funktioniert, könnt ihr z.B. hier nachlesen.

Matter Sicherheit
Matter kommt mit Vollverschlüsselung und Zertifikatsabgleich mittels dezentraler Datenbank.

Die Matter-Kommunikation erfolgt außerdem lokal – das heißt in eurem Netzwerk und nicht wie bei anderen Plattformen (Tuya) über eine Cloud. Auch hier liegt der Sicherheitsvorteil auf der Hand. Aber: Inwieweit die Hersteller ihre jeweilige Cloud für Zusatzfunktionen ihrer Geräte einsetzen, ist ihnen weiterhin überlassen. Vorstellbar ist aber, dass auf lange Sicht beispielsweise einfache Sprachbefehle ebenfalls dezentral und damit lokal bei euch vor Ort verarbeitet werden (Stichwort: Edge Computing, mehr dazu hier).

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Matter-Kommunikation innerhalb der eigenen Wände statt über die Cloud

Wie soll Matter eingeführt werden?

Die Matter-Umstellung soll in zwei Schritten erfolgen. Schritt 1 umfasst Geräte der Kategorien Beleuchtung und Elektrik, Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik, Türschlösser, Sensoren (Tür, Temperatur, Feuchtigkeit, Bewegungsmelder), Rolläden/Jalousien, Fernseher und insbesondere Gateways.

Schritt 2 umschließt dann Produktkategorien wie Küchen- und Haushaltsgeräte (Beispiel: Staubsaugerroboter), Videotürklingeln, Überwachungskameras, (Border-) Router und E-Auto-Ladetechnik.

Was passiert mit meinen „Alt-Geräten“?

In den meisten Fällen wird ein Software-Update die Nutzung von Matter möglich machen – vorausgesetzt die verbaute Technik unterstützt IP-basierte Übertragungsprotokolle wie LAN, WLAN oder Thread. Vorteil: Auch ZigBee, Z-Wave oder das bereits erwähnte Bluetooth lassen sich indirekt trotzdem weiterhin nutzen, sofern nur der ursprünglich dafür eingesetzte Hub per Update Matter-fähig wird. Die meisten Geräte auf dem Markt sollten also auf lange Sicht kompatibel sein.

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„Alt-Gerät“, das schon Matter kann: Aqara Hub M2

Wollt ihr aber auf euren alten Hub verzichten oder nutzt nur WLAN- oder Bluteooth-IoT-Geräte, dann werden nicht alle bestehenden IoT-Geräte kompatibel sein. Dies ist etwa dann der Fall, wenn z.B. der entsprechende Bluetooth- oder WLAN-Chip einfach zu alt und die Rechenleistung für Matter nicht ausreichend ist. Bis wie weit die Hersteller in ihren jeweiligen älteren Produktlinien für die Matter-Kompatibilität zurückgehen werden, ist ungewiss. Ein Zeitplan für eine Aufrüstung oder Update-Verteilung existiert nicht.

Welche Aqara-Geräte unterstützen bisher Matter?

Aqara setzt auf ZigBee und ist damit ein Smart-Home System, das zwingend einen Hub benötigt. In Bezug auf Matter hat das aber auch den Vorteil, dass im Grunde nur der jeweilige Aqara Hub ein Matter-Update benötigt. Dies ist etwa seit dem 13. Februar 2023 für den Aqara Hub M2 der Fall. Weitere Aqara-Hubs, wie etwa der Hub M1S/M1S Gen 2, Hub E1, Camera Hub G3 und Camera Hub G2H Pro werden in den nächsten Monaten per Update Matter „sprechen“ können.

Xiaomi Aqara Smarthome-System Europa Steuerung
Bekommt ebenfalls Matter: Der Aqara Hub M1S

Sofern ihr also den Aqara Hub M2 mit neuestem Software-Update habt, sind damit (Stand: Februar 2023) bereits mehr als 40 Aqara-Geräte in der Lage, mit anderen Matter-fähigen Geräten zu kommunizieren. Die Konkurrenz von Samsung & Co wird hier erst in ein paar Monaten nachziehen.

Matter-fähig sind so beispielsweise die bei uns vorgestellten Aqara-Geräte wie das Aqara E1 Heizkörperthermostat, die Aqara Tür- und Fenstersensoren, der Aqara Bewegungsmelder P1 oder der Aqara Vibrationssensor. Welche Aqara-Geräte sonst noch konkret gemeint sind, könnt ihr euch auf der Herstellerseite ansehen. In Zukunft sollen mehr als 160 Aqara-Geräte Matter-kompatibel sein.

Aqara Smart Camera Hub G3 Sensoren
Bald komplett mit Matter kompatibel: Aqara Smart Home System

Gleichzeitig hat der Hersteller angekündigt, auch eine Reihe neuer Produkte mit nativem Matter-Support vorzustellen, welche statt ZigBee direkt auf Thread basieren. Dazu gehören u.a. die voraussichtlich im Frühjahr 2023 vorgestellten Tür- und Fenstersensoren P2 sowie die Bewegungs- und Lichtsensoren P2. Zudem soll auch die Aqara Home App für Matter-Geräte von Drittanbietern geöffnet werden. Aqara stellt sich hier also durch eine frühzeitige und umfassende Matter-Kompatibilität zukunftssicher auf.

Aqara Smart Camera Hub G3 Aqara App Uebersicht
Bald offen für Matter-Geräte von Drittanbietern: Aqara Home App

Wenn ihr abseits von Aqara ganz allgemein wissen wollt, welche Geräte bisher Matter-zertifiziert sind, könnt ihr das auf dieser Seite nachschauen. Wichtig: Auf der rechten Seite unter „Program Type“ muss „Matter“ ausgewählt sein.

Ausblick: Wird sich Matter durchsetzen?

In der Vergangenheit sind Einheitsbestrebungen im Smart Home Sektor immer gescheitert. Mit Matter wird das aber sehr wahrscheinlich anders aussehen. Denn dem Matter-Standard haben sich mehr als 520 Hersteller in der Connectivity Standards Alliance (CSA) verschrieben. Dazu gehören namhafte Hersteller wie Apple, Google oder Amazon mit einer gewissen Marktmacht.

CSA 1

In der Praxis ist Matter mit dem offiziellen Release von Matter 1.0  im Oktober 2022 bereits veröffentlicht worden. Matter ist also da. Nur: Die Implementierung durch die Hersteller ist freiwillig. Wie umfänglich Matter also wann und wie von wem umgesetzt wird, obliegt den jeweiligen Herstellern – und die halten sich bisher leider oft mit klaren Ansagen und Taten diesbezüglich zurück. Aqara bietet hier durch das Teilen einer ersten Roadmap für Matter-kompatible Geräte eine erfreuliche Ausnahme – nur an der Einhaltung des Zeitplans muss noch gearbeitet werden.

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Profilbild von Thommy

Thommy

Wenn ich nicht gerade mit Familie und Freunden unterwegs bin, findet man mich im Bastelkeller. Dort tüftele ich zwischen Multiplex Easystar-Klonen, Impeller-Jets, RC-Crawlern und insbesondere meinem geliebten Anycubic Mega S, dem möglichst bald noch weitere 3D-Drucker folgen sollen.

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Kommentare (10)

  • Profilbild von Hallo
    # 22.02.23 um 20:17

    Hallo

    Mir wäre schon sehr geholfen wenn das Aqara M2 Hub mit meinen Yeelight Lampen oder meinen xiaomi / Mjia Ventilatoren funktionieren würde… Was es nicht tut… Werde das M2 wieder zurück schicken und mich mit iobroker und Conbee 2 wohl auseinander setzen dürfen.

    • Profilbild von Pigeon
      # 23.02.23 um 01:26

      Pigeon

      Bevor Du mit ioBroker durchstartest, guck Dir auch Home Assistant an, möglicherweise wirst Du damit deutlich glücklicher. Einen Conbee2 bekommst Du daran sowohl mit der integrierten Zigbee-Implementierung ZHA ans Laufen wie auch mit den parallel auf dem Gerät/der VM in wenigen Klicks installierbaren und über Integrationen anbindbaren Addons deCONZ und (mein persönlicher Favorit) Zigbee2MQTT.

      Mit einem Zigbee-Stick/-Hat mit einem Silabs ERF32MG2x-SoC mit MultiPAN-Firmware statt Conbee2 kann Dein Home Assistant ausserdem parallel zu Zigbee auch Thread sprechen, und fungiert nach Installation des OpenBorderRouter-Addons auch als Matter-Border-Router. Matter spricht der Home Assistant selbst natürlich auch, Nabu Casa (die niederländische Firma, die die Entwicklung von Home Assistant vorantreibt) ist auch Mitglied im Matter-Konsortium.

      Yeelight-Leuchtmittel/-Lampen mit Zigbee sind mir übrigens nicht bekannt, sondern eigentlich nur WiFi. Aber die bindet der Home Assistant wahlweise über die Yeelight-/Xiaomi-Integration oder als Homekit-Gerät ein. Letzteres ist besonders simpel, da die Leuchtmittel automatisch erkannt werden und mit einem Klick integrieren lassen, sobald sie im Netzwerk auftauchen.

      • Profilbild von Hallo
        # 23.02.23 um 16:45

        Hallo

        Wow, danke für deine offenkundig fachliche Antwort 😇👍🏻. Hast du einen Tipp wie ich mein Setup gestalten könnte? Dachte erst an einen Rasberry aber die Preise sind mir für den Zweck aktuell zu hoch. Ich habe hier noch ein altes Sony Vario Netbook mit Intel Atom CPU rumliegen, befürchte aber dass es zu wenig Power hat. Und ehrlich gesagt, habe ich von deinem Kommentar nur gut 98 Prozent verstanden (technische Begriffe). Gibt es eine Alternative zum Conbee II die mit Home Assistent im vergleichbaren Umfang funktioniert?

        • Profilbild von Pigeon
          # 24.02.23 um 02:46

          Pigeon

          Also ich habe mehrere Jahre Home Assistant (und vorher ioBroker) in einer VM betrieben, habe das dann aber aus Energiespargründen auf einen Mini-Rechner umgezogen. Da der Raspi 4 kaum lieferbar war, habe ich dann zu einem Intel NUC gegriffen, den ganz kleinen mit 2-Kern-Atom-CPU. 4GB RAM und eine SSD aus dem Fundus dazu, und die Kiste rennt.

          Das ist insgesamt zwar auch nicht günstiger als Raspi 4 geworden, hat aber zahlreiche Vorteile:

          1. Der Raspi 4 ist berüchtigt dafür, dass seine USB3-Ports 2.4GHz-Geräte in ihrer Nähe stören, weshalb es üblich ist, dass die Nutzer ihre Zigbee-Sticks, Bluetooth-Sticks (das BT des Raspi 4 taugt nichts) und oft auch WLAN-Sticks (das WLAN ist wohl hinsichtlich Stabilität auch nicht viel besser) an USB2-Verlängerungskabeln betreiben. Mit dem NUC konnte ich derartige Probleme auch bei direktem Betrieb an USB3-Ports nicht feststellen, und das Intel-WLAN und Intel-Bluetooth läuft super. LAN-Verbindung ist natürlich trotzdem sinnvoller als WLAN.

          2. Ein Smarthome protokolliert viel und schreibt ständig Stati und Statistiken in seine Datenbanken. Zwar hat Home Assistant in den letzten Monaten viel daran gearbeitet, die Schreiblast durch Aggregation zu reduzieren, und auch automatische Backups sind eine wichtige Funktion, aber da Zuverlässigkeit das wichtigste Gut im Smarthome sein sollte, greift man trotzdem besser zu einer SSD, denn selbst die billigste SSD hält idR mehr aus als die teuerste MicroSD-Karte. Der Raspi hat leider keine direkte Unterstützung für SSDs, die lassen sich eigentlich nur per USB anbinden. Ein NUC bringt mindestens einen echten SATA-Port (ohne USB) mit, je nach Modell gibt es auch NVMe-Unterstützung (auch wenn das für den Betrieb nicht relevant ist).

          3. Den NUC kann ich bei Bedarf jederzeit nochmal um mehr RAM erweitern. Ist aber eigentlich nicht notwendig — meine mittlerweile ziemlich große Installation mit über 100 angebundenen, teilst selbstgebauten oder auf freie Software umgeflashten Smarthome-Geräten und diversen Addons belegt im Betrieb unter 1GB RAM, während der Backups etwas mehr.

          4. Auf dem NUC läuft das Standard-x86_64-Image (welches man bspw. auch in VMs installiert), während ARM-Boards wie die Raspis idR eigene Images mit speziellem Kernel benötigen, damit alles anständig funktioniert und Leistung und Stromverbrauch stimmen. So muss ich keine Angst haben, dass allzu bald mein Board als deprecated gilt und keine Images mehr bekommt, und idR ist so ein Standard-Image natürlich auch deutlich besser getestet.

          Für die ersten Schritte, egal ob ioBroker, Home Assistant, FHEM oder sonst etwas, würde ich glaube ich einfach mit einer VM (VirtualBox oder so) starten und mich erst einmal spielerisch damit auseinander setzen. Damit WLAN-Smarthome-Geräte korrekt erkannt werden, ist darauf zu achten, dass die VM im Bridge-Modus ans LAN angebunden ist (WLAN kann da Probleme machen).
          Und wenn es einem gefällt, zieht man davon ein Backup, macht einen Raspi oder NUC oder halt Dein Netbook fertig, kopiert das Image drauf und spielt das Backup ein.

          Dein Netbook ist wahrscheinlich ausreichend, wichtig ist nur, dass es eine 64bit-x86-CPU hat. Mein NUC mit seinen 2x 2 GHz oder so, 4GB RAM und Samsung-SSD ist idR um 5% ausgelastet auf der CPU, und verbraucht unter 4W Strom.

          Wenn Du Zigbee mit ZHA nutzen willst, insbes. auch wenn Du gleichzeitig noch Thread nutzen können willst, empfehle ich einen Zigbee-Stick mit Silabs ERF32-Chip aus der Mighty-Gecko-2-Serie und externer Antenne, bspw. den Sonoff ZB Dongle Plus V2 (aka ZBDongle-E), der kommt ab Werk mit einer (reinen Zigbee-)Firmware bespielt, die direkt mit ZHA und auch mit Z2M funktioniert. Anstecken, Zigbee-Integration mit 2 Klicks hinzufügen, Stick auswählen, läuft.
          Wenn Du Zigbee mit Zigbee2mqtt nutzen willst, funktioniert der o.g. Stick auch, aber Z2M ist in der stabilen Version derzeit weder in der Lage, mit der MultiPAN-Firmware umzugehen (um Thread parallel zu Zigbee zu nutzen) noch vollständige Koordinator-Backups von EFR32-Sticks zu ziehen. Hier sollte man dann statt dessen den Kauf eines Zigbee-Sticks mit TI CC2652-Chip in Betracht ziehen, und diesen mit der Koenkk-Firmware des Z2M-Projekts zu bespielen. Diese werden von Z2M voll unterstützt. Ein Beispiel hierfür ist der Sonoff ZB Dongle Plus V1 (aka ZBDongle-P). ZHA läuft mit diesem Stick und dieser Firmware übrigens auch gut.
          Falls Du lieber deCONZ einsetzen willst, machen eigentlich nur die Conbee und Co. Sinn, aber damit hab ich nur einmal kurz vor langer Zeit herumgespielt und kenne den aktuellen Stand nicht.

          Ich hatte letztens zu Thommys Tuya-Smarthome-Artikel noch ein paar längliche Posts zum Thema Home Assistant geschrieben, vielleicht findest Du darin auch noch interessante Infos für den Einstieg bzw. welche Komponenten man kaufen sollte und welche nicht.

          Grüße!

        • Profilbild von Pigeon
          # 24.02.23 um 02:54

          Pigeon

          Hier ist der Tuya-Smarthome-Artikel von Thommy mit meinen längeren Home-Assistant-Kommentaren:

          https://www.china-gadgets.de/?p=314352

  • Profilbild von Ricochet
    # 23.02.23 um 06:57

    Ricochet

    Hat jemand vom Pionier und vorherigen Marktführer Homematics etwas bezüglich Matter/Thread gehört?

    • Profilbild von Preacher
      # 24.02.23 um 00:44

      Preacher

      Marktführer würde ich EQ3 Mal nicht nennen. Auf deren Website ist hochoffiziell zu lesen, dass sie Matter nicht unterstützen. Und das, obwohl die Geräte per IPv6 kommunizieren.
      Man muss aber fairerweise sagen, dass ausgewachsene Heimautomatisierungslösungen wie KNX, LON, LCN alle kein Matter unterstützen und das aus gutem Grund – keiner wird die Interoperabilität mit irgendwelchen exotischen Fremdgeräten offiziell unterstützen wollen, denn keiner wird Supportfragen beantworten wollen, warum z.B. ein 200€ KNX-Taster keine chinesische 5€ Steckdose schalten kann.

      Nach meiner Ansicht ist Matter nur eine große Blase, die mit professioneller Gebäudeautomation nichts zu tun hat und auch nicht viel mehr ist, als schon sicher 5 Jahre mit einem Echo+ und Alexa Skills geht.

      Ich durfte vor über 20 Jahren am KNX Standard 1.0 mitwirken, wir hatten damals die technischen Grundlagen geschaffen, dass Waschmaschinen ihren Energiebedarf melden können und Kühlschränke Lebensmittel selbstständig bestellen.
      Stand heute habe ich Kühlschrank, Kochfeld, Geschirrspüler, Backofen und Reiskocher mit App und WLAN. Reiskocher fernstarten geht ganz gut, Tiefkühlbereich vorkühlen wenn wir gerade ein paar Angebote gekauft haben auch und der Geschirrspüler meldet (manchmal) wenn er fertig ist oder Verbrauchsmaterial braucht.So weit und minimal smart, denn beim Kochfeld kann ich remote keine Platte abdrehen, wenn wir z.B. unterwegs sind und die Rindsuppe kocht.
      Hier ebenfalls kein Matter.

  • Profilbild von Preacher
    # 24.02.23 um 00:24

    Preacher

    Danke für den übersichtlichen Artikel, das Wesentliche kompakt und informativ zusammengefasst

    • Profilbild von Thommy
      # 24.02.23 um 08:23

      Thommy CG-Team

      Ich danke! Schön, Experten wie euch hier an Bord zu haben.

      Schönes Wochenende übrigens!

      Best
      Thommy

  • Profilbild von Witz
    # 01.03.23 um 16:52

    Witz

    Wer daran glaubt das sich die Hersteller -allen voran die unsäglichen Chinesen mit ihrem ekelhaften und inkompatiblen TUYA Schrott- die Butter vom Brot nehmen lassen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

    Es wird sich gar nichts gross ändern, ausser das Zigbee nun auf IPv6 aufsetzt und dadurch routbar wird. Das ist alles nur Marketing Gelaber.

    Wir sprechen und mal in 1-2 Jahren wieder, dann werdet ihr wissen das ich Recht hatte.

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