E-Mobilität – Trends in Deutschland, USA und Europa

E-Bikes, E-Scooter oder auch elektrische Skateboards – E-Mobilität wird immer beliebter. Während E-Scooter in den USA bei weitem keine Seltenheit mehr sind und in San Francisco die elektronischen Roller beinahe an jeder Ecke herumstehen oder -liegen, sind sie in Deutschland jedoch (immer noch) nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Dasselbe gilt auch für andere Arten dieser motorisierten Freizeitfahrzeuge. Hoverboards oder auch beispielsweise E-Skateboards gibt es somit zwar auch in Deutschland zu kaufen, wer sie aber im öffentlichen Verkehrsraum nutzt, macht sich derzeit strafbar.

Die Anzeichen verdichten sich nun aber, dass eine Gesetzesänderung auf dem Weg ist. Ein Schritt, der längst überfällig ist, wie wir finden. Als China-Gadgets haben wir schon längst verschiedene „Last Mile-Gadgets“ getestet und sind begeistert. Außerdem: in den anderen Ländern geht es doch auch! Zeit, das sich was ändert, oder?Xiaomi Ninebot ES01 Fahren

Steigende Beliebtheit für E-Bikes

E-Bikes und auch Pedelecs (Pedal Electric Cycle) hingegen sind auch in Deutschland legal und werden häufiger denn je genutzt. Dabei wird heutzutage häufig von einem E-Bike gesprochen, wobei jedoch genau genommen ein Pedelec – also ein Fahrrad mit motorisierter Tretunterstützung – gemeint ist. Ein E-Bike ist im engeren Sinne ein Elektro-Leichtmofa. Das kann zusätzlich tretunabhängig, also nur mit einem Gasgriff, fahren. Diese Art von Elektro-Fahrrad besetzt derzeit jedoch nur einen sehr geringen Marktanteil in Deutschland.

Der Begriff des E-Bikes umfasst somit auch Pedelecs. Daher ist meist von einem Fahrrad mit Tretunterstützung die Rede, wenn es um E-Bikes geht.

Frau auf E-Bike

Für eine genauere Unterscheidung lassen sich E-Bike, Pedelec und Speed-Pedelec im Folgenden kurz vergleichen. Hierfür wird das E-Bike in die Kategorie Leichtmofa und Kleinkraftrad unterteilt.

Tabelle: Pedelec, E-Bike und Speed Pedelec im Vergleich

E-Bikes sind somit in Deutschland mehr als nur angekommen. Immer mehr Deutsche greifen zu der umweltfreundlichen Alternative des PKW – insbesondere für Strecken, die für die Nutzung eines herkömmlichen Fahrrads zu weit sind. Dies zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Statistik der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse. Die Befragung richtete sich an alle Einwohner in Deutschland, die im Besitz eines E-Bikes bzw. Pedelecs sind. So sind es 4,76 Millionen Deutsche, die im Jahr 2018 ein Elektro-Fahrrad im Haushalt haben. Doch auch weltweit erfreuen sich E-Bikes großer Beliebtheit.

E-Bikes aus China: Warum sind sie illegal?

Daher ist es kein Wunder, dass auch China in Sachen E-Bikes nachrüstet. Auf dem FIIDO D1 E-Bike haben wir selbst schon einige Runden gedreht, und auch das HIMO E-Bike von Xiaomi hat schon Fans in unserer Community gefunden.

Diese kostengünstigen und von uns als durchsaus positiv bewerteten E-Bikes bringen jedoch – wie in den jeweiligen Artikeln auch schon erwähnt – in Deutschland Probleme mit sich. Beide Modelle liegen mit ihrer Höchstgeschwindigkeit innerhalb der gesetzlichen Vorgabe für Pedelecs (25 km/h). Jedoch verfügt beispielsweise das FIIDO E-Bike über drei unterschiedliche Antriebsarten. Daher ist nicht klar, ob der vollständige Elektroantrieb, der neben manuellem Treten und dem Pedelec-Modus genutzt werden kann, somit auch ein Kennzeichen und eine Zulassung in Deutschland für den öffentlichen Verkehr erfordert – auch wenn man diesen ggf. gar nicht nutzt.

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Somit warten wir weiterhin auf Pedelecs aus China, die auch in Deutschland problemlos zugelassen werden. Dafür müssten sie auf den zusätzlich integrierten kompletten Elektroantrieb verzichten. Ob China sich in dieser Hinsicht anpasst, bleibt abzuwarten.

E-Scooter weiterhin in Deutschland illegal

Eine kleinere Alternative zu den E-Bikes sind E-Scooter, welche durch einen Elektromotor angetrieben werden. Die Scooter haben keine Tretpedale, denn es wird mit einem Gasgriff beschleunigt. E-Scooter lassen sich ebenfalls aus China importieren. Jedoch sind diese E-Roller, wie beispielsweise der Xiaomi M365 nicht auf öffentlichen Straßen in Deutschland zugelassen, wie andere E-Scooter.

Dass E-Scooter generell praktisch sind, lässt sich allerdings nicht abstreiten. Das geringe Gewicht, der leise Motor und die Umweltfreundlichkeit sind nur wenige der vielen Vorteile von Elektro-Rollern.

zwei E-Roller nebeneinander

Welche Strafe droht mir wegen Fahren eines E-Scooters?

Trotzdem lässt sich auf eine Zulassung in Deutschland immer noch warten. Wer E-Scooter im öffentlichen Straßenverkehr Deutschlands nutzt, ist offiziell mit einem Kraftfahrzeug ohne Zulassung und Versicherungsschutz unterwegs. Erstens erfüllt so ein Gadget nicht die Zulassungsvorschriften für ein Fahrzeug, welches schneller als 6 km/h fährt. Dadurch muss man mit einer Geldbuße und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Den ES2 gibt es nur in silber-grau (vorne), den ES1 in schwarz (hinten)
Aktuell darf man E-Scooter nur auf Privatgelände fahren!

Außerdem verstößt man damit gegen §6 des Pflichtversicherungsgesetzes, was mit einer Geldstrafe oder mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Dabei bleibt es nicht: auch ein Verstoß gegen §21 des Straßenverkehrsgesetzes liegt vor, welcher mit einer ähnlichen Konsequenzen behaftet ist. Das bedeutet im Klartext: das Fahren eines E-Scooters auf öffentlichen Straßen ist kein Kavaliersdelikt! Auf Privatgrundstücken stellt die Nutzung der E-Roller dagegen kein Problem dar.

Elektrokleinstfahrzeuge im Straßenverkehr

Eine Legalisierung für den öffentlichen Verkehr wünschen sich nicht nur die Hersteller und viele deutsche E-Scooter Begeisterte, sondern auch Politiker.
Denn auch wenn sich das zuständige Bundesverkehrsministerium bisher sehr viel Zeit für die nötigen Gesetzesänderungen für E-Scooter lässt, gab es zumindest kürzlich eine von der politischen Partei Bündnis 90/Grünen geleitete öffentliche Sitzung. Über diese wurde auch schon in unserem Artikel „E-Scooter bald mit Straßenzulassung in Deutschland?“ näher berichtet.

Im Vorfeld dazu wurde der Gesetzesentwurf zur „Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen im Straßenverkehr“ schon im Juli 2018 eingereicht. Der Branchendienst für Elektromobilität hat auf Anfrage schon die wichtigsten Ergebnisse aus der Sitzung, die vom Verkehrsministerium bekannt gegeben wurden, in Erfahrung gebracht:

⦁ E-Roller sollen nur auf Radwegen gefahren werden dürfen
⦁ die bauartbedingte Maximalgeschwindigkeit soll 20 km/h betragen
⦁ die Motorleistung soll höchstens 500W sein
⦁ da eine neue Fahrzeugklasse für die Legalisierung geschaffen werden muss, soll eine Versicherungspflicht und ein Versicherungskennzeichen notwendig sein
⦁ eine Helmpflicht soll nicht bestehen
⦁ es müssen fahrdynamische Mindestanforderungen erfüllt werden (man muss den Roller steuern und bremsen können und er muss eine Beleuchtungsanlage besitzen)

Somit gibt es jetzt endlich die ersten Ergebnisse zu der Frage nach der Legalisierung von E-Rollern im öffentlichen Straßenverkehr. Wie lange es nun noch dauert, bis es letztlich zu einer Straßenzulassung für die Elektro-Roller kommt, ist nicht ganz klar. So lässt sich bisher lediglich auf eine endgültige Änderung der Rechtslage in naher Zukunft hoffen. Angepeilt ist der Zeitraum zwischen Ende 2018 und Frühjahr 2019.

Wo darf man E-Scooter bereits fahren?

Dabei machen es bereits viele europäische Länder schon seit längerem vor: Spanien, Belgien, Norwegen, Finnland, Schweiz, Frankreich. In all diesen Ländern sind die Elektro-Roller auf öffentlichen Straßen bereits legal.

Mann und Frau auf E-Roller

In Österreich beispielsweise werden die E-Roller derzeit als E-Bikes klassifiziert. Bis zu 25km/h dürfen die Roller dort schnell werden und die Nutzung ist auf öffentlichen Straßen und Fahrradwegen ohne Kennzeichen oder Führerschein erlaubt. Seitlich, hinten und vorne am Roller angebrachte Reflektoren sind jedoch Vorschrift.

Anders als in den USA ist in Europa eine Einzelzulassung und eine Typenprüfung für den legalen Gebrauch von E-Scootern notwendig. Dafür ist der jeweilige Hersteller oder Importeur verantwortlich. 20 Hersteller haben ihre E-Roller bereits EU-konform typenprüfen lassen.

E-Scooter aus China: Ninebot & Xiaomi

Dass E-Scooter auch in China ein großes Thema sind, merkt man als Europäer spätestens bei einem Blick in die China-Shops. Bei GearBest und AliExpress stapeln sich die Roller, die sich im Grunde aber alle sehr ähnlich sind. Aus der Masse herausgestochen sind für uns bis jetzt nur drei Modelle. Der gerade eben angesprochene Xiaomi M365 ist schon seit 2017 in unserem Büro und war unsere erste Erfahrung mit einem E-Scooter.

Danach haben der Ninebot ES1 und ES2 unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Allein schon die Hersteller machen Hoffnung: Xiaomi, Ninebot und Segway. Alle drei sind mehr oder weniger in der Produktion involviert, im Endeffekt ist es aber Ninebot, die Segway schon vor einigen Jahren mit Hilfe von Kapital von Xiaomi aufgekauft haben. Kristian hat alle drei Modelle getestet und dementsprechend auch miteinander verglichen.

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Der Hype um E-Roller in den USA

Besonders in den USA sind E-Scooter stark vertreten. Als eine beliebte Alternative zum E-Bike und Pedelec, sind die Roller dort bereits in mehr als 20 Städten aufzufinden. Einer der bekanntesten Hersteller ist dabei Bird. Das Startup, welches im September 2017 startete, hat seine Roller bereits rund um Los Angeles verteilt und expandierte daraufhin auch in weitere Städte Kaliforniens. Dort stehen die Bird Roller – oder auch Roller anderer Anbieter wie LimeBike oder Spin – meist zum Verleih bereit und lassen sich per App entsperren. Das kostet im Durchschnitt einen US-Dollar und 10 bis 15 Cent pro gefahrene Minute.

Fun Fact: bei den E-Rollern, die Bird vermietet, handelt es sich um den Xiaomi M365 und den Ninebot ES2, die beide Repertoire unseres Redaktionsbüros sind.

BIRD E-Scooter
Kommen uns bekannt vor, diese Roller von BIRD.

Gefahren und Beschwerden: Nachteile der E-Scooter

Doch so praktisch und gut die Roller auch sind, so dürfen die Gefahren dabei auch nicht außer Acht gelassen werden.

Denn der Hype in den USA brachte schon einige Unfälle und sogar schon einen Todesfall mit sich. Zwar besteht Helmpflicht in einigen Bundesstaaten, dennoch hält sich kaum jemand daran. So kam es schon zu diversen Meldungen über Knochenbrüche oder auch ausgefallenen Zähnen durch einen E-Scooter-Unfall. Zusätzlich werden einigen Berichten zufolge auch Gehwege illegalerweise mit benutzt. Auch die gefährliche Fahrweise vieler E-Roller Nutzer sorgte schon für einige Beschwerden.

Mögliche Unfälle sind deshalb nämlich noch ein Thema der Versicherung. Reicht die Privathaftpflicht oder muss ich einen E-Scooter zusätzlich versichern? Momentan (Stand: Oktober 2018) geht man davon aus, dass Versicherungspflicht und Kennzeichenpflicht besteht.

Abgesehen von den Unfällen, sorgen ebenfalls die überall herumliegenden Roller für eine negative Stimmung bei vielen Bürgern in den USA. Ab Anfang Juli gilt daher die Regelung, dass die Betreiber alle ihre Roller ab einer bestimmten Uhrzeit einsammeln müssen. Sonst kommt es zu Geldstrafen in Höhe von 100 Dollar pro Tag und pro Fahrzeug.

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Dass nicht jedes E-Transport Gadget bestens für den Straßenverkehr geeignet ist, thematisiert auch Jens in seinem Testbericht zu den Ninebot Drift-Skates, mit denen man ebenfalls illegal auf den deutschen Straßen unterwegs wäre. Hierbei handelt es sich eher um ein Gadget, mit dem man Tricks oder Stunts üben kann als sinnvoll von A nach B zu kommen. Das liegt unter anderem auch daran, dass die selbstbalancierenden Skates theoretisch eigenständig fahren können.

Wir warten gespannt auf die Entwicklung in Deutschland

Da wir selbst nun schon diverse Last-Mile Gadgets getestet haben und weiter testen werden, können wir den Weg in die Legalität der E-Roller & E-Bikes kaum abwarten. Nach so vielen Runden auf dem Xiaomi-Roller ist diese Thematik jedem hier eine Herzensangelegenheit. Gerade die E-Roller halten wir für eine gute Alternative zu den Elektro-Fahrrädern. Für Pendler sind die Roller ideal und auch verkehrstauglicher als Hoverboards oder E-Skateboards. Durch die Legalisierung würde die E-Mobilität in Deutschland einen großen Sprung machen, denn die Nachfrage ist ja auch bei euch da. Außerdem: so langsam macht das Fahren nur auf Privatwegen keinen Spaß mehr 😉

Wie seht ihr das ganze? Fiebert ihr schon der möglichen Legalisierung von E-Scootern im öffentlichen Straßenverkehr entgegen oder kommt ihr auch ohne gut aus? Anders gefragt: Glaubt ihr, dass zum Beispiel die E-Roller eine Belastung für den Straßenverkehr wären? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Kristian

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7 Kommentare

  1. Profilbild von Blub42

    Super Artikel. Danke!

    Aber das wäre unschön:
    ⦁ da eine neue Fahrzeugklasse für die Legalisierung geschaffen werden muss, soll eine Versicherungspflicht und ein Versicherungskennzeichen notwendig sein

  2. Profilbild von computerpitti

    E-Roller eine Belastung?

    EHER EINE ENTLASTUNG IN JEDER HINSICHT

    Sie sind klein, leicht, können ohne Anstrengung genutzt werden.
    Das Kurzstreckenauto wird verkauft, Die öffentlichen mehr genutzt.
    Fahrradfaule, denen ebikes zu teuer waren lassen ebenfalls das Auto stehen.

    Desto mehr E-Roller fahren, desto weniger Autos haben wir…
    Das kann nur eine deutliche Entlastung sein!

    Also immer her damit!!!!!

  3. Profilbild von Ole

    Ist der Entwurf zur "“Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr"“ nicht eigentlich ein Verstoß gegen den allgemein geforderten Bürokratieabbau ?

  4. Profilbild von Gain

    Ebike aus China mit sicherer Zulassung
    Es gibt doch das Qicycle (max 25 km/h). Mit (guter) Tretunterstützung + 3Gangschaltung, aber kein Moped-Mode.

  5. Profilbild von Gain

    Außerdem heute im Wirtschaftsteil der Süddeutschen: mytaxi will in den E-Scooter-Leihmarkt in Europa einsteigen, mit Ninebot-Scootern.
    Lime prüft auch bereits Standorte in Deutschland (U. A. Berlin, Ffm). Und auch Mytaxi will hier einsteigen, sobald rechtlich möglich.

  6. Profilbild von kaydee

    Laut TÜV führt die Versicherungspflicht zu einem Mitnahmeverbot in Bussen und Bahnen.
    https://www.presseportal.de/pm/65031/4092363

  7. Profilbild von DanielMZ

    Wenn ich ein Versicherungskennzeichen benötige, dann werde ich es mir nicht zulegen und weiter mit dem Auto in die Stadt fahren. Ein Pedelec bis 25km/h braucht ja auch kein Kennzeichen.
    War gerade gestern in Breslau, dort gibt es Lime mit E-Scootern und es ist eine super Sache!
    In FFM gibt’s Lime angeblich schon, allerdings nur mit Pedelecs.

    Veröffentlicht mit der China Gadgets-App für Android.

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